Auktionshaus Nusser: Gute Klassiker gehen immer

Ein Farbholzschnitt von Hiroshige oder doch lieber eine Kette mit Wikingerschiff? Im Auktionshaus Nusser findet man Kunstvolles und auch mal Schräges. Heute, am 27. Oktober, ist Versteigerung, ab 30. Oktober kann man sich beraten lassen - diesmal sogar in Tegernsee
von  Christa Sigg
Zwei köstliche Wackelpagoden aus der Zeit um 1880. Beide sind vollbeweglich.
Zwei köstliche Wackelpagoden aus der Zeit um 1880. Beide sind vollbeweglich. © Seidenabel/Nusser

An der Belgradstraße 5 wimmelt es vor Neugierigen. Manche machen sich Notizen, andere fotografieren. Was einem in den eigenen vier Wänden äußerst unangenehm wäre, verfolgt Christiane Plininger mit einem Lächeln. Kurz vor einer Auktion ist das bei Nusser der Normalfall. Und je größer das Interesse der Leute, desto besser, findet die Geschäftsführerin.

AZ: Frau Plininger, neben uns steht ein komplettes Meissner Service mit dem klassischen „Roten Drachen“, hinter Ihnen hängen drei Pop-Art-Lithografien von Jim Dine. Die Bandbreite ist ziemlich groß.

CHRISTIANE PLININGER: Aber ja, das macht das Auktionshaus Nusser aus. Sie könnten sich bei uns einrichten - vom Schrank bis zu den Weingläsern und zu den Gemälden an den Wänden. Und Sie würden auch noch gut geschmückt durch die Ladentür nach Hause gehen. Doch im Ernst, auf uns kommt sehr Unterschiedliches zu, wir haben aber auch für alle Bereiche die Expertinnen und Experten. Anders wäre das nicht machbar und auch nicht seriös.

Christiane Plininger ist gelernte Versicherungskauffrau, aber schon seit weit über 30 Jahren im Auktionsgeschäft tätig, seit zwei Jahren Geschäftsführerin bei Nusser. Die Münchnerin hat ihre Schmuckexpertise durch eine Diamanten- und Edelsteinausbildung in Idar-Oberstein und Pforzheim vertieft.
Christiane Plininger ist gelernte Versicherungskauffrau, aber schon seit weit über 30 Jahren im Auktionsgeschäft tätig, seit zwei Jahren Geschäftsführerin bei Nusser. Die Münchnerin hat ihre Schmuckexpertise durch eine Diamanten- und Edelsteinausbildung in Idar-Oberstein und Pforzheim vertieft. © Seidenabel/Nusser

Am Wochenende kommt die Schmuckexpertin von „Bares für Rares“

Was ist momentan besonders gefragt?

Designklassiker gehen gut, jetzt auch wieder Möbel aus den 1950er Jahren. Ein schöner Altmeister oder Gutes aus der Münchner Schule ist genauso gefragt. Und natürlich Edelmetall, also Schmuck. Der wird zu allen Zeiten getragen und der Materialwert sinkt ja im Normalfall auch nicht unter eine bestimmte Grenze. Momentan sind der Gold- und der Silberpreis ganz ordentlich. Man hat also auch noch einen ganz reellen Gegenwert.

Dann wird Heide Rezepa-Zabel am Wochenende bei den Expertentagen sehr gefragt sein?

Das gilt als sicher. Sie lebt für den Schmuck, das Publikum kennt Heide Rezepa-Zabel aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“. Egal wie sehr es ins Detail geht - ihre Expertise ist immer unterhaltsam. Ob sie nun im Fernsehstudio sitzt oder bei uns an der Belgradstraße. Und diesmal auch in Tegernsee.

Das ist neu?

Ja, wir haben die Gelegenheit, diesen Freitag im historischen Stieler-Haus, Räume zu nutzen. Das hat noch mal einen besonderen Charme, und wir sind mit Experten aus allen Bereichen vertreten. Im Münchner Stammhaus konzentrieren wir uns dann am Samstag auf den Schmuck.

Zwei köstliche Wackelpagoden aus der Zeit um 1880. Beide sind vollbeweglich.
Zwei köstliche Wackelpagoden aus der Zeit um 1880. Beide sind vollbeweglich. © Seidenabel/Nusser

Von Wackelpagoden bis zum Wikingerschiff ist alles geboten

Sie haben aktuell aber kein Porträt vom Maler der angehimmelten Schönheiten König Ludwigs I. in der Auktion?

Diesmal leider nicht. Wir hatten tatsächlich in der letzten Auktion eine Zeichnung von Stieler, ein Kinderbildnis, und eine Skizze des Porträts von Prinz Gustav von Wasa, das heute in der Staatlichen Kunstsammlung in Dresden hängt.

Feinster Jugendstil mit fernöstlichem Touch: Diese Kameevase mit Hortensien-Dekor aus der Werkstatt Émile Gallés startet bei 250 Euro.
Feinster Jugendstil mit fernöstlichem Touch: Diese Kameevase mit Hortensien-Dekor aus der Werkstatt Émile Gallés startet bei 250 Euro. © Nusser/Seidenabel

Sie veranstalten acht Auktionen im Jahr, am heutigen Dienstag um 15 Uhr geht’s wieder los. Welche Lose sind besonders interessant?

Da wäre eine herrliche Kamee-Vase mit Hortensien-Dekor von Gallé. Dann ein Wackelpagoden-Pärchen aus der Zeit um 1880 mit K.P.M.-Stempel, hergestellt in einer kleinen thüringischen Manufaktur. Voll beweglich übrigens. Ein Armreif mit farbig emaillierten Drachenköpfen fällt sofort ins Auge. Auch wegen der kleinen Rubin- und Smaragdcabochons und den kleinen Diamanten. Etwas Besonderes ist auch die Goldkette mit sieben Anhängern - vom Wikingerschiff bis zum Elefanten. Oder ein über 80-teiliges Silberbesteck für 18 Personen mit einem englischen Königsmuster in den originalen Holzschatullen.

Exquisites Porzellan gibt es schon für wenig Geld

Sie haben viel namhaftes Porzellan dabei.

Oh ja, und wenn Sie sich für ein schönes klassisches Service interessieren, ist das mittlerweile leicht finanzierbar. Diesmal kommt ein wunderbar bemaltes 6-Personen-Service einer bedeutenden Manufaktur mit 500 Euro zum Aufruf. Komplett und wie neu. Wenn Sie die Terrine im Handel kaufen, kostet die allein 3000 Euro.

Von Hippolyt Ludwig von Klenze stammt diese „Mondnacht“ in den Bergen, möglicherweise am Walmendinger Horn.
Von Hippolyt Ludwig von Klenze stammt diese „Mondnacht“ in den Bergen, möglicherweise am Walmendinger Horn. © Seidenabel/Nusser

Und bei den Gemälden?

Von Hippolyt Ludwig von Klenze haben wir eine bemerkenswerte Bergansicht mit einem starken Licht- und Schattenspiel. Hippolyt war der Enkel des Architekten. Oder eine Dorfszene von Johann Gottlieb Hantzsch aus der Dresdner Schule. Dann gäbe es noch japanische Farbholzschnitte, darunter von Hiroshige eine Ansicht aus den 53 Stationen des Tokaido aus den 1830er Jahren. Er war noch völlig unbekannt, aber mit dieser Serie hat sich Hiroshige einen Namen als Landschaftskünstler gemacht.

Das internationale Auktionspublikum wächst

Wer bietet - und wo?

Früher saßen mindestens 100 Leute im Auktionssaal, heute sind es vielleicht noch 20. Die meisten bieten von zu Hause aus, das heißt, online oder übers Telefon. Oder sie lassen sich bei bestimmten Objekten anrufen. Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Mittlerweile machen die internationalen Verkäufe mehr als die Hälfte aus.

Gibt es da Unterschiede?

Wir verkaufen viel nach England, da sind bunte Edelsteine sehr gefragt. In Deutschland wiederum die größeren Brillanten. Ausgefallenes Design kommt in Italien gut an.

Bieten geht inzwischen ziemlich einfach

Wie funktioniert das Bieten?

Sämtliche größeren Auktionshäuser sind inzwischen mit ihrem Katalog bzw. Angebot an ein Portal angeschlossen. Wir arbeiten hauptsächlich mit Lot-tissimo, außerdem gibt es noch das französische Portal Drouot. Auch das internationale Publikum kann also ganz einfach auf unseren Katalog zugreifen. Wenn Sie auf unserer Webseite das Objekt anklicken, das Sie interessiert, sehen Sie sämtliche Fotos und die Beschreibungen. Sie können dann problemlos über Lotissimo live bieten - oder mit einem Maximalgebot direkt über uns als sogenannter schriftlicher Bieter oder eben durch einen Anruf.

Wer viel sieht, bekommt auch einen Blick für Qualität

Was raten Sie Einsteigern?

Man kann heute natürlich problemlos online loslegen. Bei den Vorbesichtigungen kommt man dagegen leicht ins Gespräch mit unseren Experten. Die beraten unkompliziert. Ich glaube, unsere Stammkunden schätzen diesen persönlichen Kontakt sehr. Und dann hilft einfach: viel schauen! Mit der Zeit bekommt man schon einen guten Blick und ein Gespür für die Dinge. Das Entscheidende ist aber, dass einem ein Bild, ein Armreif, eine Vase zusagt.

Auktionshaus Nusser, 421. Auktion: 27. Oktober 2026 , ab 15 Uhr, sämtliche Lose auf der Webseite, Nachverkauf am Mittwoch, ab 14 Uhr
Schmuckexpertentage: Tegernsee, Stieler-Haus, Seestraße 74, Freitag, 30. Oktober 2026; am Samstag, 31. Oktober, in München, Belgradstraße 5, jeweils 10 bis 17 Uhr, Anmeldung (mit Zeitfenster) und Information auf www.nusser-auktionen.de

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