Kunstmesse Highlights: Mit Schönheit durch die Krise

Fein gefüllt ist die Kunstmesse Highlights, die heute in der Münchner Residenz beginnt - in geringerem Umfang, doch mit Erlesenem aus mehr als 3.000 Jahren.
| Christa Sigg
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Die Präsentation in der Münchner Residenz ist dank weitläufigen hohen Räumen sogar noch eine Spur stimmiger als sonst.
Die Präsentation in der Münchner Residenz ist dank weitläufigen hohen Räumen sogar noch eine Spur stimmiger als sonst. © ateliers xpo michael aust

München - Wäre am Eingang nicht eine freundliche Dame mit einem dieser ganz schnellen Fieberthermometer, man würde die Veränderungen gar nicht so schnell bemerken. Dass die Händler nach der langen Phase ohne Kunstmessen und mit zum Teil beträchtlichen Umsatzeinbußen noch etwas aufgekratzter sind als sonst – geschenkt. Die Präsentation der "Highlights" in der Münchner Residenz funktioniert jedenfalls auch ohne Messepavillon prächtig und ist in den hohen, weitläufigen Räumen sogar stimmiger.

Blaue Schale mit Früchten von Karl Hofer - bei Michael Schwarze Fine Art aus Kelkheim.
Blaue Schale mit Früchten von Karl Hofer - bei Michael Schwarze Fine Art aus Kelkheim. © Highlights

Bekannte Protagonisten fehlen auf der Kunstmesse

Doch spätestens nach den ersten Runden realisiert man, dass bekannte Protagonisten fehlen. Von den Schlichtenmaiers aus Stuttgart bis zum büchermanischen Heribert Tenschert mit seinen sagenhaften alten Handschriften. Und so könnte man das noch eine Weile fortführen. Dafür sind ein paar Vertreter von der "Kunst & Antiquitäten" dabei, die aufs nächste Jahr verschoben wurde.

Der "Messeplatz" ist jedenfalls deutlich reduziert. Doch die Konzentration auf knapp 30 Händler und Galeristen hat auch Vorteile. Man schaut genauer hin – und wird womöglich noch besser angezogen und verführt.

Großer Preis für kleines Werk

Der Skulpturenspezialist Rainer Jungbauer aus Straubing zum Beispiel hat aus der Raumnot eine Tugend gemacht und keinen Herrgotts-, aber einen Madonnenwinkel eingerichtet. Seine spätmittelalterliche Maria aus dem Schwäbischen (um 1490) ist von allerlei barocken Englein umschwirrt. Und die beiden Ignaz-Günther-Köpfchen gewinnen mindestens den Sympathie-Pokal.

Was sonst noch auffällt? Natürlich der Preis für ein relativ kleines Werk des ewigen Spitzenreiters der Weltranglisten: Gleich im ersten Gang übersieht man fast das Bild "Dresden 1932" aus der Fuji-Serie für knackige 400.000 Euro. Gerhard Richter hat die Reihe geschaffen, um den Ankauf seines monumentalen Atlas’ fürs Lenbachhaus zu unterstützen.

100 Kilo schwere Prunkuhr und Rokoko-Kommode

Peter Mühlbauer aus Pocking hat eine 100 Kilo schwere Prunkuhr vom Hofe Friedrichs des Großen im Angebot, von deren feinem Glockenton lässt man sich auch morgens um sieben "gerne" aus dem Bett klingeln – für 480.000 Euro. Und um gleich beim Alten Fritz zu bleiben: Bei Christian Eduard Franke-Landwers steht eine feinst gearbeitete Rokoko-Kommode der Gebrüder Spindler aus Bayreuth (um 1760/70). Wer das nötige Kleingeld nicht hat, findet Adäquates im Bayerischen Nationalmuseum.

Noch nicht museal, aber schon als Antiquität bei Ehrl aus Greding zu haben sind die fulminanten Zylinderlüster, die Hans Harald Rath in den Sechzigern für das Landestheater Innsbruck entworfen hat und die auch in der New Yorker Met schillern. Damit muss man wahrscheinlich nie mehr ein Feuerwerk zünden, die Investition von 75 000 Euro pro Stück könnte sich – je nach Feierlust – sogar lohnen.

Skurille Porzellankunst

Viel Klassische Moderne ist auch diesmal vertreten. Thole Rotermund hat eine "Maske mit Blüten" (1919) von Emil Nolde dabei. Michael Nöth aus Ansbach ein kühnes Pferd von Paula Modersohn-Becker.

"Maske und Blumen" von Emil Nolde.
"Maske und Blumen" von Emil Nolde. © Thole Rotermund Kunsthandel

Wenn man wieder im Foyer angelangt ist, kann man noch einmal staunen: über Georg Laues Kunstkammerobskuritäten mit Totenköpfen, die wie in der Edelsteinsammlung nebeneinanderstehen, oder einen Kokosnusspokal mit vergoldeter Silbermontierung (34.000 Euro). Skurril ist auch eine Schale vis-à-vis beim Münchner Porzellanexperten Röbbig: Mitarbeiterin Sarah Andres-Acevedo hält ein Bourdalou aus Meissen.

Das ist ein Potschamperl, benannt nach dem Jesuitenpater Louis Bourdaloue. Der soll endlos, aber auch so spannend gepredigt haben, dass die Hofdamen ihre liebe Not hatten. Wenn sie nichts versäumen wollten...

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Dass das Begleitprogramm der Highlights nur in äußerst reduzierter Form stattfinden kann, ist den Hygienemaßnahmen geschuldet. Aber die Händler sind auskunftsfreudig, und bei erlaubten 100 Besuchern sollte Zeit für ein ausführliches Gespräch sein.  


Highlights bis Sonntag in der Residenz, Eingang Kaiserhof, geöffnet von 10 bis 19, am Donnerstag , 21. 10. bis 22 Uhr, Eintritt 25 Euro. Eine Anmeldung wird empfohlen, eine Registrierung ist erforderlich. Mehr auf www.munichhighlights.de

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