Pinakothek der Moderne zeigt Nazi-Kunst - und ihr Gegenteil

Vor fast 80 Jahren zeigten die Nationalsozialisten mit den "Großen Deutschen Kunstausstellungen", was sie für Kunst hielten - und mit der Feme-Schau "Entartete Kunst", was nicht. Eine Ausstellung in München erinnert nun an die Nazi-Gleichschaltung der Kunst.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Das Bild "Die Vier Elemente" von Adolf Ziegler ist in der Pinakothek der Moderne in der Ausstellung "Gegen Kunst" zu sehen. Die Ausstellung "Gegen Kunst - Entartete Kunst - NS-Kunst - Sammeln nach '45" öffnet am 20.05.2015 und kann bis zum 31.01.2016 besichtigt werden.
dpa Das Bild "Die Vier Elemente" von Adolf Ziegler ist in der Pinakothek der Moderne in der Ausstellung "Gegen Kunst" zu sehen. Die Ausstellung "Gegen Kunst - Entartete Kunst - NS-Kunst - Sammeln nach '45" öffnet am 20.05.2015 und kann bis zum 31.01.2016 besichtigt werden.

München - Nazi-Kunst - und ihr Gegenteil: Die Pinakothek der Moderne in München erinnert mit einer neuen Ausstellung an die Gleichschaltung der Kunst im Nationalsozialismus. Unter dem Titel "GegenKunst - "Entartete Kunst" - NS-Kunst - Sammeln nach '45" zeigt das Museum Nazi-Kunst der NS-Künstler Adolf Ziegler und Josef Thorak und stellt ihnen Werke der unter Adolf Hitler als "entartet" diffamierten Künstler Max Beckmann und Otto Freundlich gegenüber.

Zieglers Triptychon "Die vier Elemente", das einst im "Führerbau" am Münchner Königsplatz über einem Kamin hing, und Thoraks Skulptur "Zwei Menschen" aus dem Jahr 1941 stehen beide für das nationalsozialistische Kunstideal. Beckmanns Triptychon "Versuchung" und Freundlichs Plastik "Der Aufstieg" stehen für das genaue Gegenteil und sind in der kleinen Ausstellung entsprechend anachronistisch angeordnet.

In der Schau, die noch bis Ende Januar 2016 zu sehen ist, gehe es nicht darum, die beiden Münchner Propaganda-Ausstellungen von 1937 zu rekonstruieren, sagte Kurator Oliver Kase am Dienstag. Damals wurde im Haus der Kunst die erste der "Großen Deutschen Kunstausstellungen" mit von den Nazis befürworteter Kunst gezeigt, während in den Münchner Hofgartenarkaden die diffamierende Ausstellung "Entartete Kunst" präsentiert wurde. Die Ausstellungen nahmen eine Schlüsselrolle ein in der NS-Kulturpolitik.

Zwar waren die Werke von Beckmann und Freundlich, die jetzt in München gezeigt werden, nicht Teil der Ausstellung "Entartete Kunst". Nach Angaben der Pinakothek sind sie aber "aufs Engste mit der Emigration und Verfolgung der Künstler im "Dritten Reich" verknüpft". Der jüdische Künstler Freundlich wurde 1943 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Majdanek ermordet.

Beckmann hatte Deutschland unmittelbar nach Hitlers Rede zur Eröffnung des "Hauses der Deutschen Kunst" 1937, die als Grundstein für die Gleichschaltung der Kunst im Nationalsozialismus galt, verlassen. Sein "Versuchungs"-Triptychon nahm er mit ins Exil. In London wurde es zum Herzstück einer Ausstellung über deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts - als Gegenentwurf zum Nazi-Kunstideal.

Die Münchner Ausstellung soll nach Angaben Kases auch zeigen, wie revolutionär, wie avantgardistisch als "entartet" diffamierte Künstler wie Beckmann und Freundlich seinerzeit arbeiteten. Das gerate heute häufig in Vergessenheit; die Gegenüberstellung mit der glattgebügelten, anspruchslosen und allein auf eine einzige Ästhetik ausgelegten Nazi-Kunst könne das aber wieder in Erinnerung rufen.

Eine offizielle Ausstellungseröffnung gab es nicht, wie Kurator Kase betonte. "Wir feiern keine Kunstwerke des Nationalsozialismus, wir zeigen Kunstwerke des Nationalsozialismus." Es sei "unbedingt notwendig, Kunstwerke des Nationalsozialismus zugänglich zu machen", sagte er. "Man mystifiziert und überhöht Dinge, indem man sie nicht zeigt."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren