Pläne für die Pinakotheken: Fertig in der Warteschleife

Vier Direktoren stellen in der Pinakothek der Moderne die gar nicht mehr vagen Pläne für das 2021 vor – ein paar Highlights.
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Anish Kapoors Mega-Installation "Howl" in der Rotunde der Pinakothek der Moderne
Anish Kapoors Mega-Installation "Howl" in der Rotunde der Pinakothek der Moderne © Koyupinar/VG Bild Kunst

München - Fünf Tage braucht es, um die Pinakothek der Moderne wieder hochzufahren. Drinnen muss zwar nur das Licht angeknipst werden, selbst die noch nicht eröffneten Ausstellungen sind komplett eingerichtet. Dagegen kann das Aufsichtspersonal, das jetzt wahrscheinlich bei Rewe, Aldi, sonst wo Dienst tut, nicht von heute auf morgen in den blauen Wachanzügen parat stehen.

Pinakotheken: Vorstellung des Jahresprogramms

Die Frage ist nur, wann dieser Startschuss fällt oder fallen könnte. Entsprechend elegant wurde dieses Thema bei der Online-Vorstellung des Jahresprogrammes umschifft: Die Direktorin und die drei Direktoren der vier Häuser unter einem Dach konzentrierten sich auf Ihre Ausstellungspläne.

Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Da mag der wieder einmal wie der CEO aus dem Fernen Osten eingezoomte Kunstminister die missliche Lage noch so sehr bedauern – um schließlich einen schwerlich zu übertreffenden Gemeinplatz loszuwerden: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", erklärt Bernd Sibler.

Wie wahr. Nur wären manche und gerade viele Künstler in diesen Tagen schon froh, wenn wenigstens Brot und Wohnung sicher gestellt würden. Insofern ist eine geplante Ausstellung des Architekturmuseums der TU ganz nah dran am Puls der Zeit: Unter dem Titel "Who is next?" (ab 4.11.) geht es um Obdachlosigkeit, vorgeführt am Beispiel von acht Städten zwischen Los Angeles und Mumbai. Und vielleicht entschließt sich Direktor Andres Lepik ja doch noch, einen intensiven Blick vor die hiesige Haustür zu tun.

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Auch im Programm: Ganz Aktuelles von Gerhard Richter

Aufs Zeitgenössische will sich genauso Michael Hering konzentrieren. Der Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung legt den Fokus allein auf die Zeichenkunst des 21. Jahrhunderts. Etwa mit Aktuellem von Gerhard Richter – Auftakt ist irgendwann im ersten Quartal. Der scheue Meister, der am Dienstag 89 wurde, besteht auf Neuem.

Das ist einerseits spannend - was treibt diesen teuersten lebenden Maler im hohen Alter um? -, aber auf der anderen Seite auch ein bisschen schade. Denn die Bestände der Sammlung sind ja nicht die schlechtesten. Schon gar nicht, was die früheren Jahrhunderte betrifft, die mehr und mehr ausgeblendet werden oder gerade noch im Vitrinengang eine kleine Bühne erhalten.

Ausstellungen gehen teilweise bis 2022

An der Neuen Sammlung experimentiert man stattdessen mit neuen Bühnen, und das hat einigen Charme. Unabhängig vom üblichen Ausstellungsgeschehen wird unter dem etwas bemüht stylischen Titel "X-D-E-P-O-T", eine dezent kuratierte Depotsituation vor Augen geführt. Weder Chronologien noch geografische Herkunft der 700 Objekte soll im 600 Quadratmeter großen Schauraum eine Rolle spielen, schwärmt Angelika Nollert, die Direktorin. Vielmehr geht es um lockere thematische Zusammenhänge, kann sein, dass zwischendrin einfach nur eine bestimmte Farbe dominiert.

Aber solche ungewohnten Kombinationen und Konfrontationen schärfen den Blick und vermitteln neue Eindrücke. Das wissen nicht nur die Hirnforscher, sondern auch erfahrene Museumsleute. Insofern ist es ausgesprochen erfreulich, dass "Au Rendez-Vous des Amis" noch bis in den Januar 2022 die Synapsen in Schwung halten wird.

Die Gegenüberstellungen von Werken der Klassischen Moderne aus den Staatsgemäldesammlungen und Zeitgenössischem aus der Sammlung Goetz lässt selbst das allzu Bekannte neu erleben.

Tatsächlich wartet außerdem mindestens eine Schau nur mehr auf ihre Eröffnung: "Resistant Faces" zur künstlerischen Fotografie im digitalen Zeitalter ist seit November fertig, wie Generaldirektor Bernhard Maaz betont. Und es wäre zu schade, wenn sie bis zum definitiven Ende am 11. April unbesucht bliebe.

Anish Kapoors Mega-Installation "Howl" ist wenigstens von außen durch die Fenster zu erspähen. Und bis dieser rote Riesenballon im August wieder verschwindet, wird er hoffentlich noch aus nächster Nähe zur Geltung kommen.

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