Höheflüge auf der Art Basel - deshalb bleibt sie die wichtigste Kunstmesse der Welt

Noch vor der Eröffnung der Art Basel ging ein Picasso für 35 Millionen Dollar weg. Doch wen wundert’s? Die weltweit wichtigste Kunstmesse wuchert mit einem gigantischen Angebot
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Picasso geht immer. Le peintre et son modèle dans un paysage (Der Maler und sein Modell in einer Landschaft) von 1963 wechselte noch vor der Eröffnung der Art Basel für 35 Millionen Dollar den Besitzer.
Art Basel 10 Picasso geht immer. Le peintre et son modèle dans un paysage (Der Maler und sein Modell in einer Landschaft) von 1963 wechselte noch vor der Eröffnung der Art Basel für 35 Millionen Dollar den Besitzer.
Aus der Nähe sind Eric Burdens Cop-Uniformen fast wieder harmlos. Aber aus der Ferne hat diese Reihe durchaus Wumm.
Art Basel 10 Aus der Nähe sind Eric Burdens Cop-Uniformen fast wieder harmlos. Aber aus der Ferne hat diese Reihe durchaus Wumm.
„Make Magic“ blinkt Jeppe Hein nicht nur dieser Besucherin der Art Basel entgegen. Schillernder Minimalismus kommt immer an, und vielleicht sollte man sich ja anstecken lassen? Hein hat sich übrigens auch die Wasserspiele vor dem Lenbachhaus einfallen lassen.
Georgios Kefalas/dpa 10 „Make Magic“ blinkt Jeppe Hein nicht nur dieser Besucherin der Art Basel entgegen. Schillernder Minimalismus kommt immer an, und vielleicht sollte man sich ja anstecken lassen? Hein hat sich übrigens auch die Wasserspiele vor dem Lenbachhaus einfallen lassen.
Yayoi Kusama ist immer auf der Art Basel vertreten - und wieder mal auf der Unlimited: mit einer Riesenblume.
Art Basel 10 Yayoi Kusama ist immer auf der Art Basel vertreten - und wieder mal auf der Unlimited: mit einer Riesenblume.
Bei Gagosian ist ein schwarzes Schaf von Damien Hirst im Angebot - für 3 Millionen Dollar.
Art Basel 10 Bei Gagosian ist ein schwarzes Schaf von Damien Hirst im Angebot - für 3 Millionen Dollar.
Helen Frankenthaler wird auf der Art Basel von Yares Art vertreten - und hat eine sehenswerte Ausstellung im Kunstmuseum Basel.
10 Helen Frankenthaler wird auf der Art Basel von Yares Art vertreten - und hat eine sehenswerte Ausstellung im Kunstmuseum Basel.
Das Label „Basel Exclusive“ gibt es nicht einfach so. Die Galerien müssen Highlights bis zur VIP-Preview zurückhalten und dürfen sie nicht vorab zeigen. Der belgische Künstler Hans Op de Beeck musste deshalb im Eiltempo den dokumentierten Entstehungsprozess seiner aktuellen und wie immer grau-in-grauen Skulptur „Cécile“ (110.000 Euro) bei Instagram löschen.
Art Basel 10 Das Label „Basel Exclusive“ gibt es nicht einfach so. Die Galerien müssen Highlights bis zur VIP-Preview zurückhalten und dürfen sie nicht vorab zeigen. Der belgische Künstler Hans Op de Beeck musste deshalb im Eiltempo den dokumentierten Entstehungsprozess seiner aktuellen und wie immer grau-in-grauen Skulptur „Cécile“ (110.000 Euro) bei Instagram löschen.
Nur ganz kurz kann man sich noch erkennen. Rafael Lozano-Hemmer arbeitet mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor. Im Zentrum befindet sich eine Überwachungskamera, die die Blicke der Betrachter verfolgt und zugleich aktiviert wird. Doch schnell wird das eigene Konterfei verwirbelt.
Art Basel 10 Nur ganz kurz kann man sich noch erkennen. Rafael Lozano-Hemmer arbeitet mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor. Im Zentrum befindet sich eine Überwachungskamera, die die Blicke der Betrachter verfolgt und zugleich aktiviert wird. Doch schnell wird das eigene Konterfei verwirbelt.
Andächtig stehen die Besucher vor Leander Herzogs „Infinite Garden“. Da blüht ja auch was.
Art Basel 10 Andächtig stehen die Besucher vor Leander Herzogs „Infinite Garden“. Da blüht ja auch was.
Judith Hopfs tolle Schnecke „LESS (waiting)“ aus dem Jahr 2026 ist bei Deborah Schamoni ein echter Hingucker.
Foto Stefan Korte / Courtesy the artist and Deborah Schamoni 10 Judith Hopfs tolle Schnecke „LESS (waiting)“ aus dem Jahr 2026 ist bei Deborah Schamoni ein echter Hingucker.

Die Millionen werden hin und hergeschoben, und doch geht es in diesem Jahr fast angenehm entspannt zu. Zumindest wenn man die Sicherheitschecks am Eingang der Art Basel passiert hat. Die Scanner und Taschenlampen irritieren zwar noch, aber auch in der soliden Schweiz und auf der weltweit größten und wichtigsten Kunstmesse geht man auf Nummer sicher. Die letzten Schranken öffnet dann der Barcode des Tickets, und huch - schon steht man vor einem Dutzend Polizeiuniformen mit Schlagstock, Beretta und Handschellen.

Chris Burden erlaubt sich dieses Schockaufgebot. Tatsächlich sind es bloß die schwarzen Anzüge, für die man erst einmal die Zwei-Meter-Hünen finden müsste. 1993 hat er mit 30 dieser martialischen Ausrüstungen auf den Freispruch mehrerer Cops reagiert. Sie wurden nach einer Prügelattacke auf den schwarzen Autofahrer Rodney King flugs entlastet, obwohl der Videomitschnitt etwas anderes nahegelegt hatte.

Aus der Nähe sind Eric Burdens Cop-Uniformen fast wieder harmlos. Aber aus der Ferne hat diese Reihe durchaus Wumm.
Aus der Nähe sind Eric Burdens Cop-Uniformen fast wieder harmlos. Aber aus der Ferne hat diese Reihe durchaus Wumm. © Art Basel

Schwarze Cop-Uniformen wirken mit Wucht

Unwillkürlich muss man an den Tod von George Floyd und die Black-Lives-Matter-Bewegung denken. Die Uniformen-Parade wirkt in dieser Wucht bis heute. Aber alles sprengt hier die üblichen Dimensionen, der Titel „Unlimited“ ist Programm. Die Galerien nutzen die Gelegenheit, besonders ausladende Werke vorzuführen, und die Kuratoren setzen auf kritische Kunst.

Das beschert auch Rembrandts „Nachtwache“ einen opulenten Auftritt, allerdings in einer Version mit Knüppeln. Eduardo Arroyo hat damit 1975 auf den Tod von Diktator Franco reagiert. Dagegen ist Yoyoi Kusamas kosmische Riesenblume ein bunter Hingucker, der den perfekten Hintergrund fürs obligatorische Erinnerungsfoto liefert.

Picasso geht immer - und vor allem schnell weg

Irgendwas muss man ja von der Art mitbringen. Nicht jeder kann sich einen Picasso für 35 Millionen Dollar leisten. Oder Kapuzenmänner von Phil Guston, die bei 15 Millionen Dollar liegen. Das sind freilich Ausreißer nach oben, aber siebenstellige Beträge keine Seltenheit. Gagosian bietet zum Beispiel ein in Formaldehyd versenktes schwarzes Schaf von Damien Hirst für 3 Millionen Dollar. Und eins ist gewiss, es wird einen Stall finden.

Helen Frankenthaler wird auf der Art Basel von Yares Art vertreten - und hat eine sehenswerte Ausstellung im Kunstmuseum Basel.
Helen Frankenthaler wird auf der Art Basel von Yares Art vertreten - und hat eine sehenswerte Ausstellung im Kunstmuseum Basel.

Helen Frankenthaler sorgt für Fulminanz

Auch der erst letzte Woche verstorbene David Hockney sorgt für Spitzenpreisen. Bei Gary ist sein „Studio Interior“ für 8,5 Millionen Dollar im Angebot. Zwei kopfüber schwebende Frauen von Georg Baselitz sind bei Thaddaeus Ropac mit 1,9 Millionen Euro angesetzt. Und schließlich gehen nicht nur nach dem Tod, sondern auch durch Ausstellungen die Summen nach oben. Für Arbeiten der in Europa sträflich vernachlässigten Helen Frankenthaler, die im Kunstmuseum Basel mit einer fulminanten Schau gefeiert wird (bis 23. August 2026), muss man bei Yares Art zwischen 2 und 5,8 Millionen Dollar hinblättern.

Um das Außergewöhnliche der Messe zu betonen, hat sich die Art übrigens eine neue Initiative einfallen lassen, und die meisten Galerien sind bei „Basel Exclusive“ dabei. Das heißt, sie haben Werke bis zur VIP-Preview am Dienstag zurückgehalten und nicht bereits vorab irgendwo gezeigt.

Das Label „Basel Exclusive“ gibt es nicht einfach so. Die Galerien müssen Highlights bis zur VIP-Preview zurückhalten und dürfen sie nicht vorab zeigen. Der belgische Künstler Hans Op de Beeck musste deshalb im Eiltempo den dokumentierten Entstehungsprozess seiner aktuellen und wie immer grau-in-grauen Skulptur „Cécile“ (110.000 Euro) bei Instagram löschen.
Das Label „Basel Exclusive“ gibt es nicht einfach so. Die Galerien müssen Highlights bis zur VIP-Preview zurückhalten und dürfen sie nicht vorab zeigen. Der belgische Künstler Hans Op de Beeck musste deshalb im Eiltempo den dokumentierten Entstehungsprozess seiner aktuellen und wie immer grau-in-grauen Skulptur „Cécile“ (110.000 Euro) bei Instagram löschen. © Art Basel

Für „Basel exclusive“ wird auch mal auf Instagram gelöscht

Der belgische Künstler Hans Op de Beeck musste deshalb im Eiltempo den dokumentierten Entstehungsprozess seiner aktuellen und wie immer grau-in-grauen Skulptur „Cécile“ (110.000 Euro) bei Instagram löschen. Die Art-Verantwortlichen haben noch mal ein Auge zugedrückt. Aber das Live-Erlebnis von Kunst und die Entdeckung des „Ungesehenen“ spielen nach wie vor die entscheidende Rolle. Auch bei den jüngeren Sammlern, die in erstaunlich großer Zahl unterwegs sind, und selbst bei den Digital Natives, die langsam für den Kunstmarkt interessant werden.

Sich durchs Netz zu klicken, ist halt doch fad im Vergleich zu einem Rundumerlebnis. Von der berühmten Aura mal ganz zu schweigen. Dass die Art Basel Ableger in Miami Beach, Hongkong, Paris und seit Februar außerdem noch in Katar hat, kommt ja nicht von ungefähr.

Nur ganz kurz kann man sich noch erkennen. Rafael Lozano-Hemmer arbeitet mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor. Im Zentrum befindet sich eine Überwachungskamera, die die Blicke der Betrachter verfolgt und zugleich aktiviert wird. Doch schnell wird das eigene Konterfei verwirbelt.
Nur ganz kurz kann man sich noch erkennen. Rafael Lozano-Hemmer arbeitet mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor. Im Zentrum befindet sich eine Überwachungskamera, die die Blicke der Betrachter verfolgt und zugleich aktiviert wird. Doch schnell wird das eigene Konterfei verwirbelt. © Art Basel

Gerade auch „Zero 10“, der neue Sektor mit Digitaler Kunst, profitiert vom Ausprobieren vor Ort. Raffaelo Lonzano-Hemmer etwa arbeitet mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor, der mit einer Kamera samt integrierten Algorithmen ausgestattet ist. Stellt man sich davor, wird das Gesicht in Echtzeit extrahiert und verwirbelt, nun ja, ins Nirwana oder in die Ewigkeit rotiert. So genau weiß man das nicht.

Ratzfatz landet man im „Schwarzen Loch“ und verwirbelt

Gerade auch „Zero 10“, der neue Sektor mit Digitaler Kunst, profitiert vom spielerischen Ausprobieren vor Ort. Rafael Lozano-Hemmer etwa arbeitet bei seinem jüngsten Werk mit einem spiralförmig-parabolischen Bildreflektor. Im Zentrum befindet sich eine Überwachungskamera, man könnte auch sagen, ein „Schwarzes Loch“, das die Blicke der Betrachter verfolgt und zugleich aktiviert wird. Wer davor steht, sieht plötzlich das eigene Konterfei, ganz kurz nur, und schon wird es verwirbelt und beginnt sich aufzulösen. Ist das womöglich die Warnung vor zu vielen Selfies?

Andächtig stehen die Besucher vor Leander Herzogs „Infinite Garden“. Da blüht ja auch was.
Andächtig stehen die Besucher vor Leander Herzogs „Infinite Garden“. Da blüht ja auch was. © Art Basel

Gleich nebenan blüht Leander Herzogs „Infinite Garden“, und es wird einem fast schummrig von den ständig neuen Farben und Formen. Dieses sich wandelnde Ökosystem reagiert auf Jahres- und Tageszeiten, ja sogar auf die Aktivitäten der potenziellen Sammler, erklärt der Schweizer Künstler. Und das auf der Basis der Blockchain. Man kann ihm kaum widersprechen, denn wer kapiert das schon?

Im unendlichen Garten sorgen Algorithmen für tolle Blüten

Nichts würde sich bei dieser digitalen Flora wiederholen, sagt Herzog. Aber das ist, mit Verlaub, in der realen Natur nicht anders. Doch egal, auf diese Weise gewinnen auch Anhänger der klassischen Genres eine Vorstellung davon, was beim Basteln mit Bits, Bytes und Algorithmen am Ende herauskommt. Offen bleiben, lautet die Devise, um dann doch die wohnzimmertaugliche Flachware zu erwerben. Die funktioniert immerhin ohne Strom, das kann nicht so verkehrt sein.

Judith Hopfs tolle Schnecke „LESS (waiting)“ aus dem Jahr 2026 ist bei Deborah Schamoni ein echter Hingucker.
Judith Hopfs tolle Schnecke „LESS (waiting)“ aus dem Jahr 2026 ist bei Deborah Schamoni ein echter Hingucker. © Foto Stefan Korte / Courtesy the artist and Deborah Schamoni

Debora Schamoni hat eine starke Schnecke dabei

Und sonst? Aus München sind mittlerweile nur noch drei Galerien vertreten. Das sollte man nicht überbewerten, zumal dieses Trio wacker die Stellung hält. Da wären die unverwüstlichen - und finanzierbaren - Editionen, die Knust und Kunz präsentieren. Deborah Schamoni, die weit draußen an der Mauerkircherstraße ihre Galerie führt, überzeugt mit einem frischen jungen Programm. Die hintersinnige Backsteinschnecke, die sie von Judith Hopf dabei hat (50.000 Euro) ist ein Knüller. Und Rüdiger Schöttle darf man ohnehin als Phänomen bezeichnen.

Er serviert Klassiker wie Stephan Balkenhol, Candida Höfer oder Karin Kneffel, hat aber auch immer ein Auge auf die Neulinge aus der Akademie. Und mit der Konzeptkünstlerin Goshka Macuga ist er diesmal sogar auf der Unlimited vertreten. Vom Zusammenschluss der europäischen Kunstgalerien erhielt der staubtrockene Schwabe nun den Preis für sein Lebenswerk. Die Laudatio hielt Chris Dercon, einst Chef am Haus der Kunst und mittlerweile Generaldirektor der noblen Fondation Cartier in Paris, gleich vis-à-vis des Louvre. Was will man da mehr?

Art Basel, 18. bis 21. Juni 2026, Tagesticket 70 CHF, mehr auf www.artbasel.com

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