Der Salzburger Mozart-Schwund und das Finanzamt

Der durch seine Gartenzwerge vor dem Nationaltheater berühmt gewordene Konzeptkünstler Ottmar Hörl hat Mozartfiguren im Salzburger Mirabellgarten aufgestellt. Bereits ein Drittel der Figuren sind schon wieder verschwunden.
Robert Braunmüller |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen

Spätestens seit den Gartenzwergen von 1998 am Max-Joseph-Platz dürfte der Künstler Ottmar Hörl einen gewissen Schwund bei seinen massenhaft aufgestellten Plastikfiguren einkalkulieren. Es gehört zum Ritual dieser mittlerweile durch unzählige Wiederholungen mit Bären und Dürerhasen verschlissenen Konzeptkunst-Aktion, dass zur allgemeinen Überraschung einzelne Figuren verschwinden und der Künstler bei der Polizei Anzeige erstattet.

Mitte Juli hat Hörl 320 goldene Plastik-Mozarts im Salzburger Mirabellgarten aufgestellt. Nun seien es nur noch 234, meldet die österreichische Tageszeitung „Der Standard“. Bereits 86 Skulpturen aus Kunststoff seien in der Nacht gestohlen worden, sagte die Sprecherin der Internationalen Stiftung Mozarteum – ein Schwund um ein Drittel.

„Manchmal fehlt in der Früh ein Mozart, manchmal sind es zwei oder drei“, zitiert das Blatt Linus Klumpner, den Geschäftsführer der Stiftung Mozarteum. Er appelliert die Diebe zur Zurückhaltung: „Es wäre wirklich schön, wenn Besucher, die im August noch nach Salzburg kommen, um die Installation zu sehen, auch wirklich noch Mozarts vorfinden.“ Die Stiftung erhalte sensationelle Resonanz aus der ganzen Welt zur goldenen Mozart-Installation, viele Besucher würden angeblich extra deswegen nach Salzburg reisen.

Probleme mit dem Finanzamt

Ob dieser Appell fruchtet? Die Stiftung Mozarteum will keine Anzeige erstatten, Hörl hat das nach Angaben der „Salzburger Nachrichten“ hingegen bereits getan - wie 2023 in Bayreuth. Damals erklärte Hörl dem Bayerischen Rundfunk, dass die Annahme naiv sei, dass bei allen Projekten im öffentlichen Raum nichts wegkäme. Er sei allerdings gezwungen, Anzeige zur erstatten, weil andernfalls das Finanzamt annähme, er habe die Skulpturen veräußert.

Das tut Hörl ohnehin: 90 Euro kostet ein goldener Plastik-Mozart auf seiner Homepage. Auch die im Mirabellgarten ausgestellten Figuren sind im Angebot. Das Kontingent sei bereits ausreserviert, heißt es. Alle Figuren können ohnehin nicht geklaut werden, weil sie teilweise auch im Museumsbereich des Mozarteums herumstehen.

Aber massenhaft produzierte Kunst aus Plastik hat einen Vorteil: Sie lässt sich mühelos nachproduzieren.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.