Akademie der Bildenden Künste: Die große Schau

Die Akademie der Bildenden Künste lädt eine Woche lang zur Jahresausstellung – am Samstag wird gefeiert.
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Am Samstag wird die Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste eröffnet.
Rainer Herrmann/AZ Am Samstag wird die Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste eröffnet.

München - Nein, wir haben uns nicht im Tag vertan. Aber was jahrelang an einem Freitagabend zum Ende des Sommersemesters bestens funktioniert hat, sollte am Samstag mindestens so gut werden: Mit einem großen Gartenfest wird die Jahresausstellung der Kunstakademie eröffnet.

Das ist immer wieder aufs Neue eine schöne Möglichkeit, sich ganz unverbindlich in der jungen Kunstszene umzuschauen. Ohne Diplomdruck im Nacken zeigen Studenten aller Fachbereiche, an was sie gerade arbeiten. Das reicht von der klassischen Malerei und der Bildhauerei über die Fotografie, das Bühnenbild oder die Architektur bis hin zu Schmuck, Glas oder Keramik. Entspannt kann man mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen, vergleichen, sich über aktuelle Tendenzen einen Überblick verschaffen und dabei vielleicht auch den einen oder anderen Namen notieren. Könnte ja sein, dass da ein künftiger Star an der Rampe steht.

Zwischen Kuh und Kittelschurz

Nadja Zängerlein hat bei der Oma gesucht – und gefunden. Fotos: Rainer Hermann

Draußen vor der Tür hängen schon die Kühe. Und damit ist klar: Hier geht’s aufs Land. Oder zumindest in die Vergangenheit. Nadja Zängerlein (25) hat bei der Oma in Unterfranken nachgeschaut und eine Menge Zeugs mit nach München gebracht. Dirndl und Kittelschürzen – Schürzer heißen die in ihrer Heimat. Alte Familienbilder und den Kommunionanzug vom Vater. Eine Madonna und alte Nachttischlampen. Wie bei einer Wohnungs- oder Hausauflösung schaut’s aus, und jeder darf wühlen und nachsehen, ob er nicht noch etwas Interessantes findet zwischen abgelegten Taschen, Tischen und allerlei Tüchern.

Für Nadja ist das selbst eine Art Rückblick auf all das, was sie geprägt hat. Schon von zu Hause her kennt sie beides, den Bauernhof und die Kunst. Deshalb war es nur folgerichtig, auch die Kühe mit dabei zu haben. Nun sind 50 Rindviecher schwerlich in die Akademie zu treiben, zumindest von Hassfurt aus. Mit der Malerei oder der Fotografie – das sind die Exemplare draußen – geht das sehr viel bequemer, und schließlich befinden wir uns in einer Akademie. Wobei dann doch auch etwas „Echtes“ von der Kuh mit in die Ausstellung musste. Wer eine kleine Schachtel öffnet, wird ein dunkles Büschel Schwanzhaare finden. Die riechen immer noch ein bissl nach Stall und Resi. Oder war’s die Traudl?

Lippen erzählen

Andreana Dobreva aus Bulgarien studiert bei Anke Doberauer.

Sie sehen richtig, Andreana Dobreva (33) greift ganz klassisch zum Pinsel. Und wer den leicht bekleideten Herrn im Hintergrund ins Visier nimmt, merkt, dass sich die junge Frau aus Bulgarien auch an den alten Meistern abarbeitet. Die Unterlippe nach Art einer Maultasche deutet nach Spanien. Oder besser: zu den Habsburgern. Zigfach hat der große Diego Velázquez Philipp IV. verewigt – bis ihm die Lippen wahrscheinlich im Traum erschienen sind. Andreanas Arbeiten kreisen immer wieder um den menschlichen Körper, und damit nicht zu viele Faktoren im Spiel sind, verzichtet sie auf kräftige Farben. Das Grau soll überwiegen, dann schaut man genauer auf den Rest.

Beam me up, Scotty!

Marie, Jakob und Alexander laden aufs Raumschiff.

Einen kompletten Raum haben die Studenten aus der Kunstpädagogik-Klasse von Albert Hien zum Raumschiff umgebaut. Schon beim Betreten des dunklen Tunnels taucht man schnell in ferne Galaxien. Und das soll auch so sein. „Jedem geht irgendeine Science-Fiction-Szene durch den Kopf, darauf ist die Ästhetik hier angelegt“, sagt Jakob Wilsdorf (26) aus Augsburg. Marie Clees (29) aus Wuppertal und Alexander Becker (27) aus Mering haben schon mal die Schuhe ausgezogen – der Salon soll schön sauber bleiben, wenn die Drei und ihre Kollegen ihrer Raumstation den letzten Schliff verpassen.

Im Netz der Nähmaschine

Max Westhoff spinnt mit der Nähmaschne ein Netz.

Er kennt kein Pardon, Max Westhoffs rasenmäherlautes Ding auf dem Rücken setzt einem nicht nur akustisch zu – es sorgt auch für eine eher ungewollte Benzin-Parfümierung der näheren Umgebung. Dabei ist der 27-jährige Kunststudent bei seiner Performance mit allerfeinstem Material unterwegs: weißem Polyester-Faden. Mit einer alten Nähmaschine bewaffnet tackert sich der Schüler von Olaf Metzel durch den Raum und spinnt gleichzeitig ein Netz, das ihn wieder mit den verschiedensten Ecken verbindet. Auch ein Unabhängiger muss zwischendurch Verbindung zur Basis aufnehmen. Wer glaubt, das könnte von Dauer sein, irrt sich. Zwischendurch zuckelt der Kran, an dem die Kreation hängt, und dann ist sie wieder futsch, diese schöne temporäre Skulptur, die ganz entfernt an Fred Sandback erinnert. Und schließlich will der Künstler ja die „Umwälzungsprozesse im Raum“ vor Augen führen.

Über allen Wipfeln

Pernilla Henrikson wartet hinter den Erdbeereis-Bergen.

Wären nicht die mehr oder weniger zarten Risse, man könnte die roséfarbenen Rundungen für Speiseeis-Berge halten. Es riecht förmlich nach Milch und Zucker – und einem Hauch Erdbeere... Pernilla Henrikson (35) amüsiert sich über all die Assoziationen, die den Besuchern durch den Kopf schwirren. Und man sieht hier tatsächlich nur einen kleinen Ausschnitt, die in München aufgewachsene Schwedin hat eine regelrechte Hügellandschaft gegossen und geformt. Nicht aus Gips, sondern aus Papierfasern, die durch Kleister zusammen gehalten werden. Pernilla hat übrigens in der Malereiklasse von Jean Marc Bustamante studiert. Was nicht unbedingt Flachware zum Resultat haben muss. Aber damit ist die Künstlerin nicht allein. Die Bildhauer performen schon mal, die Grafiker versuchen sich an Metallskulpturen und die Fotografen basteln an einer Installation. Bloß keine Schubladen, lautet die Devise.

Mit Druck geht alles

Aron Herdrich hegt ein Faible für die Lithografie. Sieht man doch.

Wer das Foyer des Neubaus betritt, dem sticht sofort ein riesiges Metallobjekt ins Auge. Mit etwas Fantasie könnten es die Reste eines Flugzeugs sein. Tatsächlich hat Aron Herdrich (26) die Druckstöcke umgeformt. Denn primär geht es dem Studenten aus der Malereiklasse von Pia Fries um Druckgrafik. Die sieht man übrigens im Hintergrund überm Geländer hängen. Beides gehört also zusammen. Überhaupt pendelt der Kunststudent aus Freiburg gerne zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Was durchaus seinen Reiz hat, wie man sieht.


Eröffnung, Samstag, 11 Uhr, im Foyer des Altbaus, Akademiestraße 2-4, geöffnet bis 23 Uhr, Sonntag bis Freitag 14 bis 21, am 23. und 24.7. von 11 bis 21 Uhr

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