"Fake Noise - True Image": Eine grandiose Ausstellung über unseren Spieltrieb
Ein schöner Begriff: kinetische Kunst. Es ist Kunst, die etwas mit Bewegung zu tun hat. Der Schweizer Jean Tinguely (1925 - 1991) war eine Ikone dieser Maschinenkunst. Die Pasinger Fabrik setzt jetzt noch eine Dimension drauf: Wer in den Galerieräumen erst einmal links abbiegt, betritt ein dunkles Labyrinth, fast ein wenig gespenstisch. Und jede wilde Maschinenskulptur, der man begegnet, fordert einen auf, sich selbst mitzubetätigen.
Da steht man also vor fünf Philosophenköpfen (wie von Hannah Arendt über Hegel und zurück zu Heidegger), die wie zum Büchsenwerfen auf sie einladen. Aber vor einem ist nur ein kleiner Griff, wie von einer stehenden Handpumpe.

Und wirklich, wenn man pumpt, zeigt ein großer Zeiger den Druck an, steigert man bis zum "Roten Bereich", ertönen plötzlich fünf sich ausfahrende Faschingströten aus den Mündern der Geistesmenschen. Hier mischen sich Geheimnis, Mechanik und Witz.
Wie auch in einer Art altem Chemielabor oder Großdestille mit giftgrünen Großreagenzgläsern, die aussehen, als seien sie einem expressionistischen Film wie "Das Kabinett des Dr. Caligari" entsprungen.
Karl Valentin kann einpacken bei diesem Spektakel
Einem knappen Dutzend solcher imposanten, spielerischen, leicht verrückten jahrmarktartigen, musikalischen Schaumaschinen aus Altem, Gefundenen, Recyceltem kann man hier begegnen - und allen ist gemeinsam, dass sie nicht nur mechanisch und elektronisch sind, sondern alle auch Klänge erzeugen - bis hin zu einer riesigen altarartigen Schlagzeuginstallation.

Kurz vor der Eröffnung bastelt der Künstlermechaniker Greulix Schrank noch an einigen Details zur Optimierung der digitalen Programmierung herum - oder auch nur um eine Schraube nachzuziehen. Der Klangeindruck des Schlagzeugorchesters ist beeindruckend. Es gibt über 30 Klangerzeuger, die geschlagen, gezupft oder gerührt werden, zehn Motoren bewegen Transformationsriemen, Lochkartenbänder, Kreisel, Klöppel und Ähnliches. Aber es entsteht kein Missklang, alles ist perfekt komponiert und choreografiert.
Selbst ein begnadeter Dilettant wie Karl Valentin mit seinen Orchestermaschinen - dem hier auch gehuldigt wird mit einem steppenden Stuhl - kann bei dieser Präzision der Techniktüftler einpacken. Begrüßt wird man übrigens am Eingang von "Grobian", einem hip bebrillter Drahtverhau, der einen dialektal wüst beschimpft, wenn man sich auf die Waage davorstellt und untätig bleibt. Und verabschiedet wird man von einer sanften Schleudergestell-Installation, einer mit Ziegenglocken und Meckergeräuschen.

Das Schöne an diesem Parcours des Münchner Künstlerduos Greulix Schrank und Taison Heiß unter dem Namen Portmanteau ist, dass er spielerisch, aber nie kindisch ist, wenn auch für Kinder als bizarrer Erlebnispark fantastisch geeignet.
Dazu passt, dass eine der Großinstallationen, "Nautilus", auch schon die Jules-Vernes-Inszenierung "20.000 Meilen unter dem Meer" an der Schauburg in München bereichert hat - optisch und akustisch.

Und allein schon die poetischen Namen der Maschinen verraten viel, was einen erwartet: "Sittichquirl", spielt vogeljakobartig mit dem Gesang von Wellensittichen oder "Alpinium" ist ein Riesenkaleidoskop, in dem sich vielfach gebrochen Themen um unsere Berge abspielen.
Pasinger Fabrik, August-Exter-Straße 1 (am Pasinger Bahnhof), bis 14. März 27, Di - Sa, 15 bis 19 Uhr und So, 14 - 18 Uhr, 8 / 5 Euro.
Unser Tipp: Lassen Sie sich an der Kasse Ihr Wechselgeld in 50-Cent-Stücke wechseln, Sie werden merken, warum.
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