Die privaten Seiten des Franz von Lenbach
Er hat die Reichen und die Schönen gemalt, natürlich auch die Mächtigen und die Einflussreichen wie Otto von Bismarck oder Richard Wagner, und man könnte diese Reihe noch eine Weile fortführen. Sich von Franz von Lenbach porträtieren zu lassen, war seit Mitte der 1870er Jahre schwer angesagt, dass er seine unzähligen Aufträge überhaupt geschafft hat, grenzt zeitweise an ein Wunder.

Lenbach konnte schnell porträtieren - dank Fotografien
Allerdings darf man nicht vergessen, dass der 1836 in Schrobenhausen geborene Künstler - am 13. Dezember ist das genau 190 Jahre her - perfekt organisiert war und äußerst ökonomisch gearbeitet hat. Langwierige Porträtsitzungen konnte Lenbach durch den Einsatz von Fotografien auf ein Minimum reduzieren. Das heißt, er hat sein Gegenüber im Atelier skizziert und fotografiert. Der erfahrene Maler wusste, welche Positionen er für die Ausarbeitung brauchte.

Mit wenigen Strichen ist das Wesentliche festgehalten
Diesen Prozess kann man jetzt in einer besonderen Ausstellung im Kurparkschlösschen in Herrsching nachvollziehen. Wobei die Schau vor allem den privaten Künstlerfürsten erlebbar macht. Denn bei allen noch so vollen Auftragsbüchern hat sich dieser Workaholic in einer Tour Zeit genommen, seine Familie festzuhalten. Oft freilich auf das Wesentliche beschränkt, auf Gesichter und Gesten, auf Details wie ein modisches Blüschen oder ein Holzpferd, ein kurzes Schmollen, weil der Papa die kleine Gabriele gerade beim Spielen unterbrochen hat, oder das behutsame Wenden der Jüngsten auf dem Wickeltisch.

Ehefrau Lolo teilt Lenbachs Leidenschaft für die Kunst
Immer ist der Blick liebevoll, Lenbach muss ein hingebungsvoller Vater gewesen sein. Es hat ja auch lange gedauert, bis er in Charlotte von Hornstein, genannt Lolo, die passende Partnerin fand. Zumal die ausgebildete Malerin seine Leidenschaft teilte und ihm die Organisation des Ateliers abnahm. Die 1899 geborene Gabriele war dann noch das i-Tüpfelchen dieser Beziehung.

Enkel Reinhold Neven Du Mont hat das Familienarchiv geöffnet
Dass die Einblicke ins Familienarchiv nun gerade in Herrsching möglich werden, hat nicht zuletzt mit Lenbachs Tochter zu tun: Ihr Sohn Reinhold Neven Du Mont stellt Porträts, Skizzen und persönliche Familienbilder zur Verfügung. Der letzte, mittlerweile 90 Jahre alte Enkel des Malers lebt in Herrsching, und es gibt einen intensiven Austausch mit dem dortigen Kulturverein. Die Kunsthistorikern Catharina Geiselhart hat die Ausstellung kuratiert, und die mehr als 40 bislang nicht oder nur im kleinen Kreis gezeigten Werke von Franz von Lenbach“ dürften auch die Münchnerinnen und Münchner an den Ammersee locken.
Und wann sieht man den Künstler schon im Samtwams und mit Federbarett? Lenbachs Kostümfeste waren legendär, dass er bei der Verkleidung seinem Vorbild Tizian nacheiferte, hat Witz und zeugt sogar von Selbstironie.
„Entdeckungen - Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“, bis 8. November 2026 im Kurparkschlösschen Herrsching, Scheuermannstr. 3, Mo bis Fr, 14 -18, Sa und So 11 - 18 Uhr; Katalog 15 Euro. Reinhold Neven Du Mont liest am 24. Oktober 2026, 17 Uhr, aus seiner Erzählung „Es lebe die Kunst“; mehr auf www.kulturverein-herrsching.de
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