Interview

Artmuc: Kunst für eine bessere Welt

Die Artmuc geht am 1. Mai in eine neue Saison – und wieder im Münchner Norden, wo sich das MTC als ideale Location erwiesen hat.
von  Christa Sigg
Der Münchner Fotograf Christoph Simmler hat ein Faible für verlassene Autos, Tankstellen, Dörfer.... Hier seine Aufnahme „Out of Service“.
Der Münchner Fotograf Christoph Simmler hat ein Faible für verlassene Autos, Tankstellen, Dörfer.... Hier seine Aufnahme „Out of Service“. © Christoph Simmler / Artmuc

Raiko Schwalbe ist guter Dinge. Die Kunstmesse Artmuc bleibt von der internationalen Krise zwar nicht unberührt, abgesagte Flüge sind da noch das kleinste Übel. Aber das Interesse ist groß, fast 450 Bewerbungen sind beim Messeteam eingegangen - und das MTC bietet famose Ausstellungsmöglichkeiten. Ab Freitag dreht sich im Münchner Norden also alles um die Kunst.

„Wir wollen internationaler werden“

AZ: Herr Schwalbe, für Andrea Lissoni, den Künstlerischen Leiter im Haus der Kunst, liegt die Zukunft der Kunst in Asien, und mit dieser Meinung ist er nicht der einzige. Sie tasten sich auch in Richtung Osten vor.

RAIKO SCHWALBE: Es geht uns schon auch darum, den Horizont der Artmuc zu erweitern und internationaler zu werden. Nicht nur in Richtung Osten, es gibt so viele künstlerisch spannende Regionen, die Welt ist vielschichtig. Und wenn wir diesmal ein paar Positionen mehr aus dem asiatischen Bereich präsentieren, dann interessieren uns vor allem Künstlerinnen und Künstler, die sich kritisch mit den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Also nicht einfach nur „schön abbilden“, sondern Zustände reflektieren und Position beziehen.

Sie hatten letztes Jahr schon Beiträge aus Indien und Afrika geplant.

Ja, aber sämtlich Vertreter musste kurzfristig wegen der politischen Spannungen und sogar wegen Kriegen und schließlich auch wegen den dort oft immensen Preissteigerungen absagen. Das ist wirklich bitter - für beide Seiten. Bis eine solche Zusammenarbeit zustande kommt, dauert es oft Monate und Jahre.

Katja Nordmeyer malt oft auf Aluminium-Lochblech und lässt hier mit „Chisato II“ den fernen Osten anklingen.
Katja Nordmeyer malt oft auf Aluminium-Lochblech und lässt hier mit „Chisato II“ den fernen Osten anklingen. © Katja Nordmeyer / Artmuc

Kunst aus China trifft auf den Westen

Was zeigen Sie aus der Sammlung von Yan Sun?

Es gibt eine chinesisch-deutsche Zusammenarbeit, und zwar zwischen dem Seidenmalerei-Meister Mu Yilin und dem Künstler Michel Anto. Auf feiner Seide verschmelzen östliche und westliche Kunst, und das nicht nur formal. Das Werk ist wie eine Brücke zu verstehen, die Botschaft lautet: „Freundschaft hält ewig, die Welt wird schöner“. Dazu kommen Malerei von He Xiangdong, für den ethnische Minderheiten eine Rolle spielen und der Volkskunst auf eine internationale Bühne hebt, sowie Tonfiguren aus Xi’an, die von den Terrakotta-Kriegern inspiriert sind.

Großer Andrang auf der Artmuc im MTC im Münchner Norden.
Großer Andrang auf der Artmuc im MTC im Münchner Norden. © Isabella Kilian

Die Artmuc in Zahlen? 160 Beiträge aus 15 Ländern

Ist die Messe schon wieder gewachsen, oder täuscht das?

Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 verzeichnet die Artmuc ein stetiges Wachstum. Lediglich Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber längst läuft es wieder, allein in diesem Jahr haben wir knapp 450 Bewerbungen erhalten. 160 Beiträge aus 15 Ländern sind nun ab 1. Mai vertreten.

Worauf legen Sie mit der Artmuc besonderen Wert?

Auf das gemeinsame Agieren und den guten Umgang miteinander. Ich bin nicht der Messechef, der im Anzug rumläuft und versucht, einzelne Besucher hervorzuheben. Im Gegenteil. Ich bin morgens schon mit dem Team unterwegs, um zu putzen oder den Müll wegzuräumen. Die Stimmung ist gut, und wir haben ein gemeinsames Ziel: eine wunderbare Kunstmesse umzusetzen.

Für Einsteiger mit überschaubarem Budget ist auf der Artmuc durchaus etwas zu finden.
Für Einsteiger mit überschaubarem Budget ist auf der Artmuc durchaus etwas zu finden. © Isabella Kilian

Starkes Interesse beim jungen Publikum

Sie scheinen die Krise nicht zu spüren?

Leider doch. Wir haben bereits erste Absagen von Künstlerinnen und Künstlern aus den Golfstaaten und auch aus Südamerika, weil die Flugpreise steigen oder Flüge ganz abgesagt werden. Durch die aktuellen Entwicklungen sind auch die Menschen in Deutschland vorsichtiger geworden.

Es gibt ja auch Sammler, die sagen, jetzt erst recht!

Wir merken besonders bei jungen Besuchern ein verstärktes Interesse, sich endlich mal ein Original zu kaufen und die eigenen vier Wände optisch aufzubessern. Das motiviert ungemein, denn diese jungen Menschen wachsen mit uns mit und bleiben uns treu. Da kann man nur dankbar sein.

Von welcher preislichen Spannweite sprechen wir?

Die Artmuc ist eine Einsteiger-Kunstmesse - sowohl für Künstlerinnen und Künstler, Projekte, Galerien als auch für Sammler und solche, die es werden wollen. Die Preise beginnen zum Teil schon bei 100 Euro und gehen hinauf in den mittleren fünfstelligen Bereich.

Skulpturen sind auf der Artmuc mehr und mehr gefragt. Hier Cordula Dobes‘ „Großer Stier“.
Skulpturen sind auf der Artmuc mehr und mehr gefragt. Hier Cordula Dobes‘ „Großer Stier“. © Cordula Dobes / Artmuc

Wachstum im Bereich der Skulptur

Das Spektrum der Artmuc reicht von Malerei über Skulpturen, Collagen oder Fotografien bis hin zu digitaler Kunst. Was kommt am besten an?

Das lässt sich gar nicht so genau sagen. Aber durch den Bezug zum Münchner Umland verzeichnen wir im Bereich der Skulptur ein stetiges Wachstum. Die braucht Platz. Auch die Fotografie stößt auf immer mehr Interesse.

Gratis-Poster von FinDAC

Sie haben den irischen Künstler FinDAC da, bei ihm spielt Asien durchaus eine Rolle.

Oh ja, FinDAC hat uns schon zum zweiten Mal eines seiner tollen Kunstwerke für die Plakatierung zur Verfügung gestellt. Seine Werke erzielen weltweit fünfstellige Preise und kommen überhaupt so gut an, dass wir auch in diesem Jahr jedem Besucher ein Kunstposter seines Visuals „Sensaini“ als Dankeschön schenken können. Aber natürlich nur, solange der Vorrat reicht. Und in der „Artmuc Collection” werden dazu 14 weitere Drucke als Unikate angeboten. Für seine Fans ist das ein Höhepunkt. Vor Ort wird FinDAC übrigens auch live performen. Es gibt also viele Gründe, die Artmuc zu besuchen.

Artmuc vom 1. bis 3. Mai 2026, Freitag/Samstag 11 bis 19, Sonntag 11 bis 18 Uhr, im MTC, Ingolstädter Straße 45-47 (U2, Station Frankfurter Ring, oder Bus 140, 141 und 177, Halt Ingolstädter Straße, Zufahrt über Ingolstädter Straße wegen Baustelle gesperrt, 100 m weiter neue Einfahrt zum Gelände, alternativ ist Zugang über Taunusstraße möglich), Eintritt 18 Euro (Dauerticket für alle Messetage) inkl. Kunstdruckposter (so lange der Vorrat reicht), Kinder unter 16 Jahren frei, www.artmuc.info

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