Im Zeichen der Freundschaft – Paul Klee und Freunde im Schloßmuseum Murnau
Trauerblumen sind nichts Ungewöhnliches in der Malerei. Auch ein Waldvogel kommt immer mal vor. Aber was hat man sich unter einem "guten Fischplatz" vorzustellen? Einen, der für die Fische oder eher für die Angler gut ist? Und was geschieht in der "Schicksal-Stunde des Kaisers"? Paul Klee war um kuriose oder besser kryptische Titel nicht verlegen. Sein tiefgründiger Humor und seine Ironie ziehen sich durchs gesamte Œuvre. Schon in der Schule hatte er die Hefte mit Karikaturen und Fratzen vollgekritzelt. Im Schloßmuseum in Murnau steht Klee jetzt als Poet des "Blauen Reiter" im Mittelpunkt.

Doch so genau kann man das gar nicht trennen. Der versierte Musiker, der in den Malpausen im Atelier gerne zur Geige griff und bei seinen Lieblingen Bach und Mozart fast das Essen vergaß, brachte oft genug beides zusammen: eine Ansammlung von Astern, die sich festlich wie die Tänzerinnen im Ballsaal begegnen, aber wie Helikopter zu rotieren beginnen. Oder einen Genius, der wie das Dienstmädchen ein "kleines Frühstück" serviert, doch eigentlich die Fantasie beflügeln soll.
"Da sitzt was in der Seele"
Da kann überschwappender Kaffee wie auf Klees aquarellierter Lithografie durchaus helfen. Und die kleinen, manchmal kaum wahrnehmbaren Erdungen machen dieses ohnehin schon eindrucksvolle Werk noch eine Spur reizvoller, amüsanter, skurriler. Dass sich so einer nie ganz in eine Gruppe fügt und Solitär bleibt, versteht sich von selbst. Und doch ist der Austausch mit Wassily Kandinsky und Franz Marc, mit August Macke oder Alfred Kubin, dem Großmeister der Phantasmen, ein höchst fruchtbarer.
Der zweifelnde Klee, der lange nicht weiß, ob er Berufsmusiker werden soll, erlebt im Dunstkreis des "Blauen Reiters" einen regelrechten Kick. Kandinsky sieht sofort, dass da "was in der Seele sitzt" und lädt Klee mit 17 Werken zur zweiten Ausstellung der Künstlervereinigung. Der entwickelt sich zwar erst in den späten Jahren des Ersten Weltkriegs zum wirklichen Maler, zu dieser Zeit ist Kandinsky längst wieder in Russland, aber die beiden bleiben ein Leben lang in Verbindung. Dass er dessen Weg in die Abstraktion nicht folgen mag - Klee klebt förmlich an der Natur -, tut da nichts zur Sache.
Im freundschaftlichen Einvernehmen
Auch mit Franz Marc und August Macke gibt es ein freundschaftlich-künstlerisches Einvernehmen. Ein kurzes freilich, die beiden fallen im Krieg, und Klee hadert sehr mit Marcs abstruser Idee einer "Reinigung" durch die Schlacht. Beider Palette hinterlässt bei Klee deutliche Spuren. Genauso ist die Tunis-Reise, die er 1914 mit Macke und Louis Moilliet unternommen hat, ein einschneidendes Erlebnis.
Fasziniert von der Natur Nordafrikas, vom Stadtleben mit seinen Cafés und von den "Schlangenbeschwörern und Skorpionfressern" des "entzückenden Theaters auf den Straßen" entstehen Bilder, von denen man sich kaum lösen mag. Verschiedene Ansichten von "Hammamet" etwa, die zu den Kostbarkeiten der bedeutenden Kollektionen zählen. In Murnau ist ein hinreißender Blick in die Gärten zu sehen - wie viele Arbeiten aus der KK-Privatsammlung, um deren Gunst man das Schloßmuseum beneiden darf.

Doch auch die Paris-Reise zu Robert Delaunay sowie dessen lichtbrechende "Fensterbilder" tun da noch lange Wirkung, genauso bei den anderen "Reitern". Der Drang zur feinsinnigen Rhythmisierung ist allerdings eine Spezialität Klees, die ihn nie ganz loslassen wird. Das ist seine Verortung in einer chaotisch gewordenen Welt, die vielleicht nur ein paar Harmonien braucht, um wieder ins Lot zu kommen. Für Paul und Lily Klee besorgen das nicht zuletzt auch die Freundschaften. In dieser Hinsicht spielen Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky sicher eine besondere Rolle. Man hat sich beim Tänzer Alexander Sacharoff kennen- und schätzen gelernt. Das sind die Begegnungen und Verflechtungen, die Künstler inspirieren und weiterbringen.
Alfred Mayer führt Poesiealben von höchstem Niveau
Das wusste auch "Alfred Mayer, der Freund und Mäzen des Blauen Reiter", dem im Anschluss an die Klee-Ausstellung ein eigener Raum gewidmet ist. Der Theaterkritiker und Kunstschriftsteller war mittendrin, kannte alle: von den Bühnengrößen wie Max Reinhardt und Tilla Durieux bis zum dichterischen Nachwuchs wie der noch ganz unbekannten Marieluise Fleißer. Die Sacharoffs gehörten dazu und all die jungen Künstler aus deren Umfeld, man könnte auch sagen: aus der Klee-Schau.

Man muss heute froh sein, dass Mayer nicht nur deren Werke gesammelt hat, sondern sie alle fotografieren und gleich noch zum Stift greifen ließ. Auf diese Weise haben sich seine Alben mit herrlichen Sinnsprüchen und Gedichten, vor allem aber mit Zeichnungen und Malereien gefüllt. Ein typischer Frauenkopf Jawlenskys von 1912 ragt hier heraus, ein monströser Kahlschädel, mit dem Mayer von Kubin karikiert wird, Else Lasker-Schülers Dankeschön für "Torte und The" oder Hannah Höchs Statement "DADA ist kein Bluff".
Drei Künstleralben und ein Fotobuch aus dem Nachlass Mayers sind über die Jahre ans Museum gekommen. Und nun entdeckt man einen Vermittler, der Mut zusprach und den Debütanten eine Plattform gab. Für alle war der kulturverrückte Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Frankfurt ein Freund mit einem übergroßen Herzen.
"Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter" und "Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer" bis 8. November, Di bis So von 10 bis 17 Uhr im Schloßmuseum Murnau, Schloßhof 2-5, www.schlossmuseum-murnau.de
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