Dürer: Ganz für mich allein

Fast alle Münchner Museen haben wieder geöffnet, die Aufsichten sind bester Laune – nur das Publikum hält sich noch zurück. 
| Christa Sigg
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Franz Marcs „Blaues Pferd“ ist eine farbstarke Abwechslung zum Schreibtisch: Alfred, Nina und Enina (von links) vom Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching lernen im Lenbachhaus aufs Abitur.
Sigg 2 Franz Marcs „Blaues Pferd“ ist eine farbstarke Abwechslung zum Schreibtisch: Alfred, Nina und Enina (von links) vom Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching lernen im Lenbachhaus aufs Abitur.
Kunstminister Bernd Sibler.
Sigg 2 Kunstminister Bernd Sibler.

Eins ist sicher: So viel Platz wird man in den Münchner Museen so schnell nicht mehr haben. In einigen Häusern waren gestern mehr Aufsichten als Besucher unterwegs. Zumindest zeitweise. Und auch die üblichen Wartegrüppchen, die sich sonst viertel vor zehn langsam formieren, wurden vermisst.

„In den ersten vier Stunden kamen 60 Gäste in die Alte Pinakothek“, resümiert Generaldirektor Bernhard Maaz. Natürlich ist das weit entfernt von den Zahlen vor der Corona-bedingten Schließung. Gerade das Museum, in dem Albrecht Dürers Selbstbildnis hängt, gehört zu den großen Touristenattraktionen. Jetzt hätten die Einheimischen also gute Gelegenheit, sich Rembrandt und Rubens, Manet und Van Gogh (aus der geschlossenen Neuen Pinakothek) ganz genau anzusehen.

Doch darauf schienen die Münchner noch keine rechte Lust zu haben. Man darf das sicher nicht überbewerten, die meisten sind vorsichtig und warten ab. „Wir haben auch erst mal angerufen und gefragt, ob wirklich offen ist“, sagt Nina. Die Schülerin aus Gilching hat sich mit Enina und Alfred aus ihrer Klasse ins Lenbachhaus aufgemacht: „Das ist mal eine angenehme Vorbereitung aufs Abi, ich hab’ Leistungskurs Kunst“.

Man kann lange alleine vor einem Bild verbringen 

Dass sich die drei strikt an Führungslinien halten müssen, sei ein bisschen umständlich, aber daran gewöhne man sich auch. „Dafür kann man jetzt Ewigkeiten vor einem Bild verbringen“, erklärt eine Rentnerin aus Schwabing, die sich mit den schweren Glastüren abmüht. „Die Aufsichten helfen schon“, sagt sie, und überhaupt sei das Personal sehr zuvorkommend. Aus gutem Grund. Die meisten sind froh, dass sie wieder ihrem Job nachgehen können. Auch wenn mehr zu beachten ist als früher. „Ich muss mich erst an die Markierungen am Boden gewöhnen“, sagt eine Wachdame im Lenbachhaus, „und es geht immer nur in eine Richtung, Umwege gehören jetzt einfach dazu“.

Zählen braucht derzeit noch keiner. Wenn allerdings die Scheu vorbei ist, kann es durchaus zu Warteschlangen kommen. In die Alte Pinakothek etwa dürfen maximal 150 Besucher, in die Sammlung Schack 50 und in die Pinakothek der Modern – aber nächster Woche – immerhin 470.

Kunstminister Bernd Sibler, der sich gestern im Museum Brandhorst das Leitlinien- und Hygienekonzept zeigen ließ, gab sich zuversichtlich: „Durch die Öffnung der Museen wird wieder etwas Normalität in den Kulturbetrieb kommen“. Theater und Konzertveranstalter stehen da vor ganz anderen Problemen.

 

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