Interview

"A bisserl was bleibt immer": So sehen die Drehorte vom "Monaco Franze" heute aus

Fast alle Drehorte von "Monaco Franze" hat der Münchner Fotograf Michael von Hassel ausfindig gemacht. Zum 100. Geburtstag von Helmut Fischer, gibt es eine Ausstellung im Bergson.
Adrian Prechtel |
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Monaco Franze als „Herr der sieben Meere“ (Helmut Fischer mit Ruth Maria Kubitschek und Erni Singerl, rechts).  Foto: Imago
5 Monaco Franze als „Herr der sieben Meere“ (Helmut Fischer mit Ruth Maria Kubitschek und Erni Singerl, rechts). Foto: Imago
Während Franze heimlich als „Herr der sieben Meere“ zum Fasching in der Max-Emanuel-Brauerei geht, feiert seine Ehefrau Annette von Soettingen auf dem exklusiven Maskenball von Staatssekretär Dr. Braun. Damals wurde auf einer Schlossruine zwischen München und Augsburg gedreht, die Michael von Hassel nun renoviert wiedergefunden hat.  Foto: M. von Hassel
5 Während Franze heimlich als „Herr der sieben Meere“ zum Fasching in der Max-Emanuel-Brauerei geht, feiert seine Ehefrau Annette von Soettingen auf dem exklusiven Maskenball von Staatssekretär Dr. Braun. Damals wurde auf einer Schlossruine zwischen München und Augsburg gedreht, die Michael von Hassel nun renoviert wiedergefunden hat. Foto: M. von Hassel
Michael Hassel im Interview „Beim Sedlmayr“, wo auch eine kleine Szene von „Monaco Franze“ spielt. Er hat den Ort fotografiert.  Foto: adp
5 Michael Hassel im Interview „Beim Sedlmayr“, wo auch eine kleine Szene von „Monaco Franze“ spielt. Er hat den Ort fotografiert. Foto: adp
Ein Vortrag in der Villa Stuck bringt Annette von Soettingen auf eine unheilvolle Idee: Auswandern. Aus München! Für den Monaco undenkbar.
Michael von Hassel 5 Ein Vortrag in der Villa Stuck bringt Annette von Soettingen auf eine unheilvolle Idee: Auswandern. Aus München! Für den Monaco undenkbar.
Das Nationaltheater sieht in Zeiten des Monaco Franze genauso aus wie heute, bei Michael von Hassel allerdings etwas anders. Hier besucht Monaco Franze mit Frau Annette und ihren Freunden eine Wagner-Inszenierung. Der kulturell beflissene Dr. Schönfärber sieht eine "Jahrhundertaufführung", Franze korrigiert: "A rechter Scheißdreck war's."
Michael von Hassel 5 Das Nationaltheater sieht in Zeiten des Monaco Franze genauso aus wie heute, bei Michael von Hassel allerdings etwas anders. Hier besucht Monaco Franze mit Frau Annette und ihren Freunden eine Wagner-Inszenierung. Der kulturell beflissene Dr. Schönfärber sieht eine "Jahrhundertaufführung", Franze korrigiert: "A rechter Scheißdreck war's."

Zum Interview hat Michael von Hassel der Handlichkeit wegen nur eines der kleineren Bilder mitgebracht. Es ist noch eingewickelt, weil er weiter muss nach Aubing, ins Kunstkraftwerk Bergson, wo bis Samstag alles hängen muss. Am 15. November wäre Helmut Fischer hundert Jahre alt geworden.

Hassel hat dazu die Drehorte der Fernsehserie recherchiert und in Wohnungen, Büros, Hinterhöfen, Restaurants, Hotels, Kirchen, Schlössern und Straßen die neue Szenerie in seinem farbintensiven Stil fotografiert. In der Ausstellung am kommenden Wochenende sind sie dann mit Szenenfotos aus der Helmut-Dietl-Serie von vor 43 Jahren kontrastiert.

AZ: Herr von Hassel, die Serie "Monaco Franze - Der ewige Stenz" ist 43 Jahre alt. Sind Sie nicht ein bisschen zu jung für den "Monaco"?
MICHAEL VON HASSEL: Nein, ich erinnere mich an das Lachen meiner Mutter, als sie die Serie mit meinem Vater im Fernsehen angeschaut hat - und ich habe dann auch als Kind schon ein bisschen mitschauen dürfen. Es war durch die Serie eine Leichtigkeit in der Atmosphäre, obwohl es damals auch keine krisenfreie Zeit war. Manche haben da gerade Atombunker in ihren Gärten gebaut. Aber die Serie war heiter und nicht verbissen.

Während Franze heimlich als „Herr der sieben Meere“ zum Fasching in der Max-Emanuel-Brauerei geht, feiert seine Ehefrau Annette von Soettingen auf dem exklusiven Maskenball von Staatssekretär Dr. Braun. Damals wurde auf einer Schlossruine zwischen München und Augsburg gedreht, die Michael von Hassel nun renoviert wiedergefunden hat.  Foto: M. von Hassel
Während Franze heimlich als „Herr der sieben Meere“ zum Fasching in der Max-Emanuel-Brauerei geht, feiert seine Ehefrau Annette von Soettingen auf dem exklusiven Maskenball von Staatssekretär Dr. Braun. Damals wurde auf einer Schlossruine zwischen München und Augsburg gedreht, die Michael von Hassel nun renoviert wiedergefunden hat. Foto: M. von Hassel

Wie sind Sie auf das Projekt, die Drehorte heute zu fotografieren, gekommen?
Ich habe neben Bierzelten und Fußballarenen auch sehr ernste Projekte gemacht - in Schützengräben des Ukrainekriegs, ich habe Nordkorea besucht, ich habe über die Coronazeit viel gemacht. Das waren zuletzt viele schwere Themen, die auch meiner Seele geschadet haben. Ich wollte also wieder etwas Heiteres suchen. Mich hat dann zufällig ein Freund angerufen und mich auf ein Schloss eingeladen, das nach einer Renovierung in Eigentumswohnungen aufgeteilt worden war. Mir kamen die Räume dann irgendwie bekannt vor - mit den drei Bögen: War das nicht da, wo der Ball vom Staatssekretär Dr. Braun im Louis-XIV.-Stil stattfindet. Wir haben das dann gegoogelt, nochmal angeschaut - und so war es. Damals war das halt noch eine Ruine, in der gedreht wurde.

"Es gibt rund 230 Drehorte"

Das war der Auslöser?
Noch nicht ganz: Ein anderer Freund wollte kurz darauf in seinen Büroräumen Bilder von mir aufhängen. Und er erzählt mir, dass in dem Haus, das da vorher stand, die Detektei vom Monaco Franze in der Serie war. Und dann habe ich mich immer weiter auf die Suche nach den Drehorten vom "Monaco Franze" gemacht und 230 lokalisieren können.

Aber wie sieht denn so eine Recherche aus?
Die Serie zigmal anschauen und überlegen. Er kauft zum Beispiel in einem Supermarkt ein, in dem er Fräulein Ulla am Weinregal kennenlernt. Ich dachte, das ist ja in der Nähe vom Kumpel Manni Kopfeck, also in Haidhausen, weil er ja für "Krautwickerl neapolitanischer Art" einkauft. Man schaut also Supermärkte bei Google-Maps an. Im Film spiegelt sich im Schaufenster des Supermarktes ein Café-Höflinger-Schriftzug und zwar neon und horizontal. Und so finde ich ein Café in der Schleißheimer Straße, wo bis heute ein Supermarkt gegenüber ist – ein Rewe. Ein bisserl was bleibt immer.

Michael Hassel im Interview „Beim Sedlmayr“, wo auch eine kleine Szene von „Monaco Franze“ spielt. Er hat den Ort fotografiert.  Foto: adp
Michael Hassel im Interview „Beim Sedlmayr“, wo auch eine kleine Szene von „Monaco Franze“ spielt. Er hat den Ort fotografiert. Foto: adp

Hatten Sie auch Unterstützung von außen?
Dann kam das Theatermuseum dazu, das für sein Museum gerade den Nachlass von Helmut Fischer bekommen hatte. Die Direktorin Dorothea Volz hatte die Drehunterlagen, und das hat mir dann nochmal ermöglicht, die fehlenden 25 Drehorte zu finden. Ich bin auch viel rumgeradelt, habe in Innenhöfe geschaut oder im ehemaligen Trambahndepot in der Wilhelmstraße die Tanzhalle gefunden, wo Helmut Fischer als Monaco Franze Dolly Dollar abholt. Es war eine Detektivarbeit, bei der ich München noch einmal ganz intensiv kennengelernt habe – mit Lastenrad und meiner ganzen Ausrüstung, auch nachts. Das hat immer eine besondere Magie: Der Alltag ist vorbei, die Stadt schläft und besondere Menschen sind unterwegs - da darf es auch regnen oder winden, und viele Monaco-Franze-Szenen spielen ja ebenfalls nachts.

"Ich durfte nachts in Neuschwanstein fotografieren"

Als Sie die Motive gefunden hatten, was musste ein Ort mitbringen, um fotowürdig zu sein?
Es gibt eine Szene, wo der Monaco die Elli anspricht vor einer Apotheke und sie gleich sagt, dass gar nix geht. Das ist in einer Seitenstraße der Kaufinger, wo gerade eine Riesenbaustelle ist, mit Dixi-Klo davor. Aber man kann alles so fotografieren, dass es gut ausschaut. Mir ist das eines der liebsten Fotos geworden - mit der Magie, dass die sich da getroffen haben. Man kann aus allem etwas machen. Ich durfte zum Beispiel nachts während Corona im Schloss Neuschwanstein fotografieren, da war der Sängersaal zu 70 Prozent eingerüstet und die Bilder dieser Serie sind trotzdem oder gerade deshalb besonders schön geworden.

Ein Vortrag in der Villa Stuck bringt Annette von Soettingen auf eine unheilvolle Idee: Auswandern. Aus München! Für den Monaco undenkbar.
Ein Vortrag in der Villa Stuck bringt Annette von Soettingen auf eine unheilvolle Idee: Auswandern. Aus München! Für den Monaco undenkbar. © Michael von Hassel

Sie ästhetisieren stark, intensivieren die Farben. "Monaco Franze" ist - bei aller Präzision - aber eher etwas Lässiges. Beißt sich das nicht?
Klar, aber ich wollte ja auch kein Monaco-Franze-Revival mit viel Nostalgie machen. Die ergibt sich ja von ganz alleine, wenn ich die Originalszenenbilder daneben hänge.

Wie stark bearbeiten Sie die Bilder?
Fotografie ist immer ein Betrug an der Wirklichkeit, selbst Alltagsfotografie, Handybilder, Selfies. Und heute ist fast automatisch schon die digitale Bearbeitung beim Fotografieren dabei. Ich mache Kunst und Handwerk.

Das Nationaltheater sieht in Zeiten des Monaco Franze genauso aus wie heute, bei Michael von Hassel allerdings etwas anders. Hier besucht Monaco Franze mit Frau Annette und ihren Freunden eine Wagner-Inszenierung. Der kulturell beflissene Dr. Schönfärber sieht eine "Jahrhundertaufführung", Franze korrigiert: "A rechter Scheißdreck war's."
Das Nationaltheater sieht in Zeiten des Monaco Franze genauso aus wie heute, bei Michael von Hassel allerdings etwas anders. Hier besucht Monaco Franze mit Frau Annette und ihren Freunden eine Wagner-Inszenierung. Der kulturell beflissene Dr. Schönfärber sieht eine "Jahrhundertaufführung", Franze korrigiert: "A rechter Scheißdreck war's." © Michael von Hassel

Hätte man den "Monaco Franze" auch in Schwarz-weiß drehen können?
Vielleicht. Das wäre dann vielleicht weniger komödiantisch rübergekommen. Ich selbst habe schwarz-weiß begonnen, bis in einer meiner Ausstellungen ein bekannter Fotograf vorbeikam und gesagt hat: Schön, aber du machst es dir zu einfach, indem du die Farbe weglässt, weil es dann mehr nach Fotokunst aussieht. Komplizierter ist es, mit Farbe eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Das wäre die hohe Kunst. Und jetzt hoffe ich, dass man meinen Stil sofort erkennt.

Die Ausstellung "Monaco Franze 100" wird am Samstag, 7. November, im Bergson Kunstkraftwerk in Aubing eröffnet (alle 600 kostenlosen Besucherkarten sind bereits vergeben).
Die Ausstellung in der Bergson Gallery im Bergson Kunstkraftwerk (S-Bahn Langwied) ist immer Donnerstag und Freitag, 14 - 19 Uhr, und Samstag und Sonntag, 11 -19 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet.

Zum 100. Geburtstag von Helmut Fischer am Sonntag, 15. November, werden alle zehn Folgen von "Monaco Franze" gezeigt, dazwischen gibt es Talks und Ausstellungsführungen. Karten hierfür unter bergson.com

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