Auf der Kunstmesse Artmuc zählt die Vielfalt

Am Freitag beginnt in München die Herbstausgabe der Artmuc im MTC - mit mehr als 200 internationalen Künstlern, Galerien und Kollektiven sowie raffinierten Dialogen aus dem fernen Osten
Christa Sigg |
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„Erzähl mir mehr“ lautet der Titel dieser aktuellen Acryl-Arbeit von Waltraud Morawitz.
Waltraud Morawitz /Artmuc 6 „Erzähl mir mehr“ lautet der Titel dieser aktuellen Acryl-Arbeit von Waltraud Morawitz.
Von Ulrike und Günter Balkau stammt der „Monkey“ von 2025.
Balkau / Artmuc 6 Von Ulrike und Günter Balkau stammt der „Monkey“ von 2025.
Was ist da nur passiert? Der italienische Fotograf Christian Basetti erkundet verlassene Orte und Bauten und nennt seite Arbeiten „Forgotten Art-chitectures“.
Christian Basetti / Artmuc 6 Was ist da nur passiert? Der italienische Fotograf Christian Basetti erkundet verlassene Orte und Bauten und nennt seite Arbeiten „Forgotten Art-chitectures“.
So kann man die Lockenwickler natürlich auch anbringen. Der Abstand zur Trockenhaube ist dann nicht so groß, das spart sicher Energie... Achim Weinberg aus Nürnberg denkt sich Lockenwickler-Kunst aus.
Achim Weinberg / Artmuc 6 So kann man die Lockenwickler natürlich auch anbringen. Der Abstand zur Trockenhaube ist dann nicht so groß, das spart sicher Energie... Achim Weinberg aus Nürnberg denkt sich Lockenwickler-Kunst aus.
Der Fotograf Jens Winkler porträtiert Tiere, und zwar so ernsthaft wie das Künstler mit Menschen tun. Ob das Schaf das zu würdigen weiß?
Jens Winkler / Artmuc 6 Der Fotograf Jens Winkler porträtiert Tiere, und zwar so ernsthaft wie das Künstler mit Menschen tun. Ob das Schaf das zu würdigen weiß?
Cordula Dobes kleiner Bronze-Elefant sollte problemlos in ein Wohnzimmer passen. Nur so als Idee.
Cordula Dobes / Artmuc 6 Cordula Dobes kleiner Bronze-Elefant sollte problemlos in ein Wohnzimmer passen. Nur so als Idee.

Raiko Schwalbe ist in einer Tour am Netzwerken. Anders bekommt man ein Kunstevent nicht gestemmt, schon gar nicht, wenn man internationale Positionen mit ins Boot holen will. Zwischendurch macht ihm die aktuelle Politik einen Strich durch die Rechnung, aber das steckt er weg. Muss er als Profi. Auf der anderen Seite haben sich für die Artmuc so viele neue Möglichkeiten aufgetan, dass er die Herbstausgabe der Messe zuversichtlich angehen kann.

Am Freitag geht’s los, wieder im Münchner Norden im MTC, das sich bewährt hat. Künstlerinnen und Künstler können sich adäquat mit ihrer Arbeit präsentieren. In einer Stadt, die viele mit ihren Spitzenmieten ausbremst, ist das nicht hoch genug einzuschätzen.

„Wer sich gute Kunst leisten will, kauft auch in der Krise“

Schwalbe darf ohnehin auf einen gelungenen Auftakt im Frühjahr zurückblicken. Während viele Kunstmarktakteure über Umsatzrückgänge klagen, war die Artmuc im Mai eine der erfolgreichsten seit ihrer Gründung 2014. Überraschend sei das nicht, erklärt der Marketingfachmann: „Diejenigen, die sich gute Kunst leisten können und wollen, kaufen weiterhin. Also auch in der Krise“.

Ohnehin hat sich der Blick über Deutschland und Europa hinaus in den letzten Jahren bewährt. Dass es nach der Frühjahrsausgabe mit der Sammlerin Yan Sun nun wieder chinesische Kooperationspartner gibt, fügt sich in den aktuellen Trend: Kunst aus Fernost steht hoch im Kurs. Das zeigt sich diese Woche an den Messeständen der Art Basel in Paris - und war genauso beim Open Art Munich Gallery Weekend nicht zu übersehen.

Was ist da nur passiert? Der italienische Fotograf Christian Basetti erkundet verlassene Orte und Bauten und nennt seite Arbeiten „Forgotten Art-chitectures“.
Was ist da nur passiert? Der italienische Fotograf Christian Basetti erkundet verlassene Orte und Bauten und nennt seite Arbeiten „Forgotten Art-chitectures“. © Christian Basetti / Artmuc

Erzählen von den Dingen, die man nicht sieht

Schwalbe hat die junge Sheen Gallery aus Schanghai eingeladen, sich in einer Förderkoje vorzustellen. 2025 gegründet, versteht sie sich als Erzählerin einer übers rein Reale hinausreichenden Gegenwart. Im besten Fall wird die Sheen Gallery zum spirituellen Knotenpunkt, der östliche Weisheit und globale Visionen einer aktuellen Kunst zusammenbringt.

Vier Künstler der Galerie treten in einen Dialog. Yang Yanlai etwa mit der Serie „Guan Ying“, inspiriert vom „Buch der Lieder“, also der ältesten Sammlung chinesischer Gedichte aus dem 10. bis zum 7. Jahrhundert vor Christus. Liu Yingcong hinterfragt in seiner „Simulation“-Folge die sichtbare Realität, Chen Jiayi beschäftigt sich in der Serie „Qi Xie Ying Zhi“ mit den Urmythen, und Wang Chunwei schafft Bildnisse, die über das Formale hinausreichen und im besten Sinne versuchen, die Seele des Gegenübers einzufangen - wie jedes gute Porträt.

Der Fotograf Jens Winkler porträtiert Tiere, und zwar so ernsthaft wie das Künstler mit Menschen tun. Ob das Schaf das zu würdigen weiß?
Der Fotograf Jens Winkler porträtiert Tiere, und zwar so ernsthaft wie das Künstler mit Menschen tun. Ob das Schaf das zu würdigen weiß? © Jens Winkler / Artmuc

Die Kunstschaffenden kommen aus 15 Ländern

Die mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler, Galerien und Kollektive dieser Artmuc-Ausgabe kommen aus über 15 Ländern. Darunter Frankreich und Belgien, Portugal und Spanien, die Schweiz und Österreich, Italien, Australien oder Brasilien.

Junge Kunst und junge Initiativen sollen eine Plattform haben, das hat sich die Artmuc von Anfang auf ihre Fahnen geheftet. Insofern bleibt sie eine Entdeckermesse mit einem weiten Spektrum, das von Malerei und Grafik über Fotografie, Collagen oder Skulpturen bis hin zur digitalen Kunst reicht.

So kann man die Lockenwickler natürlich auch anbringen. Der Abstand zur Trockenhaube ist dann nicht so groß, das spart sicher Energie... Achim Weinberg aus Nürnberg denkt sich Lockenwickler-Kunst aus.
So kann man die Lockenwickler natürlich auch anbringen. Der Abstand zur Trockenhaube ist dann nicht so groß, das spart sicher Energie... Achim Weinberg aus Nürnberg denkt sich Lockenwickler-Kunst aus. © Achim Weinberg / Artmuc

Wie tickt die Künstlerin? Man kommt unkompliziert ins Gespräch

Die Künstlerinnen und Künstler sind meistens anwesend, man kann ganz unkompliziert mit ihnen ins Gespräch kommen, etwas über den Werkprozess erfahren oder die nächsten Ausstellungen.

Und weil die soziale Seite für Raiko Schwalbe dazugehört, räumt er besonderen Projekten Raum ein: von den Soroptimisten, die Frauen in der Obdachlosigkeit unterstützen, bis hin zur Stiftung Kolibri, die für Kinder und Frauen nach der Flucht eine Anlaufstelle bietet. Für eine Kunstmesse ist das außergewöhnlich.

Artmuc vom 23. bis 25. Oktober 2026 in den MTC Supreme Locations, Ingolstädter Straße 45-47, Freitag 18.30 bis 21.30, Samstag 11 bis 19 und Sonntag 11 bis 18 Uhr (Kasse schließt 45 Minuten vor Ende); Eintritt Erwachsene 18 Euro (Zutritt an allen Tagen), Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei, Information unter www.artmuc.info

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