Die privaten Seiten des Franz von Lenbach

Künstlerfürst Lenbach war ein hingebungsvoller Papa und Ehemann - das zeigt eine Ausstellung in Herrsching
Christa Sigg |
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1903 hat Franz von Lenbach die kleine Gabriele mit einem Holzpferd gemalt.
Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann 4 1903 hat Franz von Lenbach die kleine Gabriele mit einem Holzpferd gemalt.
Franz von Lenbachs Selbstporträt im Profil entstand in den späten 1880er Jahren.
Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann 4 Franz von Lenbachs Selbstporträt im Profil entstand in den späten 1880er Jahren.
Lenbachs zweite Ehefrau Lolo beugt sich über Gabriele als Baby - im Jahr 1899.
Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann 4 Lenbachs zweite Ehefrau Lolo beugt sich über Gabriele als Baby - im Jahr 1899.
Franz von Lenbach hat in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre „Mutter und Kind“ mit flinker Hand skizziert.
Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Fotografie Martin Plüddemann 4 Franz von Lenbach hat in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre „Mutter und Kind“ mit flinker Hand skizziert.

Er hat die Reichen und die Schönen gemalt, natürlich auch die Mächtigen und die Einflussreichen wie Otto von Bismarck oder Richard Wagner, und man könnte diese Reihe noch eine Weile fortführen. Sich von Franz von Lenbach porträtieren zu lassen, war seit Mitte der 1870er Jahre schwer angesagt, dass er seine unzähligen Aufträge überhaupt geschafft hat, grenzt zeitweise an ein Wunder.

Franz von Lenbachs Selbstporträt im Profil entstand in den späten 1880er Jahren.
Franz von Lenbachs Selbstporträt im Profil entstand in den späten 1880er Jahren. © Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann

Lenbach konnte schnell porträtieren - dank Fotografien

Allerdings darf man nicht vergessen, dass der 1836 in Schrobenhausen geborene Künstler - am 13. Dezember ist das genau 190 Jahre her - perfekt organisiert war und äußerst ökonomisch gearbeitet hat. Langwierige Porträtsitzungen konnte Lenbach durch den Einsatz von Fotografien auf ein Minimum reduzieren. Das heißt, er hat sein Gegenüber im Atelier skizziert und fotografiert. Der erfahrene Maler wusste, welche Positionen er für die Ausarbeitung brauchte.

Franz von Lenbach hat in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre „Mutter und Kind“ mit flinker Hand skizziert.
Franz von Lenbach hat in der zweiten Hälfte der 1890er Jahre „Mutter und Kind“ mit flinker Hand skizziert. © Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Fotografie Martin Plüddemann

Mit wenigen Strichen ist das Wesentliche festgehalten

Diesen Prozess kann man jetzt in einer besonderen Ausstellung im Kurparkschlösschen in Herrsching nachvollziehen. Wobei die Schau vor allem den privaten Künstlerfürsten erlebbar macht. Denn bei allen noch so vollen Auftragsbüchern hat sich dieser Workaholic in einer Tour Zeit genommen, seine Familie festzuhalten. Oft freilich auf das Wesentliche beschränkt, auf Gesichter und Gesten, auf Details wie ein modisches Blüschen oder ein Holzpferd, ein kurzes Schmollen, weil der Papa die kleine Gabriele gerade beim Spielen unterbrochen hat, oder das behutsame Wenden der Jüngsten auf dem Wickeltisch.

Lenbachs zweite Ehefrau Lolo beugt sich über Gabriele als Baby - im Jahr 1899.
Lenbachs zweite Ehefrau Lolo beugt sich über Gabriele als Baby - im Jahr 1899. © Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann

Ehefrau Lolo teilt Lenbachs Leidenschaft für die Kunst

Immer ist der Blick liebevoll, Lenbach muss ein hingebungsvoller Vater gewesen sein. Es hat ja auch lange gedauert, bis er in Charlotte von Hornstein, genannt Lolo, die passende Partnerin fand. Zumal die ausgebildete Malerin seine Leidenschaft teilte und ihm die Organisation des Ateliers abnahm. Die 1899 geborene Gabriele war dann noch das i-Tüpfelchen dieser Beziehung.

1903 hat Franz von Lenbach die kleine Gabriele mit einem Holzpferd gemalt.
1903 hat Franz von Lenbach die kleine Gabriele mit einem Holzpferd gemalt. © Aus dem Privatbesitz Reinhold Neven Du Mont / Reproduktionen Martin Plüddemann

Enkel Reinhold Neven Du Mont hat das Familienarchiv geöffnet

Dass die Einblicke ins Familienarchiv nun gerade in Herrsching möglich werden, hat nicht zuletzt mit Lenbachs Tochter zu tun: Ihr Sohn Reinhold Neven Du Mont stellt Porträts, Skizzen und persönliche Familienbilder zur Verfügung. Der letzte, mittlerweile 90 Jahre alte Enkel des Malers lebt in Herrsching, und es gibt einen intensiven Austausch mit dem dortigen Kulturverein. Die Kunsthistorikern Catharina Geiselhart hat die Ausstellung kuratiert, und die mehr als 40 bislang nicht oder nur im kleinen Kreis gezeigten Werke von Franz von Lenbach“ dürften auch die Münchnerinnen und Münchner an den Ammersee locken.

Und wann sieht man den Künstler schon im Samtwams und mit Federbarett? Lenbachs Kostümfeste waren legendär, dass er bei der Verkleidung seinem Vorbild Tizian nacheiferte, hat Witz und zeugt sogar von Selbstironie.

„Entdeckungen - Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“, bis 8. November 2026 im Kurparkschlösschen Herrsching, Scheuermannstr. 3, Mo bis Fr, 14 -18, Sa und So 11 - 18 Uhr; Katalog 15 Euro. Reinhold Neven Du Mont liest am 24. Oktober 2026, 17 Uhr, aus seiner Erzählung „Es lebe die Kunst“; mehr auf www.kulturverein-herrsching.de

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