Monica Bleibtreu gestorben

Die Film- und Theaterszene trauert um eine ihrer ganz Großen: Die Schauspielerin Monica Bleibtreu ist tot. Die Mutter von Moritz Bleibtreu starb in der Nacht zu Donnerstag mit 65 Jahren an Krebs. Regisseur Heinrich Breloer erinnert sich in der AZ
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Monica Bleibtreu ist tot.
dpa Monica Bleibtreu ist tot.

Die Film- und Theaterszene trauert um eine ihrer ganz Großen: Die Schauspielerin Monica Bleibtreu ist tot. Die Mutter von Moritz Bleibtreu starb in der Nacht zu Donnerstag mit 65 Jahren an Krebs. Regisseur Heinrich Breloer erinnert sich in der AZ

"I geh hoam“, sagt Maria Stadler im Krankenhaus, als man ihr schon wieder eine Chemotherapie verordnen will. Und dann geht sie, heim in ihr eigenes Haus, zu ihren Söhnen, um dort zu sterben. Millionen sahen Monica Bleibtreu in „Marias letzte Reise“ als Maria Stadler, die ganz langsam den eigenen Tod akzeptiert und innerlich aufrecht aus dem Leben geht. Jetzt ist Monica Bleibtreu gegangen. In der Nacht zum Donnerstag starb die Schauspielerin in ihrer Wahlheimat Hamburg nach langer Krebskrankheit.

Ihr Tod kommt überraschend, auch für die, die Bescheid wussten. Sie hat unermüdlich gearbeitet, Ende des Jahres mit Gisela Schneeberger die Ingrid-Noll-Verfilmung „Ladylike“ abgedreht, vorher „Tannöd“, der im November in die Kinos kommt. Die Fernsehzuschauer sahen sie gerade in einem ZDF-Film, anlässlich ihres 65. Geburtstages am 4. Mai: „Ein starker Abgang“.

Über ihre Krankheit hat sie nie gesprochen

Bleibtreus Abgang ist leise, so wie sie es am liebsten wollte. „Sie hat um sich selbst nie viel Aufhebens gemacht“, sagt Regisseur Jo Baier, der mit ihr „Verlorenes Land“ gedreht hat. Nina Kunzendorf, die in „Marias letzte Reise“ die Sterbebegleiterin spielte, sagt der AZ: „Sie hat ihr Leiden nie zum Thema gemacht, wir dachten alle, solange sie noch so viele Projekte hat, wird sie noch nicht gehen. Ich hoffe innig, dass Monica es nicht zu schwer hatte.“

Ein Star wollte Bleibtreu nie sein. „Star ist kein Beruf“, sagte sie auf dem Höhepunkt ihrer Popularität: „Sind nicht oft sehr große Stars höchst mittelmäßige Schauspieler?“ Die Großnichte der Wiener Schauspielerin Hedwig Bleibtreu stand bereits als Kind auf der Bühne, nach dem Besuch des Max-Reinhardt-Seminars war sie jahrzehntelang im Theater zu Hause. Berliner Schillertheater, Freie Volksbühne Berlin, Münchner Kammerspiele waren Stationen. „Wir haben alles hinterfragt und ausprobiert“, sagte sie über die 68er und die Zeit des jungen Theaters. Bleibtreu verliebt sich in den Schauspieler Hans Brenner, verlässt ihn aber kurz nach der Geburt des Sohnes Moritz. „Ich habe ihn verlassen, weil ich in der Beziehung verlassen war. Um ihn waren viele Frauen, viele Kinder.“ Als Alleinerziehende schlägt sich die Theaterfrau fortan durch.

"Ich schieb den Tod so vor mir her", sagte sie.

Zu Ruhm, der ihr so suspekt war, kam sie erst durch ihren Sohn. „Ich habe von ihm gelernt, mit Erfolg umzugehen“, sagte sie. 1998 spielte sie eine kleine Rolle in Tom Tykwers Film „Lola rennt“, in dem Moritz eine Hauptrolle hatte. 2000 folgte „Marlene“, 2001 dann Heinrich Breloers „Die Manns“ und Jo Baiers „Verlorenes Land“. „Monica ist mit jedem Jahr besser geworden“, sagt Jo Baier. „Als junge Frau galt ich immer als hässlich“, hat sie gesagt. „Ich habe das Älterwerden als Befreiung begriffen.“ Auf Moritz, der sie im November zur Oma gemacht hat, war Monica Bleibtreu unendlich stolz. Ihm liefen die Tränen herunter, als sie sich bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2007, den sie für „Vier Minuten“ bekam, bei ihm bedankte: „Durch dich habe ich die Welt neu gesehen.“ Das Ende hat sie lange verdrängt. „Ich schiebe den Tod so vor mir her“, sagte sie 2005. „Ich habe Angst vor Schmerzen, vor Siechtum. Aber wenn die Sonne untergeht, geht sie unter.“

.Tina Angerer

Heinrich Breloer: "Monica, du warst mein Lottogewinn"

Sie drehten 2001 "Die Manns" - für Monica Bleibtreu ein großer Schritt in ihrer späten Karriere als Filmstar. Der Regisseur nimmt in der AZ Abschied

Ich habe die Nachricht gerade gehört und bin erschüttert. Mit der Rolle der Katia Mann hatte sie uns diese Frau, ohne die das Jahrhundertgenie Thomas Mann nicht überlebt hätte, erst richtig bekannt gemacht. Sie spielte alles mit größter Leidenschaft und Präzision, immer 150-prozentig – und schuf mit wenigen schauspielerischen Mitteln unvergessliche, große Augenblicke. Ihre Augen, ihre Blicke, die Präsenz ihrer Persönlichkeit, daran werden wir uns immer erinnern. Mit der Rolle der Katia Mann, so formulierte sie es selbst, hatte sie eine Alterskarriere gemacht, mit der sie nie mehr gerechnet hätte.

Zu ihrem 65. Geburtstag am 4. Mai sagte sie ihrem Sohn Moritz Bleibtreu, die Rolle der Katia sei wie ein Lottogewinn gewesen. Als ich das in der Zeitung gelesen hatte, habe ich ihr auf Anrufbeantworter gesprochen – sie ging ja seit einiger Zeit nicht mehr ans Telefon. ,Monica, du warst mein Lottogewinn!’ Ich hoffe so sehr, dass sie diese Nachricht noch abgehört hat. Wir haben uns die letzten Jahre bei so vielen Preisverleihungen getroffen. Sie und Moritz konnten sich so freuen, gemeinsam. Bis zuletzt war Monica so lebensstark, so lustig. Als wir uns vor der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2007 im Bayerischen Hof in München getroffen haben, sind wir erstmal an die Hotelbar, um ein kühles Pils zu zischen. So war sie halt. Ich hab’ ihr noch gesagt, Monica, bei den ,Buddenbrooks’ gibt es keine Rolle für dich, aber bald, das nächste Mal. Dass es das nicht mehr geben würde, daran habe ich nie gedacht."

Protokoll: Angie Dullinger

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