Alles neu an Bayerns Museen
An den Quadersteinen der Alten Pinakothek wird nicht gerüttelt, und auch die Rotunde der modernen Schwester muss noch lange halten. Es wird aber rumpeln in den Museen des Freistaats, und das im Guten: Sie sollen unabhängiger werden, zugleich mehr wirtschaftliche Verantwortung tragen und unter dem neuen Dach einer möglichen Anstalt des öffentlichen Rechts zusammenfinden. Ab 2029, das ist der Plan, den Kunstminister Markus Blume (CSU) gestern im Landtag präsentierte.
Für die Museumsoffensive, die Blume im November 2024 angekündigt hatte, liegt nun ein über 150 Seiten starkes Weißbuch vor, sozusagen eine Empfehlungsschrift, die neben einer minutiösen Recherche des Status quo vor allem die Marschroute vorgibt. Darin plädiert die Reformkommission unter der Leitung der Wirtschaftsexperten Markus Michalke und Rolf Nonnenmacher für grundlegende neue Strukturen.

Die Staatsgemäldesammlungen wird es in zwei Jahren nicht mehr geben
Das Konstrukt der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen wird bald Geschichte sein. Dass die tief im 19. Jahrhundert verwurzelte Organisationsform den Anforderungen der Gegenwart nicht mehr entspricht, ist kein Geheimnis. Im Fokus stehen aber genauso die anderen 17 staatlichen bayerischen Museen mit all ihren Zweigstellen. Einzig das Haus der Kunst mit seiner besonderen Gesellschaftsform und das Haus der Bayerischen Geschichte sind ausgenommen.
Von den Bayerischen Staatsmuseen soll künftig die Rede sein, überführt in eine eigenständige Gesellschaftsform, die rechtlich und organisatorisch außerhalb der allgemeinen Staatsverwaltung steht. Der behäbige Behördenstatus ist damit Vergangenheit. Allerdings bleibt der Freistaat alleiniger Träger und gewährleistet die „Leistungsfähigkeit der Einrichtung im Rahmen des öffentlichen Auftrags“, wie es heißt.
Die Museen des Freistaats leitet ein Vorstand
Und wer entscheidet? Geleitet werden die Staatsmuseen von einem Vorstand, den ein Aufsichtsrat überwacht. Dann folgen die einzelnen Museen, die ihre historisch gewachsene Identität behalten sollen, aber zu zehn Verbünden zusammengefasst werden.

So sollen Antikensammlungen und Glyptothek mit dem Museum Ägyptischer Kunst zu den Staatsmuseen der Kunst der Antike und des Altertums zusammengeführt werden. Da das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke vor allem der Lehre dient, wird es an das Institut für Klassische Archäologie und damit an die Ludwig-Maximilians-Universität angegliedert werden. Die äußerst kleine und vom Museumspublikum gerne übersehene Staatliche Münzsammlung kommt ans Bayerische Nationalmuseum.
Die Pinakothek der Moderne hat als WG endlich ausgedient
Dass Alte und Neue Pinakothek eine Einheit bilden, liegt auf der Hand und funktioniert im aktuellen Zusammenspiel im Klenze-Bau einigermaßen gut. Gemessen am Platz ohnehin. Und bis die Generalsanierung der Neuen Pinakothek 2030 oder doch 2031 abgeschlossen sein wird - mit einer weiteren Kostensteigerung von 80 Millionen Euro - müssen die Anhänger des besucherstarken Hauses wenigstens nicht darben.
Interessant wird es dann in der Pinakothek der Moderne, deren vier Museen bislang eher durch Alleingänge von sich reden gemacht und die das Gebäude „eher als WG betrachtet haben“, resümierte Minister Blume. Hier sollen die Sammlung Moderner Kunst, die Neue Sammlung, das Deutsche Theatermuseum sowie die Sammlung Goetz zusammengebracht werden. Das von der Sammlerin Ingvild Goetz 2014 an den Staat übergebene Gebäude der Stararchitekten Herzog & De Meuron ist laut Minister zu marode für eine Sanierung.
Die Sammlung Goetz wird besser integriert
Die Moderne zusammenzufassen, macht durchaus Sinn. Das haben bereits zwei gut durchdachte Ausstellungen gezeigt. Und die Sammlung Goetz ist seit Jahren schon für ihren institutionenübergreifenden Teamgeist und spannende Kooperationen bekannt. Das Theatermuseum hat am Hofgarten zwar eine nicht zu verachtende Aussicht, aber die Räumlichkeiten lassen kaum Spielraum für ambitioniertere Präsentationen. Von den Öffnungszeiten ganz zu schweigen.
Träume von einer weiß-blauen Albertina?
Der Integrationswille des Architekturmuseums der TU sowie der Graphischen Sammlung ließ in der Vergangenheit zu wünschen übrig, die Pinakothek bietet den beiden Häusern dennoch den Raum für Ausstellungen. Aber vielleicht wird aus der Graphischen Sammlung eine weiß-blaue Albertina. Die Anstrengungen, sich vergleichbar dem Wiener Vorbild in Richtung Malerei und großen Formaten zu bewegen, sind nicht zu übersehen. Doch dann müsste man auch über neue Räume nachdenken. Die Sammlung Schack an der Prinzregentenstraße könnte neue Bewohner und einen Push vertragen.
Beim Museum Brandhorst wäre ein Anschluss an die Moderne-Sammlung der Pinakothek naheliegend. Das Haus soll dagegen selbstständig bleiben, weil es durch seinen sagenhaften Ankaufsetat die „einzigartige Möglichkeit bietet, systematisch eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen“. Darüber könnte man diskutieren, aber wer will es sich mit dem Big Spender verscherzen?

Mit Fragezeichen: Fränkisches Konstrukt in Nürnberg
Kurios erscheint auch das neue Staatsmuseum in Franken, in dem das Neue Museum Nürnberg und das Würzburger Museum für Franken zusammenkommen. Inhaltlich ist es auch sinnvoll, das Textil- und Industriemuseum Augsburg, das Porzellanikon in Selb sowie das Glasmuseum in Frauenau in ein Museum für Industriekultur zusammenzuführen. Nur die geografischen Abstände werden bei aller Digitalisierung - und die steht auf der Agenda weit oben - nicht zu ignorieren sein. In München, wo man binnen Minuten vom einen zum nächsten Haus wechselt, tut man sich da freilich leichter.

Insgesamt sind die neuen Perspektiven jedoch vielversprechend. Wenn tatsächlich nicht gespart wird, die Museen ihre erwirtschafteten Einnahmen reinvestieren können (manches Haus wird da in Not kommen) und für alle noch 5 Millionen Euro im Jahr oben draufkommen, sollten die Bayerischen Staatsmuseen für die Zukunft gut aufgestellt sein. Vorausgesetzt, dass nach den nächsten Landtagswahlen im Herbst 2028 nicht radikal gebremst wird.





