Andrew Parrott und das Taverner Consort auf der Fraueninsel

Das Taverner Consort unter Andrew Parrott bei den Festspielen Herrenchiemsee auf der Fraueninsel Bei Regen wirkt der Chiemsee noch gr
| Robert Braunmüller
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Andrew Parrott und das Taverner Consort in Frauenchiemsee.
Johannes Beyer 5 Andrew Parrott und das Taverner Consort in Frauenchiemsee.
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Andrew Parrott und das Taverner Consort in Frauenchiemsee.
Johannes Beyer 5 Andrew Parrott und das Taverner Consort in Frauenchiemsee.
Die Klosterkirche auf der Fraueninsel.
dpa 5 Die Klosterkirche auf der Fraueninsel.

Das Taverner Consort unter Andrew Parrott bei den Festspielen Herrenchiemsee auf der Fraueninsel

Bei Regen wirkt der Chiemsee noch größer als bei schönem Wetter. Dann wird das Wort vom „Bayrischen Meer“ erst richtig wahr, wenn sich bei der Überfahrt mit dem Schiff hinter der Fraueninsel die Ferne im Grau verliert.
Im Münster des Klosters finden traditionell die ersten Konzerte der Festspiele Herrenchiemsee statt. Auf Bach mit der Chorgemeinschaft Neubeuern unter Enoch zu Guttenberg folgt meist ein exquisites Gastspiel eines Ensembles für Alte Musik. Diesmal kam Andrew Parrott mit seinem Taverner Consort für eine „Kleine englische Nachtmusik“.

Der britische Dirigent und Musikwissenschaftler ist davon überzeugt, dass Bach seine Kantaten für eine solistische Besetzung komponiert hat. Er verteidigt diese These in einem Buch. Auch Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts führt er in schlanker Besetzung auf: Parrott hatte 14 Sängerinnen und Sänger mitgebracht, die auch solistisch hervortraten und auf Vibrato verzichteten.

Das Programm des Konzerts umkreiste passend zum Festivalmotto „Nachtmusik“ die Dämmerung und die Dunkelheit. Aber mehr im Sinn von Nacht oder Schlaf – und, puritanisch, wie unsere britischen Freunde nun mal sind – auch ohne jedes erotische Geschehen. Höhepunkt war die alttestamentarische Szene „Saul and the Witch of Endor“ von Henry Purcell: ein sparsam mit Laute, Orgel und Bass-Gambe sowie drei Gesangssolisten besetztes, hochdramatisches Stück.

Die romanisch-gotische Kirche auf der Fraueninsel ist für intime Musik akustisch ideal. Die herbe Patina des Raums mischte sich stimmungsvoll mit der Strenge der Musik und dem puristischen Ansatz des Ensembles. Selbst Lautenstücke von John Dowland oder Thomas Robinson gehen in dieser Kirche nicht verloren. Ein leises Chorstück wie „Nunc dimittis“ von Arvo Pärt ist da fast schon zu laut.

Wie geht es mit dem Festival weiter?

Aber alles Schöne wirft einen Schatten: Konzerte auf Frauenchiemsee sind ein teures Vergnügen. Weniger für den Besucher, der an der Kirchentüre von Herrn in Livree begrüßt wird: Im maßvollen Kartenpreis sind die Überfahrt und der Parkplatz eingeschlossen. Aber für halbwegs kostendeckende Aufführungen hat die Kirche einfach zu wenig Plätze.

Seit dem Ausfall der Deutschen Bank als Großsponsor ist der Etat der Festspiele auf die Hälfte geschrumpft, obwohl der Freistaat das Festival seit 2013 als kulturelles „Leuchtturmprojekt“ im Regierungsbezirk Oberbayern mit 800 000 Euro jährlich unterstützt. Die Förderung wird auch in den nächsten Jahren fortgesetzt. Guttenberg musste das Programm allerdings reduzieren und die beliebten konzertanten Opernaufführungen streichen.

Wenn man mit Guttenberg über die Zukunft dieses Festivals spricht, schwankt er zwischen Resignation und Begeisterung. Ihn ärgert, dass die Festspiele Herrenchiemsee wegen der livrierten Diener als exklusives Privatfestival geschmäht werden, obwohl die Karten nicht teuer sind und er vor Jahren von der Politik aufgefordert wurde, in der Heimat seiner Chorgemeinschaft Neubeuern etwas auf die Beine zu stellen. Vor einem Jahr hieß es, 2016 sei Schluss. Aber Guttenberg macht weiter – und er gibt die Hoffnung nicht auf, dass doch noch ein anderes Unternehmen die auslaufende Förderung durch Deutsche Bank ersetzt.

Bis Ende Juli folgen in der Spiegelgalerie von Schloss Herrenchiemsee noch Aufführungen der Requien von Antonin Dvorák und Johannes Brahms. Das Orchestre de Champs Elysées gastiert unter Philipp Herreweghe mit Anton Bruckners Sechster, Roberto Abbado dirigiert Mahlers Symphonie Nr. 7 mit ihren zum Festivalmotto passenden Nachtmusiken. Es wäre echt schade, wenn das alles enden würde.
  
Infos unter www.herrenchiemsee-festspiele.de

 

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