Münchner Opernfestspiele: Mehr „Italianita“ wagen

Die Münchner Opernfestspiele garnieren Repertoire mit Premieren und Uraufführungen. Mit Spannung erwartet wird der neue "Lohengrin" mit Jonas Kaufmann.
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Martha Schlüter Illustration

Die Münchner Opernfestspiele garnieren Repertoire mit Premieren und Uraufführungen. Mit Spannung erwartet wird der neue "Lohengrin" mit Jonas Kaufmann.

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Als 1875 in München erstmals so etwas wie Opernfestspiele veranstaltet wurden, war das einem bestimmten Grund geschuldet. Karl von Perfall, damals Intendant am Münchner Hoftheater, wollte die Einnahmen seines Hauses steigern. Die Aufführung einer Serie von „auserwählten Vorstellungen“ im August und September hatte zudem den Zweck, Besuchern „den künstlerischen Standpunkt, welche die königlichen Hofbühnen einnehmen, darzulegen, sowie einen Einblick in deren künstlerische Leistungsfähigkeit zu gewähren“.

Bis heute liegt den Opernfestspielen das Konzept einer Saison-Retrospektive zugrunde. Daran will auch der neue Staatsopernintendant Nikolaus Bachler nichts ändern. „Solch eine Werkschau gibt es anderswo nicht“, sagt er und verweist darauf, dass sein Haus damit auch ein gutes Geschäft mache. Dieses Geld stehe dann im Laufe des Jahres anderen Projekten zur Verfügung.

Trotzdem soll bei den Opernfestspielen, die in diesem Jahr vom 27. Juni bis 31. Juli stattfinden, unter dem neuen Chef nicht alles beim Alten bleiben. Bachler will künftig vermehrt Schwerpunkte setzen. Dieses Jahr ist Giuseppe Verdi angesagt, getreu dem Antrittsversprechen Bachlers, in München mehr „Italianità“ zu wagen: Sechs Opern des Italieners sind im Festspielprogramm vertreten, darunter „Aida“ als Eröffnungsgala. Zudem gibt es Neuproduktionen von Richard Wagners „Lohengrin“ und Leonard Bernsteins Kompaktoper „Trouble in Tahiti“, jeweils unter Kent Nagano.

Sichtbarer Ausdruck für den Reformwillen soll eine Zeltkonstruktion auf dem Marstallplatz hinter der Oper sein. Unter dem Motto „under construction“ will Bachler dem Publikum dort zehn Tage lang Avantgardistisches bieten, vom „Intim-Konzert“ bis zu den „Lohengrin-Piraten“. 2010 soll statt des Zeltes ein mobiler Pavillon errichtet werden, gestaltet von dem Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, das auch für den Bau der futuristischen Münchner BMW-Welt verantwortlich zeichnete.

Die Reformen sind somit zaghaft und ihre Ausmaße überschaubar. Allerdings jagte der frühere Chef des Wiener Burgtheaters den traditionsverliebten Festspielbesuchern doch noch einen kleinen Schrecken ein: Bachler ersetzte den seit Jahrzehnten feststehenden Schlusspunkt der Festspiele, Wagners "Meistersinger“, durch Verdis Spätwerk „Falstaff“. „Traditionen müssen in der Kunst immer wieder neu befragt werden“, ließ er ausrichten, „ansonsten droht Versteinerung“.

Georg Etscheit

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