Der Maler Max Feldbauer

Am liebsten hat Max Feldbauer Rösser gemalt - und herbe Damen vom Land
| Christa Sigg
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Max Feldbauer: Liegende Akte (1924).
Gemäldegalerie Dachau 3 Max Feldbauer: Liegende Akte (1924).
Max Feldbauer: Pferde im Stall (1924).
Gemäldegalerie Dachau 3 Max Feldbauer: Pferde im Stall (1924).
Gemäldegalerie Dachau 3

Am liebsten hat Max Feldbauer Rösser gemalt - und herbe Damen vom Land

Der Charme der Tegernseerin ist überschaubar. Für ihren Quadratschädel kann sie eh nix, und vielleicht war der jungen Frau mit der weißen Schürze das Modellsitzen auch nicht geheuer. Es wird ja allerhand erzählt von diesen Künstlern. Und auch die Sennerin schaut ziemlich skeptisch.

Bei der rotwangigen Frau mit Strohhut geht das Kinn gleich ohne große Zäsuren in den Hals über – Grazie ist was anderes. Aber dafür sind diese Weibsbilder so wunderbar unverstellt, so bodenständig und ehrlich, dass man sie einfach gut finden muss. Kurios ist das, denn die Maler um 1900 haben allzu gerne elegante, kokette Damen auf die Leinwand gebracht, die uns mal züchtig, mal lasziv entgegen blicken. Nur: Max Feldbauer (1869-1948) aus Neumarkt war dieses Tandaradei zuwider, bloß keine Lieblichkeiten!

Ein jovialer Kerl

Oberpfälzer halt, werden sich die kunstsinnigen Münchner gedacht haben. Und dann hat dieser jovial auftretende Kerl auch noch am liebsten Rösser gemalt, kaltblütige Brauereigespanne, Apfelschimmel, sein Reitpferd Elster. Doch gerade die Tiermalerei kam zur Zeit des Prinzregenten an bei den Leuten, und überhaupt war der junge Mann bald nach dem Akademiebesuch gut im Geschäft. Er zeichnete für die Zeitschrift „Jugend“ und unterrichtete ab 1902 an der Damenakademie. Dazu kamen immer erfolgreichere Ausstellungen in ganz Deutschland, so dass er bald in Dachau auf dem Giglberg eine feudale Villa in Auftrag geben konnte. Grund genug, ihn in der Nähe, in der Gemäldegalerie, nun fast siebzig Jahre nach seinem Tod mit einer sehenswerten Ausstellung zu würdigen.

Durchaus selbstbewusst tritt einem der fast kahlköpfige stattliche Mann mit seinem Schnäuzer auf einem alte Foto entgegen, und der Begriff Malerfürst ist sicher nicht verkehrt, wenngleich Feldbauer fern jeder Salonhaftigkeit agiert hat. Immer war da dieses Zupackende, der breite kräftige Pinselstrich, der etwas faszinierend Energiegeladenes, aber auch etwas Grobes hat.

Mit fitzeligen Details mochte er sich nicht aufhalten, weder bei seinen geliebten Pferden – und da läuft er meistens zur Hochform auf – und schon gar nicht bei den Akten, die zuweilen wie Fleischhügel in ihre ungefähre Umgebung geworfen sind. Kein aufreizender Blick, keine lockende Geste kommt von diesen Frauen, die mit ihrer Nacktheit wenig anzufangen wissen. Man liegt versonnen im Gras, mehr braucht’s nicht um sich eine ländliche Idylle zu schaffen.

Er wollte so gern Nazi sein

Schnell hingeworfen wirkt das alles, ob Feldbauer nun anfangs noch vom Impressionismus beeinflusst ist, dann immer mehr der Farbe vor der Form den Vorzug gibt oder zwischendurch mit fast schon ins Abstrakte driftenden Flächen experimentiert, um sich später doch wieder auf eine eher konservative Schiene zu begeben. Doch der Künstler schreibt selbst, dass er an seinen „Sachen lange herumdoktert“. Indes, der Einsatz lohnt sich, seine Werke verkaufen sich bestens, und mit der Professur 1916 in München und ab 1918 in Dresden, wo er auch noch Präsident der Akademie wird, rückt außerdem eine gewisse Sicherheit in sein Leben.

Dass Feldbauer sich in den 1930er Jahren dann den Nazis andient, mag man nicht so recht verstehen. Er versucht, der Partei beizutreten, wird allerdings abgelehnt. Seine Malerei sei „französisch gesinnt“, tatsächlich wirken die Bilder aus jener Zeit krampfig, weder die Landschaften, noch sein Personal können so recht überzeugen.

1933 entsteht etwa das diffuse Porträt eines „Totenkopfhusaren“. Vergebliche Liebesmüh‘, die Nazis mochten Feldbauers Kunst einfach nicht, die den Eigenwert der Farbe so kraftvoll zelebriert hatte und zuweilen deutlich expressive Züge trug.

1934 geht er in den Ruhestand und kann dem ungeliebten „Saunest“ Dresden endlich den Rücken kehren. Doch zurück in München giert der ehrgeizige Herr Professor weiter nach der Gunst der braunen Machthaber, und 1937 gelingt ihm schließlich doch der Eintritt in die NSDAP. 1944 schafft es der inzwischen 75-Jährige sogar noch auf die Liste der „Gottbegnadeten“, also der wichtigsten Künstler des Staates.

Die Eitelkeiten eines früh zu Ruhm Gekommenen wurden da befriedigt. Und man reibt sich die Augen. Denn diese Anbiederung passt so gar nicht zu Feldbauer und einer Kunst, die bis in die 30er Jahre vor allem herzhaft, gradheraus und selbstgewiss daher kommt.

Gemäldegalerie Dachau, bis 28. Februar, Di bis So 11 bis 17, Sa und So 13 bis 17 Uhr, Tel. 08131-56750

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