Die Ausstellung "Hund, Katze, Maus" in den Antikensammlungen

In den Staatlichen Antikensammlungen am Königsplatz stehen die Tiere im Mittelpunkt - allerdings erzählt das fast mehr noch über die Menschen
| Christa Sigg
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Einst floss Wasser durch das Maul des Löwen Wasserspeier, Ton, 4. Jh. v. Chr.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Einst floss Wasser durch das Maul des Löwen Wasserspeier, Ton, 4. Jh. v. Chr.
Maus mit Kuchenkrümel. Mäuse waren gefährliche Schädlinge, die die Kornvorräte dezimierten und mit ihrem Kot verunreinigten. Die Menschen versuchten ihre Zahl mit Hilfe von Schlangen klein halten. Hauskatzen wurden erst in römischer Zeit aus Ägypten eingeführt. Statuette einer Maus, Bronze, römisch.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Maus mit Kuchenkrümel. Mäuse waren gefährliche Schädlinge, die die Kornvorräte dezimierten und mit ihrem Kot verunreinigten. Die Menschen versuchten ihre Zahl mit Hilfe von Schlangen klein halten. Hauskatzen wurden erst in römischer Zeit aus Ägypten eingeführt. Statuette einer Maus, Bronze, römisch.
Zu Ehren der Götter haben sich die Opfernden mit Kränzen geschmückt. Das Voropfer ist vollzogen, das Feuer auf dem Altar brennt und nun soll das Schwein geschlachtet werden. Glockenkrater (Weinmischgefäß) des Prothos-Malers, Ton, um 420 v. Chr., aus Athen
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Zu Ehren der Götter haben sich die Opfernden mit Kränzen geschmückt. Das Voropfer ist vollzogen, das Feuer auf dem Altar brennt und nun soll das Schwein geschlachtet werden. Glockenkrater (Weinmischgefäß) des Prothos-Malers, Ton, um 420 v. Chr., aus Athen
Ein Opferdiener oder Metzger zerlegt mit einem Hackmesser eine Ziege. In dem großen Behälter am Boden fängt er das Blut auf. Lekythos (Gefäß für Olivenöl), Ton, 470-460 v. Chr., aus Athen.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Ein Opferdiener oder Metzger zerlegt mit einem Hackmesser eine Ziege. In dem großen Behälter am Boden fängt er das Blut auf. Lekythos (Gefäß für Olivenöl), Ton, 470-460 v. Chr., aus Athen.
Jagdhund mit Beutetier im Maul. Die Jagd war das beliebteste Freizeitvergnügen der Elite. Nur diese konnte es sich leisten, Zeit und Geld in die Ausbildung der nötigen Hunde zu investieren. Ein gut trainierter Hund war daher auch ein Statussymbol. Statuette eines Hundes aus Böotien, Ton, 5. Jh. v. Chr.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Jagdhund mit Beutetier im Maul. Die Jagd war das beliebteste Freizeitvergnügen der Elite. Nur diese konnte es sich leisten, Zeit und Geld in die Ausbildung der nötigen Hunde zu investieren. Ein gut trainierter Hund war daher auch ein Statussymbol. Statuette eines Hundes aus Böotien, Ton, 5. Jh. v. Chr.
Büchse mit Pferd auf dem Deckel als Griff. Pferde waren insbesondere in Griechenland sehr wertvoll und der Elite vorbehalten. Hier zeigt das Pferd den Status des Besitzers des kunstvoll bemalten Gefäßes, das der Aufbewahrung von Preziosen diente. Büchse mit Deckel aus Griechenland, Ton, 8. Jh. v. Chr.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Büchse mit Pferd auf dem Deckel als Griff. Pferde waren insbesondere in Griechenland sehr wertvoll und der Elite vorbehalten. Hier zeigt das Pferd den Status des Besitzers des kunstvoll bemalten Gefäßes, das der Aufbewahrung von Preziosen diente. Büchse mit Deckel aus Griechenland, Ton, 8. Jh. v. Chr.
Schweine waren beliebte Opfertiere. Terrakotta, 1. Hälfte 5. Jh. v. Chr., aus Athen.
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Schweine waren beliebte Opfertiere. Terrakotta, 1. Hälfte 5. Jh. v. Chr., aus Athen.
Schon die Griechen kannten Kamele als exotische Lasttiere für Wüstengebiete. Skyphos, Ton, um 550 v. Chr., Böotien
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, Renate Kühling 8 Schon die Griechen kannten Kamele als exotische Lasttiere für Wüstengebiete. Skyphos, Ton, um 550 v. Chr., Böotien

In den Staatlichen Antikensammlungen am Königsplatz stehen die Tiere im Mittelpunkt – allerdings erzählt das fast mehr noch über die Menschen

Mehr als 2000 Jahre liegen dazwischen. Und freilich hinken solche Vergleiche immer. Andererseits muss man unwillkürlich an den Superschlachter Tönnies denken, wenn jetzt in den Antikensammlungen am Königsplatz das Verhältnis der alten Griechen zu den Tieren so vielfältig und erhellend aufgedröselt wird.

Die Menschen zwischen Ithaka und Athen waren keineswegs Fleischverächter, sofern sie überhaupt an dieses fast schon luxuriöse Nahrungsmittel kamen. Aber das Schlachten wurde vorwiegend in eine kultische Handlung eingebunden, Götter und Priester hatten meistens mitzureden, und so schnell ging da nichts vorwärts. Das ist auf Vasen wie dem Glockenkrater, also einem Weinmischgefäß, des attischen Pothos-Malers (um 420 vor Jesus Christus) genau zu verfolgen. Und gleich der Ölbehälter daneben zeigt einen Opferdiener mit imposantem Hackmesser beim Zerlegen einer Ziege.

Dieses rituelle Töten will uns heute auch nicht mehr gefallen. Abgesehen davon wurde das Einverständnis des Tieres – beliebt waren vor allem Schweine – auf ziemlich fragwürdige Weise eingeholt: Der Priester besprengte das Vieh mit Wasser. Schüttelte es sich, deutete man das als Einverständnis, wenn nicht, musste die Opfer(Tortur) abgebrochen werden. Beim Fischfang und auf der Jagd galten naturgemäß andere Regeln, wer mit Hirschen anfängt zu verhandeln, sieht sie von hinten.

Doch dieses Innehalten, überhaupt das Schlachten eines Tiers minutiös zu kanonisieren, zeugt nicht zuletzt von einem Respekt, den man vor einem fertig panierten Schnitzel nicht zwingend entwickelt. Und was ständig und billig und in großen Mengen zu haben ist, sinkt eben auch im Wert und in der Wertschätzung. Im antiken Alltag ging es allerdings nicht immer ganz so bedächtig zu. Wenn Opfergemeinschaften nicht alles innerhalb weniger Tage verzehren konnten, kam ein Teil des Fleisches in den Handel. Der Erwerb war jedoch kostspielig.

Die Griechen dachten außerdem praktisch. Im Normalfall wurden Knochen und Fett durch ein Brandopfer an die Götter weitergereicht, Fleisch und Innereien verspeiste man lieber selbst und folgte dabei dem Rat des Titanen Prometheus – so sagt es der Mythos, der außerdem versichert, Zeus würde bei diesem satten Betrug ein Auge zudrücken.

Aber Nutztiere waren kostbar, das bezeugt allein die Tatsache, dass Reichtum gerne in Herdengrößen taxiert wurde. Hesiod, der dichtende Nebenerwerbslandwirt, nannte um 700 vor Jesus Christus drei Dinge, die jeder Mann für ein halbwegs geordnetes Leben brauche: ein Haus, eine Frau und einen Ochsen für die Feldarbeit. Pferde hatten auf dem Acker noch lange nichts zu suchen und sorgten stattdessen fürs Prestige. Eine Quadriga, ein Viergespann, konnten sich dabei nur die wirklich Vermögenden leisten.

„Hund, Katze, Maus“ lautet der Titel der 300 Objekte umfassenden Ausstellung – das waren in der Antike auch die Tiere, mit denen man gewöhnlich rund ums Anwesen zu tun hatte. Wobei man Mäuse selbstredend loswerden wollte, deshalb wurden kleine Figürchen in Vorratskammern aufgestellt. Wo schon eine Maus sitzt, kommt keine zweite, war man der Meinung. Doch das niedliche römische Bronzeexemplar aus dem 1. Jahrhundert vor Jesus Christus dürften seine lebenden Kollegen mindestens ignoriert haben. Schlangen waren im Kampf gegen die Nager schon schlagkräftiger, auch die hielt man sich ganz bewusst. Katzen wurden dagegen erst in römischer Zeit aus Ägypten eingeführt.

Fürs Sofa, das heißt, für die Kline, zog man Schoßhündchen vor, sofern der Wohlstand solche Kurzweil erlaubte. Kräftige oder schnelle Hunde wurden eher für die Jagd ausgebildet. Apportieren gehörte dann zu den klassischen Aufgaben, wie es ein schlichter Terrakotta-Hund aus Böotien mit einem Hasen (?) im Maul vermittelt (5. Jhd. v. Chr.). Und selbst die Treue findet Ausdruck in einer berührenden Marmorskulptur aus Salamis: Mit gesenktem Haupt hält ein Hund Wache an einem Grab und verweist damit auch auf die Trauer der Hinterbliebenen.

Ein wahrer Zoo tut sich dann in der Welt der Götter und Mythen auf. Zeus ist der große Verwandlungskünstler, als Stier oder als Schlange rückt er auserwählten Damen quasi inkognito auf die Pelle – gleich im Eingangsbereich wird man von einer ranken Leda samt Schwan empfangen. Und fast alle Vertreter des Olymps haben ihre tierischen Begleiter: Zeus’ Gemahlin Hera ziert ein Pfau, die sinnliche Aphrodite wird von Turteltäubchen umschwirrt, auch Delfine, Muscheln oder Hasen hat die Schaumgeborene im Schlepptau, und Artemis, die häufig mit einem Hirsch abgebildet ist, galt überhaupt als Herrin der Tiere.

Doch nur einer konnte es schließlich mit Löwen, fünfköpfigen Schlangen und Höllenhunden aufnehmen. Halbgott Herakles, Ergebnis eines Rendezvous zwischen Zeus und der sterblichen Alkmene, hat alles platt gemacht, was sich ihm in den Weg stellte. Hollywood könnte diesen Action-Heroe nicht besser erfinden. Bildhauer und Maler wurden jedenfalls nicht müde, seine unglaublichen Abenteuer festzuhalten. Dabei ging es keineswegs nur um den Mut des Helden, sondern genauso um das Unbezähmbare und das Lebensbedrohliche der wilden Natur.

Das Verhältnis von Mensch und Tier hat sich durchaus gewandelt, in den letzten hundert Jahren sicherlich stärker als in den fünf- bis zehntausend Jahren zuvor. Was davon zu halten ist? Auch darüber kann man in den Antikensammlungen ausgiebig nachdenken.

"Hund, Katze, Maus", bis 10. Januar, Di bis So 10 bis 17, Mi bis 20 Uhr. Zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Broschüre erschienen (88 Seiten, 3 Euro)

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