München, bewaffne dich!

Filmfest-Chef Andreas Ströhl erteilt dem Regisseur Peter Kern ein ewiges Hausverbot
| Robert Braunmüller
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Der österreichische Regisseur Peter Kern.
Manfred Werner Der österreichische Regisseur Peter Kern.

Bisher waren nur die Bayreuther Festspiele berühmt für ihre Hausverbote. Der verstorbene Patriarch Wolfgang Wagner liebte es, auf diese Weise nervige Familienmitglieder zu disziplinieren. Auf ein vergleichbares Weltniveau begibt sich nun das Münchner Filmfest: Dessen Chef Andreas Ströhl erteilt dem Regisseur Peter Kern „unbefristet Hausverbot für alle Veranstaltungen der Internationale Münchner Filmwochen GmbH”.

Kerns Streifen „Mörderschwestern” mit dem Schauspieler Helmut Berger („Ludwig II.”) sollte während des Filmfests in den Museumslichtspielen uraufgeführt werden. Der österreichische Produzent, Regisseur und Schauspieler hält dieses Kino zu klein für seinen großen Film. Er hat ihn deshalb zurückgezogen. In der AZ vom Mittwoch machte er seinem diesbezüglichen Ärger mit kräftigen Wörtlein in Richtung Filmfest Luft.

Kern fordert Solidarität

Das darauf verkündete Hausverbot treibt den ohnehin hohen Blutdruck Kerns naturgemäß weiter nach oben. „Das ist doch einmal eine schöne Variante für ein Filmfestival. Schließen wir doch die Filmemacher aus, die lästigen!”, schimpft er. „Der Filmemacher und sein Produzent investieren hunderte von Euros, um die Vorführung auf einem Festival zu ermöglichen. Nach zwei Jahren Arbeit wird dann den Machern verboten, für den richtigen Rahmen einer Welturaufführung zu bitten?”

Und dann wird er pathetisch: „Ich fordere die Solidarität aller Filmemacher und aller Kunstschaffenden gegen die Willkür, Peter Kern ein Hausverbot auszusprechen.” Und: „München, bewaffne dich – ich werde spätestens zur Eröffnung des Fernsehfilmfestes erscheinen.”

Haltet ein! Bevor in der nächsten Runde UNO-Blauhelme aufmarschieren, geben wir hier als Menschenfreunde gratis einen Rat. Die Kunst braucht originelle Köpfe wie Kern. Er will nur geliebt werden, wie alle Künstler. Ströhl hat auf den Sehnsuchtsschrei des Österreichers mit einer vier Seiten langen Rechtsbelehrung in Funktionärsmanier geantwortet, statt mit ihm zu reden. Geht’s noch? In diesem Sinne: Love & Peace, gebt’s a Ruah!

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