Kartoffelschälgruppe: Eichwald-Ausstellung startet in München

Madonnen und Knallbonbons: Bilder und Objekte von Michaela Eichwald im Lenbachhaus-Kunstbau.
| Roberta De Righi
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Die Panzerwiese am Hartelholz.
Simone Gaensheimer Die Panzerwiese am Hartelholz.

Der Wald ist dunkelblau, die Wiese knallend orange - und mit viel Fantasie, kann man in der seltsamen weißen Form links der Mitte einen Löwen erkennen. "Panzerwiese Hartelholz" heißt das großformatige Acrylbild von Michaela Eichwald, das ab heute im Kunstbau des Lenbachhauses zu sehen ist. 12 Plastiken und 33 Gemälde umfasst ihre Ausstellung, die seit Dezember aufs Publikum wartet. Zwei Drittel der ausgestellten Werke wurden eigens dafür geschaffen.

2020 verbrachte die Kölner Künstlerin (geboren 1967) hier einige Wochen vor Ort - und besuchte auch die Nordheide während einer Radtour. Das extreme Breitwandformat ist für die Freifläche am Stadtrand angemessen, wo ein Kunstwerk mit Gondel, Steg und Löwe Venedig-Versatzstücke herbeibringt. Doch wird beim Abgleich des Bildes mit der Wirklichkeit deutlich, welchen künstlerischen Ansatz Eichwald verfolgt: "Mehr Leben, mehr Ausdruck, mehr Unverständlichkeit" - nicht ganz abstrakt und ein bisschen expressiv.

Es sind besondere Titel-Namen

Die Panzerwiese am Hartelholz mag für Eichwald, die Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik studierte, auch deshalb bildwürdig geworden sein, weil sie ein Faible für sonderbare Wörter und pointierte Titel hat. So wie in "Kartoffelschälgruppe Alperbrück", "Das Kommen und Gehen der Lebewesen in dem schmalen, ihrem Wirken offenstehenden Hohlweg" oder "Heilige Madonna mit Kind und ohne Spenderehepaar".

Allesamt Titel, die nicht am Anfang einer Arbeit stehen, sondern sich im Lauf der Zeit ergeben - oder verwandeln. Kunst als lose Assoziationskette - vom Motiv zu Wort und umgekehrt. Weil Malerei ohne Kunstgeschichte nicht möglich ist, ist das Werk von Michaela Eichwald voller Anspielungen, vollzieht sich quasi auf doppeltem Boden. Während zu Zeiten Leonardos Bildtitel nicht üblich waren, erleichtern sie seit Beginn der Moderne die Zuordnung - tragen entweder bewusst zum Verständnis bei oder verunklären absichtsvoll das Sichtbare.

Ihre Malerei ist losgelöst vom Gegenstand

Ihre Malerei fordert die Wahrnehmung des Betrachters heraus, ist dabei weitgehend losgelöst vom Gegenstand und erschafft eine unabhängige Bildwirklichkeit. Und ob Kunstleder, PVC oder Textilien für Auto-Himmel - Eichwald setzt ihre Malerei schon durch die Wahl des Malgrundes in einen Kontext, in dem das Objekt mehr als das Bild, die Ware mehr als das Werk im Vordergrund steht.

Das gilt auch für ihre plastischen Arbeiten. Da beschreibt etwa der pompöse Titel "Wuchtige Abschlüsse von Brilliant-Bombetten, Knatter-Wolken und Palmstern-Buketten" die visuelle Wirkung treffend. Bei der Flachware ist das mitunter schwieriger: In "Heilige Madonna" erkennt man erst nach Lesen des Titels eine Art Nische und setzt die flankierenden Figuren in den entsprechenden Kontext. Man sieht nur, was man weiß. Das funktioniert allerdings auch nicht immer, vor manchem Exponat steht man wie die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos. Im besten Fall eröffnen Wort und Bild einen Imaginationsraum, der weit über das Werk hinaus weist.


Lenbachhaus Kunstbau, bis 16. Mai, Di bis So, 10 bis 18, Do, 10 bis 20 Uhr, Tickets online: lenbachhaus.muenchenticket.net

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