Salzburger Kunst-Festspiele: Das gibt es in den Museen jetzt zu sehen

Im Sommer lassen sich auch die Museen Salzburgs einiges einfallen, um das Festspiel-Publikum bestens zu unterhalten. Das reicht von Stephan Balkenhols Opernfiguren bis zum Sattler-Panorama.
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Salzburg vor 200 Jahren: Viele Details kann man heute noch nachvollziehen, Johann Michael Sattler war schließlich ein bestens ausgebildeter Landschaftsmaler. Zwischen 1825 und 1829 hat er an seinem Rundgemälde gearbeitet - auf der Abbildung geht der Blick über das Salzachtal nach Norden. Mit seinem Panorama zog Sattler durch ganz Europa, das war im 19. Jahrhundert die perfekte Tourismus-Werbung. Jetzt ist das Bild in der Orangerie zu studieren.
Salzburg vor 200 Jahren: Viele Details kann man heute noch nachvollziehen, Johann Michael Sattler war schließlich ein bestens ausgebildeter Landschaftsmaler. Zwischen 1825 und 1829 hat er an seinem Rundgemälde gearbeitet - auf der Abbildung geht der Blick über das Salzachtal nach Norden. Mit seinem Panorama zog Sattler durch ganz Europa, das war im 19. Jahrhundert die perfekte Tourismus-Werbung. Jetzt ist das Bild in der Orangerie zu studieren. © Salzburg Museum

Carmen wirft sich in die Hüften und setzt im feuerroten Kleid zum Flamenco an, während Otello die Umgebung nach potenziellen Nebenbuhlern absucht. Salzburg ist gut bestückt mit Kunst im öffentlichen Raum, wenn aber auf dem Residenzplatz neue Skulpturen auftauchen, ist das ein untrügliches Zeichen für den Beginn der Festspiele.

Balkenhols Figuren werfen sich in Oper-Pose

Diesen Sommer hat sich Stephan Balkenhol in die Welt der Oper begeben und vom Figaro bis zur Turandot die großen Figuren des Genres auf den Sockel gehoben. In stereotyper Manier: Der Bildhauer lässt sein Personal emotionslos posieren, den Rest darf sich das Publikum dazudenken.

Auf dem Residenzplatz setzt Stephan Balkenhols „Carmen“ an zum Tanz.
Auf dem Residenzplatz setzt Stephan Balkenhols „Carmen“ an zum Tanz. © Dominik Kusion/Stephan Balkenhol, Bildrecht, Wien 2026

Auf dem Platz sind es kolorierte Bronzefiguren (bis 5. September), in den Prunkräumen der Residenz die übliche Holzware (bis 5. Oktober), die nah dran ist am Alltäglichen und schematisch menschelt. Selbst im Kostüm der Prinzessin Turandot oder des Don Giovanni – sein Duett mit Zerlina „Là ci darem la mano“ gab der Ausstellung den Titel.

Franz von Assisi kommt nicht aus der Mode

Wer schon einmal in der Residenz ist, hat neben einem klassischen Rundgang noch die Gelegenheit, ins Leben eines sympathischen Heiligen und Ordensgründers einzutauchen: Franz von Assisis Sorge um Mittellose, Kranke und Ausgegrenzte ist heute so wichtig wie vor 800 Jahren, sein Respekt vor der Schöpfung und sein Einsatz für ein gutes Miteinander vorbildhaft (bis 2. November 2026).

Georg Baselitz im Jahr 1966 in seinem Atelier in West-Berlin.
Georg Baselitz im Jahr 1966 in seinem Atelier in West-Berlin. © Elke Baselitz/Archiv Georg Baselitz 2026

Baselitz’ Helden sind schwer demoliert

Auf dem Weg zum Mönchsberg bietet sich ein Abstecher im Rupertinum (Wiener-Philharmoniker-Gasse 9) an. Dort erlebt man den jungen Georg Baselitz mit seinen kruden Zeichnungen von Helden, die keine sind, sondern demoliert, wie die Überlebenden eines Desasters auf einen zuwanken. Mit aufgerissenen Hemden, wehrlos, aber womöglich wütend wie der Künstler selbst.

Ergänzt wird das durch Manifeste und Ausstellungsplakate, die die Anfänge im Westen nachzeichnen. Zunächst in Berlin, wo „Die große Nacht im Eimer“ mit einem onanierenden Buben 1963 einen Skandal beschert hat und von der Polizei konfisziert wurde. Heiner Friedrich und Franz Dahlem besorgten dann 1965 die erste Einzelschau in München und schoben die Stadt dank Baselitz eben mal an den Puls der Zeit.

Natürlich kopfüber: Georg Baselitz’ „Surrealismus die Filzlüge“ von 2020.
Natürlich kopfüber: Georg Baselitz’ „Surrealismus die Filzlüge“ von 2020. © wildbild, Herbert Rohrer/Museum der Moderne Salzburg

Schonungslos nimmt der Maler das Ende ins Visier

Der Rest ist Erfolgsgeschichte und eine Kunst, die meistens kompromisslos und unwirsch daherkommt – und die auf dem Mönchsberg wie verwandelt zu schweben beginnt. Sanft, anrührend fragil und in Auflösung begriffen. Mit schonungsloser Offenheit hat der im April verstorbene Maler sein Ende ins Visier genommen, die eigene Hinfälligkeit gezeigt.

Nichts hat mehr Halt in diesem Schwanengesang. Und doch blitzt zwischendurch der alte Humor durch, ein leises Spötteln sogar. Baselitz’ Ikarus-Adler ist ein Bruchpilot mit aufgepappter Sonnenbrille, und selbst um die manieristisch gezerrten Schädel leuchten freche bunte Pünktchen, die an Konfetti erinnern. Vielleicht gibt es noch etwas zu feiern, wer kann das schon wissen? Bis 18. Oktober 2026.

Charlotte Perriand auf der Chaise Longue Basculante von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, 1928.
Charlotte Perriand auf der Chaise Longue Basculante von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, 1928. © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026

Wie konnte man Charlotte Perriand nur übersehen?

Eine Etage höher kommt eine umwerfende Frau zum Zug, die lange im Schatten Le Corbusiers stand. Charlotte Perriand hatte Design-Ikonen (mit)entworfen, die bis heute seinen Namen tragen, von der Chaise Longue LC 4 (mittlerweile ist das LC entfernt) bis zum Würfel-Sessel LC 2. Überhaupt ist man in einer Tour verblüfft, wie sehr sich die Architektin in den Alltag künftiger Nutzer hineingedacht und nach praktikablen Lösungen gesucht hat.

Die Ästhetik ließ sie dabei nie außer Acht. Ganz gleich, ob die passionierte Skifahrerin Ferienburgen für Menschen mit kleinem Portemonnaie plante – ihr Herz schlug links – oder die perfekte Küche auf wenigen Quadratmetern. Von der eleganten Einfachheit, die Perriand aus Japan mitbrachte, ganz zu schweigen (bis 13. September 2026).

Johann Michael Sattler zog mit seinem Salzburg-Panorama - hier der Blick auf die Altstadt - durch ganz Europa. Vor 200 Jahren war das die perfekte Tourismus-Werbung.
Johann Michael Sattler zog mit seinem Salzburg-Panorama - hier der Blick auf die Altstadt - durch ganz Europa. Vor 200 Jahren war das die perfekte Tourismus-Werbung. © Salzburg Museum

Sattlers Panorama zeigt das alte Salzburg bis ins Detail

Dass das vor 200 Jahren entstandene Sattler-Panorama restauriert und in der dafür umfunktionierten Orangerie am Mirabellgarten wieder zu sehen ist, begeistert nicht nur die Salzburger. Johann Michael Sattler hat die Stadt und ihr Umland von der Festung Hohensalzburg aus festgehalten und alles bis in die kleinsten Details auf eine Leinwand übertragen. Mit diesem über 25 Meter langen und fast 5 Meter hohen Bild zog der Künstler durch ganz Europa. Für Salzburg war das im 19. Jahrhundert die denkbar beste Werbung. Denn die Menschen in Berlin, Oslo oder Brüssel hatten einen neuen Sehnsuchtsort.

Mehr auf www.salzburg.info

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