Brotlos ist die Kunst in Bayern

„Wir lassen niemanden im Stich“, hatte Söder im März gesagt, Künstler aber haben davon noch überhaupt nichts gespürt
| Volker Isfort
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Carl Spitzweg malte drei Fassungen seines „Armen Poeten“. Eines hängt in der Neuen Pinakothek in München, die anderen in Berlin und Nürnberg.
Archiv Carl Spitzweg malte drei Fassungen seines „Armen Poeten“. Eines hängt in der Neuen Pinakothek in München, die anderen in Berlin und Nürnberg.

Man weiß, dass Markus Söder in seiner Jugend unter einem Poster von Franz Josef Strauß schlief, seinem politischen Idol. Vielleicht hing in seinem Jugendzimmer auch ein Poster von Spitzwegs "Armen Poeten", jedenfalls scheint der brotlose Künstler eine Art Idealvorstellung des Ministerpräsidenten zu sein. Seit Wochen schlagen Verbände der freiberuflichen Künstler Alarm, bleiben bislang aber ungehört.

Kein Rettungsschirm ist gespannt für Schauspieler ohne Auftritte, Musiker ohne Gagen, Schriftsteller, denen die bezahlten Lesungen wegbrechen oder Kabarettisten, die allenfalls im Netz ihr Klagelied anstimmen können. Das Netzwerk FreieSzene München, das aktuell 118 Einzelkünstler und Künstlerinnen, Ensemble und Häuser in München vertritt, beziffert den Einkommensausfall auf 438 000 Euro, aber Verdienstausfälle werden in Bayern nicht durch die Soforthilfe abgedeckt.

Das Netzwerk fordert unter anderem ein bedingungsloses Notstipendium in Höhe von monatlich einem Zwölftel des bei der Künstlersozialkasse gemeldeten Jahreseinkommens. Denn für viele steht die nackte Existenz auf dem Spiel, da bislang ja noch nicht einmal darüber diskutiert wird, wann es wieder Kulturveranstaltungen vor zahlendem Publikum geben könnte. "Wir lassen niemanden im Stich", hatte Söder im März gesagt, die freien Künstler aber haben davon noch überhaupt nichts gespürt.

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