30 Jahre Fraunhofer Volksmusiktage

Vor 40 Jahren wurde die Fraunhofer Saitenmusik gegründet. Vor 30 Jahren die Fraunhofer Volksmusiktage. Der Münchner Richard Kurländer ist dabei die Schlüsselfigur
| Adrian Prechtel
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Tuba, Gitarre, zwei Steirische: Maxjoseph spielen am 8. Januar.
Fraunhofertheater Tuba, Gitarre, zwei Steirische: Maxjoseph spielen am 8. Januar.

Vor 40 Jahren wurde die Fraunhofer Saitenmusik gegründet. Vor 30 Jahren die Fraunhofer Volksmusiktage. Der Münchner Richard Kurländer ist dabei die Schlüsselfigur

Vor 30 Jahren saßen der Wirt Beppi Bachmaier und der freie Musiker Richard Kurländer zusammen. Sie wollten im kleinkünstlerisch eher lauen Januar die Kabarettbühne im Fraunhofer beleben und erfanden etwas Musikalisches: Die Fraunhofer Volksmusiktage. Aus einem zweiwöchigen Programm sind jetzt zwei Monate geworden, mit 48 Künstlern und Gruppen. Am 28. Januar spielt auch die Gründungsgruppe, die Fraunhofer Saitenmusik.

AZ: Herr Kurländer, Sie sind vor 40 Jahren mit der jungen Fraunhofer Saitenmusik ins Studio gegangen und haben eine Platte aufgenommen, die eine neue Welle der Volksmusik ausgelöst hat.
RICHARD KURLÄNDER: Aber ich wusste gar nicht, wie wir das nennen sollten? Ich dachte zuerst an Hausmusik. Aber es war ja vor allem Volksmusik: gut nachspielbar, also genau „fürs Volk“, was uns sogar der Volksmusik-Guru Wastl Fanderl bestätigt hat.
Die Platte hieß „Volksmusik in schwierigen Zeiten“. War das politisch gemeint?
Nicht wirklich, auch wenn wir lange Haare hatten, Flatterhemden und Jeans getragen haben. Die „schwierige Zeit“ lag eher daran, dass wir schwer erklären konnten, was wir da machen. Die alten Puristen haben das, was wir gespielt haben, ohnehin abgelehnt: zu frei, zu viele nichtbayerische Einflüsse – wie zum Beispiel aus Irland. Wir waren sogar in einer Zange, obwohl wir uns sehr frei gefühlt haben. Denn andererseits haben auch die Jungen damals, wenn sie „Volksmusik“ gehört haben, nicht kapiert, dass wir auf keinen Fall volkstümliche Musik gemacht haben, wie in den Fernseh-Schlager-Shows. Wir lagen also quer. Die nächste Platte hieß dann auch „Gegen den Rhythmus der Zeit“.
Heute spricht man von der „Neuen Volksmusik“, die ja eine sehr lebendige Szene ist.
Wir haben als Fraunhofer Saitenmusik damals viele ermutigt, Volksmusik zu machen. Dann wurde das ja sogar ein richtiges Studienfach, während wir noch Autodidakten waren. Und heute muss keiner mehr erklären, dass Volksmusik nichts mit volkstümlicher Musik zu tun hat.
Aber das Feld ist sehr bunt, breit und unübersichtlich geworden.
Es gibt vielleicht zwei Grundrichtungen: die einen, die sich an alter Volksmusik, auch an anderen Ländern und Zeiten sowie an der Klassik orientieren. Und die anderen, die es ins Moderne treiben, was dann auch in den Jazz, Blues bis zum Pop geht. Schon die Biermösl Blosn hatten ja engen Kontakt zu den Toten Hosen und haben immer gesagt, dass das für sie auch „Volksmusik“ ist.
Aber wo ist da eine Grenze?
Volksmusik ist für mich dialektal: Wie man spricht, so singt und spielt man. Man kann von Muttersprache reden, und ich würde auch parallel dazu von Muttermusik oder Mutterklang reden, wenn’s als Begriff nicht so komisch klingen würde. Aber man hört bei der Volksmusik, wo sie herkommt – sprachlich, von den Instrumenten her und der Rhythmik. Wir hatten Weltmusik, jetzt spricht man von „Heimatsound“. LaBrassBanda oder der Ringsgwandl sind da bekannt. Liedermacher wiederum sind ein Grenzbereich. Aber wenn es popmusikalisch wird und auf Englisch gesungen, dann ist es für mich befremdlich, das als Volksmusik zu begreifen. Da haben wir’s: Jetzt bin ich plötzlich selbst in der Rolle des alten Volksmusikpflegers! Aber ich bin ein Anhänger der modernen Volksmusik-Definition der Volkskundlerin Ulrike Zöller: „Tradimix“ – also Tradition gemischt mit neuen Klängen.
Könnte nicht auch ein aktuelles Volksmusikalbum „In schwierigen Zeiten“ heißen? Der Dialekt schwindet, die Mobilität schwächt die Heimatbindung, immer mehr Menschen leben in großen Städten.
Die Großstadt München ist mittlerweile sicher nicht nur international, sondern global. Aber ich sehe das nicht so pessimistisch: Die Menschen bringen Volksmusik aus ihren Ländern mit, was dann wieder unsere Musik beeinflusst. Und was den Dialekt anbelangt: Wenn man anhört, was da alles aktuell – wie bei den Fraunhofer Volksmusiktagen – zu hören ist, merkt man: Da ist noch viel junges, neues Feuer drin! Und wenn man zum Beispiel die Unterbiberger Hofmusik erlebt, mischen die wunderbar fließend auch Türkisches unter.
Sie selbst waren ja auch Volksmusiklehrer – und mussten dann ihr Autodidaktentum professionalisieren.
Ja, bei Gitarre und dem Melodieinstrument Hackbrett geht das noch gut. Aber spätestens mit der Harfe erreicht man schnell eine Grenze, wo man die Notenliteratur und Harmonielehre braucht. Der Gitarrenprofi Sepp Eibl hatte 1979 eine Volksmusikschule gegründet und uns als Gründungslehrer beschäftigt. Da mussten wir uns professionalisieren. Er war und ist ein Gitarrenvirtuose und streng, aber immer ein väterlicher Unterstützer. Überhaupt hat er – auch als Musikjournalist – der Volksmusik zu großem Renommee verholfen.
Dem Sepp Eibl geht es gerade nicht so gut, so dass sein Konzert am Dienstag ausfällt.
Aber das wird sicher nachgeholt.
Sind Sie stolz, was Sie alles vor 40 Jahren mitausgelöst haben?
Stolz nicht, sagen wir lieber: sehr zufrieden.
Und wenn Sie wieder die erste Schallplatte „Volksmusik in schwierigen Zeiten“ auflegen: Wie hört sich die heute an?
Ich denke mir: Menschenskinder, was haben wir uns da getraut! Das war naiv! Wir hatten so wenig Zeit und keine Studioerfahrung, so dass es auch für uns ein Wunder war, als die Platte dann rauskam und wir bald schon viele Preise bekamen. Obwohl wir heute auf einer anderen professionellen Stufe sind.     

Freitag, 3. Januar, 20.30 Uhr: NaglMusi: „Rauhnachtsagen“. Geschichten um die Rauhnächte werden von Musik begleitet.
Sa, 4. Januar, 20.30 Uhr: d’Housemusi: „Isar, Loisach, Tegernsee“
Die Tanzfrühschoppen am So, 5. Januar und am Mo, 6. Januar, mit der Kapelle Josef Menzl, sind ausverkauft. Und das Konzert am 7. Januar mit Sepp Eibl wird verschoben.
Mi, 8. Januar, 20.30 Uhr: Maxjoseph, ein Quartett, das Akkordeon, Ziach, Zither, Gitarre, Schlagwerk spielt: frei, schräg, wild.
Do, 9. Januar, 20.30 Uhr: Großstadt Boazn - ein Trio aus Baritonsaxophon, Gitarre und Steirischer Harmonika macht alpenländische Volksmusik und Pop.
Fr, 10. Januar, 20.30 Uhr: Halva: Klezmer, Griechenland, Türkei, Ungarn und Klassik mischen sich.
Sa, 11. Januar, 20.30 Uhr: Manuel Kuthans Glitzerbeisl – der Zitherkönig mit einem Schlagzeuger und Trompeter
So, 12. Januar, Frühschoppen,11 Uhr: Hochzeitskapelle – folkloristisch-elegischer Rumpeljazz (12 Euro)


Fraunhoferstraße 9, Eintritt jeweils 22 Euro (außer Frühschoppen), Karten: www.fraunhofertheater.de
 

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