Kunst? Müll? Oder beides? Fundsachen aus dem Eisbach im Haus der Kunst
Wer in diesen extremen Tagen Abkühlung sucht, dem sei - abgesehen von Isar und Eisbach natürlich - der Besuch im Haus der Kunst empfohlen. Pünktlich zum Hitze-Peak lädt das Haus dazu ein, ins tiefgrüne Wasser einzutauchen: Unter dem Titel "Tao Schirrmachers Sammlung: Eisbach Treasures" ist in der Archiv Galerie ausgestellt, was der Münchner Surfer und Industriedesigner (geboren 1982) seit mehr als zwanzig Jahren vom Grund des benachbarten Eisbachs hochholt. Dank einiger Fotos und einer Video-Projektion vom tauchenden Tao, beide mit 1,70 Meter Höhe so hoch wie das Bachbett, bekommt man selbst ein bisschen (Unter-)Wasser-Feeling.
Schirrmachers Tauchgründe umfassen dabei nicht nur den Bereich vor der Welle an der Prinzregentenstraße, sondern den gesamten Eisbach bis zur Mündung in die Isar im Englischen Garten. Hier betreibt er seine zutiefst münchnerische Unterwasserarchäologie der Gegenwart.
Und die Archiv-Galerie wird nun quasi zum Fundbüro. Die Kollektion verlorener Gegenstände umfasst alles, was die Taschen so hergeben. Ein faszinierendes Panoptikum der nützlichen und symbolischen Dinge: Geldbeutel, Sonnenbrillen, Handys, Kameras, Schlüssel, außerdem Karabiner und Besteck - und inzwischen ganz neuzeitlich auch einige abgestürzte Drohnen.
Ein fetter Klunker
Aber vor allem finden sich viele Uhren und Schmuck - darunter jede Menge Eheringe. Präsentiert werden die Fundstücke dieser von höchst unterschiedlichem Wert in Glaskästen und Kisten aus Metallgitter. Da werden über die Jahre auch Moden, Trends und technische Erneuerungen sichtbar.
Angefangen hat Schirrmacher, der nebenbei dreifacher Weltmeister im Rapid Surfen ist, einst damit, dass er die vielen Finnen, die Surfer verlieren, hochtauchen wollte. Und auch in der Archiv-Galerie füllen die Finnen nun mehrere Käfige. Dann fand er einen echt fetten Klunker: einen Anhänger in Herzform mit Diamanten. Und war angefixt, was im rund 1,70 Meter tiefen Bachbett sonst noch so für ideelle und materielle Schätze lagern.

Weil man Gefundenes ja nicht einfach behalten darf, zeigt er sie auf seinem Insta-Account "lostanddrowned_eisbach". Wer etwas in Eisbachnähe verloren hat, kann also auch dort nachschauen. So findet so mancher Gegenstand zurück zum Eigentümer. Das Diamantherz wartet allerdings immer noch auf seine Sichtung.
Parallel zu den "Eisbach Treasures" kann man - im Haus verteilt - drei ortsspezifische Werke der Malerin Maria VMier (geboren 1985) entdecken. VMier, die aus Passau kommt, in München, Wien und London studiert hat und derzeit in New York lebt und arbeitet, hat sich intensiv mit der Sprache der Materialien im Haus beschäftigt.

Zarte Blüten oder Aluminium Fossilien als Kontrast
Für die Mittelhalle schuf sie eine Reihe zarter Miniaturen aus Aluminium, die an Blüten und Fossilien erinnern. So setzen sie - an der Wand und am Boden - einen leise irritierenden Gegenpart zum pompösen roten Marmor, mit dem die Halle ausgekleidet ist. Darüber hinaus entstanden großformatige Zeichnungen, denen Grattagen von Bodenplatten zugrunde liegen.

Und sie gestaltete den Personaleingang mit vorhandenem Material neu: Dafür griff sie auf die Lettern des Haus-der-Kunst-Schriftzuges zurück, der unter Okwui Enwezor, Vorgänger des heutigen künstlerischen Geschäftsführers Andrea Lissoni, über der Fassade angebracht war. Aus "Haus der Kunst" wurde durch Buchstaben-Drehungen und eine kleine Beifügung nun der fast schon Dada-poetische "Bauch der K_nst".
Bis 7. Februar, Haus der Kunst, Mi - So 10 bis 20 Uhr; jeden letzten Freitag im Monat 16 bis 22 Uhr, Eintritt frei
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