Mit Herzblut wieder da

Zwischen München und Amsterdam: Der Dirigent Mariss Jansons ist wieder gesund, voller Pläne und gibt seinen Kampf um einen eigenen Konzertsaal nicht auf. Am meisten aber reizt ihn die Oper.
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Wenn er probiert und dirgiert, macht Mariss Jansons das mit gesundheitsgefährlichen 120 Prozent.
Astrid Ackermann Wenn er probiert und dirgiert, macht Mariss Jansons das mit gesundheitsgefährlichen 120 Prozent.

Zwischen München und Amsterdam: Der Dirigent Mariss Jansons ist wieder gesund, voller Pläne und gibt seinen Kampf um einen eigenen Konzertsaal nicht auf. Am meisten aber reizt ihn die Oper.

Für längere Zeit war er krank. Mariss Jansons ist wieder da, aber die doppelte Belastung als Chefdirigent beim Concertgebouw in Amsterdam und beim Symphonieorchester des BR bleibt die gleiche. Schon wird in München über Nachfolger spekuliert, auch ein neuer Konzertsaal bleibt Dauerthema.

AZ: Herr Jansons, geht es Ihrem Herzen wieder gut?

MARISS JANSONS: Gott sei Dank kann ich sagen, dass diese schwierige Periode nun vorbei ist. Ich fühle mich gut, und auch die Ärzte sprechen von sehr guten Resultaten. Jeder Mensch muss an seine Gesundheit denken – auch wenn er glaubt, dass er gesund ist.

Investieren Sie nicht zu viel Herzblut für die Orchester?

Das stimmt vielleicht, aber ich kann nicht sagen, dass ich etwas begrenzen muss. Wenn man Freude hat und das Resultat bekommt, was man wünscht, ist das ein Zurückzahlen. Wenn Sie diese Freude nicht haben und unglücklich sind, kann es ein negativer Stress sein. Ein positiver Stress ist aber, wie die Ärzte sagen, für jeden gut.

Was hat das Orchester in München, was Amsterdam nicht hat – und umgekehrt?

Sie sind wie zwei verschiedene Menschen. Ich übertreibe jetzt etwas: Die Amsterdamer – und generell die Holländer – sind außen ruhig. Innerlich können sie aber temperamentvoll und emotional sein, wenn sie nicht zufrieden sind. Die Musiker in München haben auch während der Probe viel Energie und Emotionalität. Das ist, glaube ich, der große Unterschied. Ich kann nicht sagen: Das hat dieses Orchester und das andere nicht. Ich weiß für mich: Das erwartet mich hier und das dort.

Auch klanglich?

Als Ausgangspunkt kann man vielleicht sagen, dass die Bayern einen deutschen Klang haben – voller und dunkler. Die Amsterdamer sind raffinierter und durchsichtiger, sie haben vielleicht feinere Farben. Wenn ich in München aber an Feinheiten arbeite, folgt das Orchester. Und wenn ich in Amsterdam an Emotionalität, Spontaneität und Temperament arbeite, bekomme ich das auch.

In Amsterdam machen Sie auch Opern. Fehlt Ihnen das in München?

Das ein schmerzhafter Punkt. Ich will wahnsinnig gern Opern dirigieren. Wahnsinnig! Das fehlt mir, Wenn ich Opern dirigieren könnte, wäre ich vielleicht der glücklichste. Mensch. Diese Wahrheit habe ich noch nie offen gesagt.

2008 hat Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler angekündigt, Sie und Christian Thielemann einbinden zu wollen. Hat er Sie gefragt?

Er ist erst zwei Jahre in München. Für ein Opernhaus ist das nicht viel. Er muss erst seine Richtung aufbauen, und mit Kirill Petrenko kommt bald ein neuer Chefdirigent. Auch wenn er mich eingeladen hätte, könnte ich nichts machen. Ich bin sicher, dass das eines Tages kommt, aber ich weiß nicht, ob ich dann Zeit habe. Ich liebe meine Orchester.

Für welches würden Sie sich entscheiden?

Ich kann darauf nicht antworten. Das ist wie bei Kindern: Sie haben zwei Söhne, einer muss mit dem Vater leben, der andere mit der Mutter. Für wen entscheidet man sich? Wie können Sie das sagen, wenn Sie beide lieben? Entweder beide oder keinen. Vielleicht ist das auch nicht die richtige Antwort.

Es kursieren in München bereits mögliche Nachfolger für Sie. Franz Welser-Möst wird von Musikern bevorzugt, Esa-Pekka Salonen kommt im Orchester wohl weniger gut an. Besonders spannend wäre Andris Nelsons.

Nelsons war mein Schüler, ich war sein Protege. Aber wenn über Nachfolger gesprochen wird, mische ich mich nicht ein. Das wäre auch nicht schön gegenüber meinen Kollegen. Das Orchester entscheidet. Da darf man nicht Druck machen. Ich versuche, alles für meine beiden Orchester zu machen. Ich fühle, dass ich Aufgaben und Ziele habe, die verwirklicht werden müssen. Hier ist es auch ein neuer Konzertsaal.

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Man hat mir versprochen, einen anderen Standort als den Marstall zu finden. Aber wann und wo? Das ist wieder mein Schmerz, aber ich habe noch Hoffnung. Nach meiner Meinung – und ich habe alles angeschaut – ist der Finanzgarten das Beste. Das ist eine schöne Umgebung. Die Natur bleibt. Man könnte dort auch eine Open-Air-Arena bauen, Musikmuseen einrichten und Skulpturen aufstellen – wie im Sommergarten in St. Petersburg. Das ist nach meinem Ideal. Ich garantiere, dass München auf die ersten drei Plätze in der Welt kommt. Das wird eine große Sache für Bayern und München. Aber wann kommt endlich eine Entscheidung?

Marco Frei

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