"Lindenstraße" trifft auf "West Side Story"

Die Aufführung von Kurt Weills amerikanischer Oper „Street Scene“ überzeugt im Prinzregententheater vor allem durch eine beachtliche Ensembleleistung
| Robert Braunmüller
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Kurt Weills "Street Scene" im Prinzregententheater, inszeniert von Gil Mehmert
A.T. Schaefer 2 Kurt Weills "Street Scene" im Prinzregententheater, inszeniert von Gil Mehmert
Kurt Weills "Street Scene" im Prinzregententheater, inszeniert von Gil Mehmert
A.T. Schaefer 2 Kurt Weills "Street Scene" im Prinzregententheater, inszeniert von Gil Mehmert

Die Aufführung von Kurt Weills amerikanischer Oper „Street Scene“ überzeugt im Prinzregententheater vor allem durch eine beachtliche Ensembleleistung

München Für die Theaterakademie ist Kurt Weills „Street Scene” genau richtig. Dieser Wolpertinger vom Broadway bringt Oper mit Musical und Schauspiel zusammen. Die Studierenden agieren wie Profis. Da ärgert es einen, wenn am gleichen Abend das Gerücht kursiert, dass solche alle Studiengänge übergreifenden Projekte wegen knapper Staatskassen künftig wohl ausfallen müssen.

Unter diesen Umständen ist es nicht ganz einfach, einige Bedenken zu formulieren, die sich nicht gegen die Sache an sich richten, sondern mit dem heiklen Stück zu tun haben, das 1947 am Broadway uraufgeführt wurde und nicht zufällig im Schatten der Gemeinschaftsarbeiten des Komponisten mit Bertolt Brecht steht.

„Street Scene” verbindet den amerikanischen Traum vom sozialen Aufstieg mit der Geschichte einer Ehekrise. Mit Klischees wurde nicht gespart. Die Mischung aus Herzschmerz und Stadtvierteltratsch erinnert tatsächlich an die „Lindenstraße”. Leider ging der Regisseur Gil Mehmert dabei den Weg des geringsten Widerstandes: Statt die Charaktere zu schärfen, ermutigte er die Studenten zu munterem Prekariats-Chargentheater und trivialisierte die Geschichte noch weiter.

Die gut zwei Dutzend Darsteller formten ein prächtiges Ensemble, für das jedes Stadttheater dankbar sein müsste. In der zentralen Rolle einer frustrierten Ehefrau drehte Nam-young Kim auf, als gälte es, die Butterfly zu interpretieren. Leider blieb sie als Darstellerin ein wenig hölzern. Kathrin Filip formte dagegen aus ihrer herb-realistischen Tochter eine glaubhafte Figur.
Alle wurden durch Verstärkung beeinträchtigt. Nichts gegen Sound-Design: Aber es sollte künstlerisch und nicht nur als Krücke eingesetzt werden. Es führte zu einem harten Klang, den auf der häuslichen Anlage oder im Kino keiner akzeptieren würde.

Man spürte zwar, wie engagiert, transparent und wendig das Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer zu Werke ging. Leider tönte Kurt Weills Vielfalt zwischen Puccini und Music Hall etwas topfig aus dem Graben, wie immer, wenn die Musiker im Graben des Prinzregententheaters zu tief sitzen. Die Zusammenarbeit dieses und anderer Profi-Orchester mit der Theaterakademie wird dem Vernehmen nach weitergehen. Immerhin.

Robert Braunmüller

Wieder am 14., 22. und 25. Februar im Prinzregenentheater, Karten Tel. 21 85 – 28 99

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