Interview

Das Dorotheum wird zum Raubtierkäfig

Glitzernde Panther dominieren am Dienstag das Dorotheum am Hofgarten. Was es mit den legendären Katzen von Cartier auf sich hat und woran man hochwertigen Schmuck erkennt, erklärt der Experte Carl Philipp von Weitzel
Autorenprofilbild Christa Sigg
Christa Sigg
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Kaum ein Motiv ist so eng mit Cartier verbunden wie der Panther, und die Liste seiner prominenten Fans wird immer länger. Der Brillant-Armreif (Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro) stammt aus einer hochkarätigen deutschen Sammlung und wird mit 99 weiteren Stücken - darunter auch Schmuck von Bulgari sowie Hermès Birkin-Taschen - im Oktober im Dorotheum Wien versteigert. Am Dienstag sind die Preziosen in München ausgestellt.
Dorotheum 5 Kaum ein Motiv ist so eng mit Cartier verbunden wie der Panther, und die Liste seiner prominenten Fans wird immer länger. Der Brillant-Armreif (Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro) stammt aus einer hochkarätigen deutschen Sammlung und wird mit 99 weiteren Stücken - darunter auch Schmuck von Bulgari sowie Hermès Birkin-Taschen - im Oktober im Dorotheum Wien versteigert. Am Dienstag sind die Preziosen in München ausgestellt.
Der Schmuckexperte Carl Philipp von Weitzel-Mudersbach (32) hat in Göttingen und St. Andrews Kunstgeschichte studiert. Nach Stationen bei Van Ham und Lempertz wechselte er 2024 zum Auktionshaus Dorotheum.
Dorotheum 5 Der Schmuckexperte Carl Philipp von Weitzel-Mudersbach (32) hat in Göttingen und St. Andrews Kunstgeschichte studiert. Nach Stationen bei Van Ham und Lempertz wechselte er 2024 zum Auktionshaus Dorotheum.
Immer geschmückt, immer aus der obersten Juwelenschublade: Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, mit ihrem späteren Ehemann Edward. Aus Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson verzichtete König Edward VIII. 1936 auf den englischen Thron.
dpa / epa PA 5 Immer geschmückt, immer aus der obersten Juwelenschublade: Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, mit ihrem späteren Ehemann Edward. Aus Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson verzichtete König Edward VIII. 1936 auf den englischen Thron.
Immer im Zeichen der Raubkatze - hier ein Brillant-Armreif aus der Panthère-Kollektion, Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro.
Dorotheum 5 Immer im Zeichen der Raubkatze - hier ein Brillant-Armreif aus der Panthère-Kollektion, Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro.
Besonders begeht sind außergewöhnliche Rubine: Cartier Diamant-Ring mit mit einem unbehandelten Vietnam-Rubin geht mit einem Schätzwert zwischen 60.000 und 120.000 Euro in die Oktober-Auktion.
Dorotheum 5 Besonders begeht sind außergewöhnliche Rubine: Cartier Diamant-Ring mit mit einem unbehandelten Vietnam-Rubin geht mit einem Schätzwert zwischen 60.000 und 120.000 Euro in die Oktober-Auktion.

Seit 1914 schleicht der Panther durch die Juweliergeschäfte, und die Liste seiner berühmten Trägerinnen wird immer länger. Mittlerweile ist die Raubkatze bei Taylor Swift angekommen. Als Anhänger. Am 22. Oktober 2026 versteigert das Dorotheum in Wien eine bedeutende deutsche Privatsammlung, in der die Panthère-Kollektion von Cartier eine besondere Rolle spielt. Am Dienstag sind die Objekte in der Münchner Dependance zu sehen. Mit dem Schmuckexperten des Auktionshauses hat die AZ über Kashmir-Saphire und getunte Diamanten, über Kultobjete und Ringe aus Popcornschachteln gesprochen.

Der Schmuckexperte Carl Philipp von Weitzel-Mudersbach (32) hat in Göttingen und St. Andrews Kunstgeschichte studiert. Nach Stationen bei Van Ham und Lempertz wechselte er 2024 zum Auktionshaus Dorotheum.
Der Schmuckexperte Carl Philipp von Weitzel-Mudersbach (32) hat in Göttingen und St. Andrews Kunstgeschichte studiert. Nach Stationen bei Van Ham und Lempertz wechselte er 2024 zum Auktionshaus Dorotheum. © Dorotheum

AZ: Herr von Weitzel-Mudersbach, die großen Auktionshäuser werden über spektakuläre Gemälde und Rekordversteigerungen wahrgenommen. Wie steht es um den Schmuck?

CARL PHILIPP VON WEITZEL: Schmuck ist heute weit mehr als ein Luxusaccessoire. Spitzenstücke werden als Sammlerobjekte, als Kunstwerke, historische Zeugnisse und teilweise als Anlageobjekte verstanden. Da spielen Auktionshäuser eine zentrale Rolle, weil sie Preise sichtbar machen, Expertise bereitstellen und Käufer und Verkäufer zusammenbringen.

 

Was ist aktuell besonders gefragt?

Derzeit sind das seltene Farbedelsteine, außergewöhnliche farbige Diamanten, historischer Schmuck renommierter Häuser wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Bulgari und Hemmerle und immer auch Schmuckstücke mit bedeutender Provenienz. Farbige Diamanten sind extrem selten und deshalb besonders begehrte Sammlerobjekte.

Immer im Zeichen der Raubkatze - hier ein Brillant-Armreif aus der Panthère-Kollektion, Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro.
Immer im Zeichen der Raubkatze - hier ein Brillant-Armreif aus der Panthère-Kollektion, Schätzwert zwischen 20.000 und 40.000 Euro. © Dorotheum

Glas ist nicht teuer, aber René Lalique hat daraus Millionen gezaubert

Welche Rolle spielt der Materialwert in Relation etwa zur Gestaltung?

Der Materialwert bildet oft die Wertuntergrenze, während ikonisches Design, Provenienz, Seltenheit und historische Bedeutung den eigentlichen Sammlerwert bestimmen können. Je stärker ein Schmuckstück als Kunst- und Kulturobjekt wahrgenommen wird, desto weiter kann sich sein Marktwert vom reinen Materialwert entfernen. René Lalique ist da ein schönes Beispiel: Nicht der Werkstoff Glas bestimmt den Preis, sondern die Verbindung aus ikonischem Design, künstlerischer Innovation, Seltenheit und Provenienz.

Immer geschmückt, immer aus der obersten Juwelenschublade: Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, mit ihrem späteren Ehemann Edward. Aus Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson verzichtete König Edward VIII. 1936 auf den englischen Thron.
Immer geschmückt, immer aus der obersten Juwelenschublade: Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, mit ihrem späteren Ehemann Edward. Aus Liebe zu der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson verzichtete König Edward VIII. 1936 auf den englischen Thron. © dpa / epa PA

Sie haben Stücke aus der legendären Panthère-Kollektion im Angebot, die man sofort mit Cartier verbindet. Was hat es mit dieser Linie auf sich?

Der Panther ist erstmals 1914 auf einer Cartier-Uhr aufgetaucht. Seit den 1930er-Jahren hat die damalige Kreativdirektorin Jeanne Toussaint die Raubkatze zu einer dreidimensionalen Ikone entwickelt. Berühmt geworden sind die naturalistisch gestalteten Panthère-Schmuckstücke mit Diamanten, Onyx, Smaragden und Rubinen. Und es gab prominente Trägerinnen wie die Herzogin von Windsor, Wallis Simpson, für die Cartier viele spektakuläre Stücke schuf. Auch die Schauspielerinnen Maria Félix und Elizabeth Taylor trugen bedeutenden Cartier-Schmuck.

Ein besonderer Entwurf reißt es raus

Wie erkennt man Qualität?

Entscheidend sind Material, Verarbeitung, Proportionen und handwerkliche Ausführung: Sind die Edelsteine von hoher Qualität und möglichst unbehandelt? Sind die Fassungen präzise gearbeitet, die Oberflächen sauber und die Steine sicher gefasst? Ebenso wichtig sind Design, Alter, Seltenheit und Provenienz. Gerade bei Schmuckstücken ohne Label kann ein außergewöhnlicher Entwurf handwerklich und künstlerisch genauso von Interesse sein wie ein bekanntes Markenstück.

Besonders begeht sind außergewöhnliche Rubine: Cartier Diamant-Ring mit mit einem unbehandelten Vietnam-Rubin geht mit einem Schätzwert zwischen 60.000 und 120.000 Euro in die Oktober-Auktion.
Besonders begeht sind außergewöhnliche Rubine: Cartier Diamant-Ring mit mit einem unbehandelten Vietnam-Rubin geht mit einem Schätzwert zwischen 60.000 und 120.000 Euro in die Oktober-Auktion. © Dorotheum

Man hört, am Dorotheum wird besonders genau untersucht. Betrifft das sämtlichen Schmuck?

Ja, das ist ein festes und konsequentes Prozedere - unabhängig davon, aus welcher Sammlung oder welchem Vorbesitz ein Stück stammt. Gerade die Gemmologie spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir untersuchen die Edelsteine nicht nur auf ihre Qualität, sondern auch darauf, ob und wie sie behandelt wurden. Denn Behandlungen sind im Schmuckbereich grundsätzlich nichts Ungewöhnliches und auch nicht automatisch wertmindernd. Bei Saphiren und Rubinen beispielsweise ist eine Wärmebehandlung eine etablierte und akzeptierte Praxis, ebenso wird bei Smaragden traditionell mit Öl oder anderen Füllsubstanzen gearbeitet. Entscheidend ist, dass das dokumentiert und bei der Bewertung berücksichtigt wird.

Wenn Diamanten schwitzen, werden sie schöner

Wie können Diamanten „getunt“ werden?

Neben klassischen Behandlungen gibt es Verfahren wie Bestrahlung oder Hochdruck-Hochtemperatur-Behandlung. Damit kann etwa die Farbe verändert werden. Solche Eingriffe müssen zuverlässig erkannt und entsprechend ausgewiesen werden. Gerade weil die Behandlungsmöglichkeiten immer vielfältiger und die Fälschungen immer professioneller werden, ist eine saubere gemmologische Untersuchung heute wichtiger denn je. Am Ende geht es um Transparenz.

Ihr bisher aufregendstes Stück?

Auch wenn wir noch teurere Stücke in den Auktionen hatten, ist für mich die Rozet-&-Fischmeister-Diamantbrosche mit dem 18,695-karätigen, unbehandelten Kashmir-Saphir aus der Mai-Auktion ein wirkliches Highlight. Kashmir-Saphire gehören zu den seltensten und begehrtesten Saphiren überhaupt. Berühmt sind sie für ihr intensives, samtiges Kornblumenblau. Dazu kamen bei der um 1880 gefertigten Brosche rund 15 Karat Diamanten.

Audrey Hepburn glänzt auch mit einem Blechring

Haben das die Bieter auch honoriert?

Das Stück war mit 400.000 bis 600.000 Euro geschätzt und erzielte schließlich 779.002 Euro. Das zeigt sehr schön, weshalb außergewöhnlicher Schmuck weit über seinen reinen Materialwert hinausgehen kann.

Dabei geht es auch sehr günstig, wie Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ nicht ganz freiwillig demonstriert.

Richtig! Die berühmte Szene vor dem Schaufenster von Tiffany & Co. hat gerade deshalb eine solche Wirkung, weil sie zeigt: Schmuck muss nicht zwangsläufig unbezahlbarer Luxus sein, um Emotion und Stil zu vermitteln. Entscheidend ist, was ein Stück ausstrahlt und welche Geschichte man damit verbindet. Bei Holly Golightly war es am Ende ein Blechring aus der Popcornschachtel. Allerdings mit Tiffany-Gravur.

Dorotheum München: „Von Cartier bis Hermès - 100 Highlights einer bedeutenden deutschen Kollektion“, am Dienstag, 16. September 2026, 10 bis 17 Uhr, Galeriestraße 2, www.dorotheum.com

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.