Akademiekonzert mit Gerhard Oppitz und Constantinos Carydis im Nationaltheater

Das Bayerische Staatsorchester mit Brahms und Debussy im Nationaltheater
| Michael Bastian Weiß
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Der Pianist Gerhard Oppitz gilt als Brahms-Experte.
Winderstein Der Pianist Gerhard Oppitz gilt als Brahms-Experte.

Das Bayerische Staatsorchester mit Brahms und Debussy im Nationaltheater

"Maestoso“ ist der Kopfsatz von Brahms’ 1. Klavierkonzert überschrieben, doch meist wird das Tempo in ein erregtes Allegro getrieben. Da wirkt es außergewöhnlich, dass Constantinos Carydis den Mut hat, die lange Orchestereinleitung in ihrer Tiefe auszubreiten. Die gemessene Geschwindigkeit führt zu einer immensen Spannung, und das Bayerische Staatsorchester bildet im Nationaltheater eine geradezu greifbare Körperlichkeit des Klangs aus, die Kontrabässe rammen ihre Verdammungsgesten mit echter Wut in den Boden. In den Übergangspassagen wird die Zeit dafür mitunter sogar fast angehalten.

Durch seine Bedachtsamkeit kann Carydis seinem Solisten Gerhard Oppitz eine freie Bühne bereiten, die dieser nutzt, seine Brahms-Kompetenz zu beweisen. Der einstige Münchner Klavierprofessor, eher Analytiker als Farbenzauberer, arbeitet mit einer starken linken Hand die Struktur des massiven Klaviersatzes heraus. Von der existenziellen emotionalen Gewalt des Kopfsatzes ist er eher unbetroffen, im Gegensatz zum Dirigenten.

Klare Vorstellungen

Vielleicht ist diese Differenz auch der Grund dafür, dass es den beiden nicht ganz gelingt, große Bögen über die Ecksätze zu spannen, welche vielmehr dazu neigen, in für sich schön gestaltete Episoden aufgegliedert zu werden. Zum Zentrum dieser Interpretation wird das wunderbar still entwickelte Adagio: ein anrührendes Gebet.

Auch Debussys „La mer“ zeigt Carydis als einen Dirigenten, der eine klare Vorstellung von diesem Stück hat und den Willen, sie zu verwirklichen. Die Höhepunkte der einzelnen Sätze werden vielleicht etwas unvermittelt erreicht, aber an dieser Deutung besticht, wie der Grieche diese symphonischen Skizzen von ihrer rhythmischen Struktur her auffasst, die trocken und bisweilen gar unerhört aggressiv geschärft wird: bis hin zum Insistieren. Eine echte Entdeckung dürfte für viele Hörer die Pastorale „Pan und Syrinx“ des dänischen Komponisten Carl Nielsen gewesen sein, eine originelle Studie, in welcher die Schrecken des modernen Krieges Einzug in die arkadische Naturszenerie halten. Michael Bastian Weiß

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