Der T-Rex brüllt, die Zuschauer zittern: "Jurassic World" in München

Versprochen wird eine "Experience": Man bekommt in der Kleinen Olympiahalle eine Art Safari mit technisch hervorragend animierten Sauriern
Adrian Prechtel
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Ein Experience-Objekt, näher als es scheint: Der Tyrannosaurus Rex trampelt und schnaubt.
Universal Studios und Ambin Entertainment / Semmel Entertainment 6 Ein Experience-Objekt, näher als es scheint: Der Tyrannosaurus Rex trampelt und schnaubt.
Im sogenannten „Forschungslabor“ kann man auch Dino-Babys streicheln.
Universal Studios / Semmel Entertainment 6 Im sogenannten „Forschungslabor“ kann man auch Dino-Babys streicheln.
Geistiger Vater der „Experience“: Steven Spielberg an seiner Panaflex-Kamera am Set von „Jurassic Park“ 1993.
IMAGO/Capital Pictures 6 Geistiger Vater der „Experience“: Steven Spielberg an seiner Panaflex-Kamera am Set von „Jurassic Park“ 1993.
Begrüßt wird man vom beruhigenden, aber riesigen Pflanzenfresser: dem Brontosaurus.
6 Begrüßt wird man vom beruhigenden, aber riesigen Pflanzenfresser: dem Brontosaurus.
Ikonisches Logo einer ganzen Franchise-Welt: „Jurasic Parc“ von 1993.
imago images/Everett Collection 6 Ikonisches Logo einer ganzen Franchise-Welt: „Jurasic Parc“ von 1993.
Ein Stygimoloch mit Schnabelmund im Tiertransporter.
Universal Studios und Ambin Entertainment / Semmel Entertainment 6 Ein Stygimoloch mit Schnabelmund im Tiertransporter.

Als 1993 im Milliardärs-Freizeitpark "Jurassic Park" alles außer Kontrolle gerät, und ein Wissenschaftler, ein Anwalt und zwei Kinder in einem SUV fliehen müssen, schwenkt die Kamera auf den Außenspiegel des rasenden SUV: Man blickt in das aufgerissene Maul eines Tyrannosaurus Rex’ - und auf den ins Spiegelglas vorschriftsmäßig eingravierten Satz: "Objects in mirror are closer than they appear". Ein guter Gag von Steven Spielberg.

Noch 1975, hatte er - so geht der Mythos - improvisieren müssen: Die Gummi-Attrappe des Weißen Hais soll beim Dreh zu früh abgesoffen sein. Dennoch wurde der Horrorfilm zum Gründungsklassiker sogenannter Sommer-Blockbuster im Kino. Knapp 20 Jahre später, in „Jurassic Park“, setzte der Hollywood-Starregisseur - neben Attrappen und elektronisch bewegten Puppen - dann sehr früh und massentauglich auch CGI ein: am Computer generierte Bilder.

Im sogenannten „Forschungslabor“ kann man auch Dino-Babys streicheln.
Im sogenannten „Forschungslabor“ kann man auch Dino-Babys streicheln. © Universal Studios / Semmel Entertainment

Eine sogenannte Blockbuster-Ausstellung

Jetzt, in der Sommer-Blockbuster-Ausstellung, die sich zu Recht "Experience" nennt, ist die Illusion aber nicht digital. Am Ende einer Art Safari mit rund zehn Stationen kann man wirklich einem wild gewordenen Tyrannosaurus Rex ins hergereckte Maul schauen: ein physisches Objekt, ganz nah, während ein Ausstellungs-Ranger mit aufgeregt nervöser Stimme mahnt, nicht mit Blitz zu fotografieren und möglichst ruhig zu bleiben, um den "König der Saurier" nicht noch weiter zu reizen. Der tänzelt hinter einem Fake-Hochspannungszaun nervös, fletscht die Zähne, schnaubt, sodass man die Atemlöcher beben sieht.

Geistiger Vater der „Experience“: Steven Spielberg an seiner Panaflex-Kamera am Set von „Jurassic Park“ 1993.
Geistiger Vater der „Experience“: Steven Spielberg an seiner Panaflex-Kamera am Set von „Jurassic Park“ 1993. © IMAGO/Capital Pictures

Dann wird man - am Ende einer Erlebnisstunde nach rund zehn Stationen - hinauskomplimentiert, das eiserne Gehegetor schließt sich hinter einem, offiziell braucht der Saurier jetzt nach dem Besucherstress Ruhe, tatsächlich wartet die nächste Gruppe auf Einlass zu dieser „Animatronic“, einer elektronisch und pneumatisch bewegten Riesenfigur aus Gerüst, Antrieben, Steuerung mit Geräuschen. Und so landet man im auffallend dezenten Merchandising-Bereich der unterirdischen Kleinen Olympiahalle, in der ein ganzer Themenpark aufgebaut ist, der sich auf den globalen „Jurassic World“-Franchise-Kinokosmos bezieht.

Begrüßt wird man vom beruhigenden, aber riesigen Pflanzenfresser: dem Brontosaurus.
Begrüßt wird man vom beruhigenden, aber riesigen Pflanzenfresser: dem Brontosaurus.



Witzigerweise ist - rückblickend - der T-Rex gar nicht das Beeindruckendste der „Jurassic World: The Experience“, sondern ein Velociraptor - ein vogelartiges Großreptil, wie ein gedrungener, extrem muskelbepackter und großmäuliger Riesen-Vogelstrauß. An vier dieser gefährlichen Schnell-Räuber aus der Kreidezeit geht man vorbei, ihre Köpfe ragen aus Käfigkistenlöchern, sie sind mit Eisenstangen fixiert und in Maulkörbe gepackt, sodass nur die Augen rollen können. Einer fehlt, da ist nur noch die Fixierungskonstruktion zu sehen - und das Namensschild darüber: Blue.

Dann betritt man einen Raum mit Freigehege wie im Zoo, nur dass die Sicherungsanlagen martialisch sind. Hinter den Hochvolt-Gitter läuft dann einer der Velociraptor wild herum, bedroht den Wärter-Dompteur im Käfig, der einen Riesen-Schinkenschlegel in der Hand hält und Blue in Schach hält und dann füttert, ohne selbst gefressen zu werden. Eine Siegfried-und-Roy-Nummer wäre dagegen ein Kinderspiel, aber Blue ist halt „nur“ ein gut programmierter Animatronic, der scheinbar natürlich auf Bewegungen reagiert. Die Tierschutzorganisation Peta muss also nicht wegen Tierquälerei im Olympiapark demonstrieren.

Ikonisches Logo einer ganzen Franchise-Welt: „Jurasic Parc“ von 1993.
Ikonisches Logo einer ganzen Franchise-Welt: „Jurasic Parc“ von 1993. © imago images/Everett Collection

Diesen echten Freizeitpark Münchens für den Sommer in „Jurassic Park“ umzubenennen hat spaßeshalber der Veranstalter Semmel Entertainment vorgeschlagen: vielleicht sei der neue grüne Oberbürgermeister für den Vorschlag ja zugänglich.

Wenn man erklären will, was denn diese fünfmonatige „Jurassic World“ als Gastspiel in München ist, muss man eine Umschreibung wählen: Es ist eine Fake-Safari durch einen tropischen Freizeitpark mit Zoo- und Zirkuselementen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob es - neben dem Fun-Faktor hinaus - auch einen wissenschaftlichen Aspekt gibt. Die Antwort fällt gemischt aus. Denn klar herrscht in dieser tropisch aufwändig dekorierten Unterwelt Witz vor Wissenschaft.

Der wissenschaftliche Aspekt ist etwas unterbelichtet

Andererseits kann man als Besucher durchaus auch die Erklärungstafeln anschauen und die digitalen - wie aus Spielbergs „Minority Report“ von 2002 mit Tom Cruise stammenden - Info-Screens auf sich wirken lassen.

Hier werden auf Zeittafeln die Kontinentalplattenverschiebungen und die Erdzeitalter aufgeschlüsselt und die Saurier erklärt, wie sie sich als Pflanzenfresser (Brontosaurus) oder Fleischverschlinger, Karnivoren durchschlagen mussten. Auch wird nicht um des Showeffektes Willen der Mammut-Fehler gemacht, Tiere zu kombinieren, die sich aufgrund von Millionen von Jahren Entwicklungsabstand nie begegnet sein können. Aber inhaltlich aufklärerischer wäre dann doch noch „Die Dinosaurier“ aus der Kinder-Sachbuchreihe „Was ist Was?“. Aber so wissenschaftlich ist der Anspruch von „Jurassic World: The Experience“ dann doch, dass sogenannte Kreationisten hier keine Freunde hätten, auch wenn hier keine Theorie zum Entstehen oder Aussterben der Saurier vertreten wird. Wie im witzigen Song von 1980: „Die armen Saurier, die Dinosaurier wer’n immer trauriger, denn die Saurier dürfen nicht an Bord“. Die Arche Noah kommt wie die biblische Schöpfungsgeschichte nicht vor.

DNA aus Dinosaurierblut durch Mückenstiche

In der Mitte des künstlichen Erlebnisparks gibt es dafür eine fiktive, aber besuchbare Forschungsstation, in der - wie im Film - erklärt ist, wie man überhaupt Saurier wieder züchten konnte: aus dem Blut, das Insekten Sauriern entsaugt haben. Einige dieser Urzeit-Stechmücken blieben an Harztropfen hängen, wurden eingeschlossen und bernstein-versteinert. So ließ sich Saurier-DNA entnehmen und reproduzieren, sodass wir diese Ur-Viecher wieder - in einer Art Science-Fiction - hier erleben können. Auch ein Saurier-Brutkasten ist im weißen Stations-Labor aufgebaut, und einige Rangerinnen haben dann auch Saurier-Babys - als elektronisch animierte und handpuppen-bewegte Attrappen - auf dem Arm, die man auch streichen darf.

Ein Stygimoloch mit Schnabelmund im Tiertransporter.
Ein Stygimoloch mit Schnabelmund im Tiertransporter. © Universal Studios und Ambin Entertainment / Semmel Entertainment

„Jurassic World“ hat als globales Markenzeichen ein Emblem mit dem T-Rex-Schädel. Hier aber sind die Urtiere eben nicht als Skelett gezeigt wie zum Beispiel im Museum of Natural History in New York. Damit man atmosphärisch aber die computergesteuerten, mechanischen Tricks also möglichst echt glaubt, muss man die Besucherinnen und Besucher in eine Scheinwelt versetzen. Das schafft man am ehesten, indem man seine Realität ein Stück weit hinter sich lässt.

Mit einer Fähre und viel Personal rüber auf die Saurier-Insel

So wird man am Anfang von einer Begrüßungs-Rangerin durch eine Schleuse auf eine Fähre gebeten, bekommt von einer Stewardess „Safty Instructions“ sieht die orangen Rettungsringe über den Bänken der Fake-Fähre, am Fenster zeigt eine Meeres-Projektion vorbei, bis man nach ruhiger Fahrt ankommt auf einer Insel, wo man beruhigenderweise erst einmal dem gutmütigen Pflanzenfresser-Riesen mit dem langen Hals und kleinem Kopf begegnet - einem Brontosaurus.

Nach einer Stunde Besichtigung und einigen Stationen später wird dann der Boden beben, rhythmisch: Im Nachbarraum, der letzten Station, stampft schon der T-Rex wütend erwartungsvoll herum, weshalb die Altersangabe für den „Kinderpreis“ der Eintrittskarten ab 3 Jahren beginnt und bis 15 geht, ab wann der Erwachsenenpreis gezahlt werden muss. Aber vielleicht ist dann doch mindestens sechs oder sieben Jahre als Mindestalter empfehlenswert. So wie die familienfreundlichen Abenteuerfilme von Steven Spielberg. Die Veranstalter erwarten 250.000 Besucher in München. Die hohen Ticketpreise sind sicher auch dem hohen Personalaufwand geschuldet, immerhin begegnet man auf der Safari zwanzig Rangern und Tierpflegern und fünf Wissenschaftsassisenten - und natürlich Einlass und auch Sicherheitspersonal: fiktives und echtes.

bis 16. September, Kleine Olympiahalle, Olympia Park, muenchenticket.de. Kartenpreise: 23,90 Euro für Kinder und 29,90 Euro für Erwachsene. Es gibt Familien- und Gruppentickets

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