210 Mozart-Figuren in Salzburg gestohlen - Ausstellung abgebrochen

Es gehört zum Ritual der Installationen des Künstlers Ottmar Hörl, dass die im öffentlichen Raum massenhaft aufgestellten Plastikfiguren abhanden kommen. Und ebenso rituell sind die Klagen des Künstlers über die Missachtung seiner Werke, zumindest in den letzten Jahren.
Zuletzt hatte Hörl im Auftrag der Internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg 320 goldfarbene Mozart-Figuren aufgestellt, größtenteils frei zugänglich, teilweise aber auch in museal genutzten Bereichen. Aus dem Mirabellgarten sind nun 210 Figuren verschwunden. Die - etwas künstliche - Aufregung ist groß, die Ausstellung wurde daraufhin abgebrochen.
„Das Schlimmste für einen Künstler ist, wenn sich seine Arbeit auflöst“, klagte Hörl, der bereits nach den ersten Diebstählen angeblich wegen drohender Nachfragen des Finanzamts Anzeige erstattet haben will. Ihn störe auch der mangelnde Respekt vor seiner Arbeit. Ähnlich äußerte sich der 76-jährige Bildhauer und Konzeptkünstler vor zwei Jahren in Bayreuth, wo sämtliche 115 aufgestellten Wagner-Skulpturen abhandenkamen.
„Ich finde es ein bisschen dreist“
Hörl erklärte damals allerdings auch, der Schwund sei ihm immer noch lieber als seine Schweinfurter Ausstellung des Jahres 2022, wo er keine seiner Skulpturen von Greta Thunberg verkaufen konnte, offenbar aber auch keine geklaut wurde.

In Salzburg ist Hörl eher im Empörungs-Modus. „Das ist organisierter Diebstahl“, so der Künstler wütend. Er geht nicht davon aus, dass Urlauber die 50 Zentimeter hohen Mozarts mitgehen ließen. Die Kunststoff-Figuren seien wohl nachts aus dem öffentlichen Park gestohlen worden, wenn der Mirabellgarten abgeschlossen ist. „Ich finde es ein bisschen dreist“, sagt er.
Dem Täter oder den Tätern ist aber kein Millionen-Coup gelungen. Denn Hörl hätte die Mini-Mozarts nach Ende der Ausstellung für 90 Euro pro Stück verkauft. Für ihn entstand dennoch nach eigenen Angaben ein beträchtlicher Schaden von insgesamt rund 20.000 Euro.

Weil die Herstellerfirma der Skulpturen im Sommerurlaub ist, konnten kurzfristig keine weiteren Mozart-Figuren als Ersatz aufgestellt werden. Einige Dutzend können aber noch bis Ende August im Garten des Mozarteums und in Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse besichtigt werden.
Hörl ist bekannt für seine Installationen mit massenhaft produzierten Figuren populärer Persönlichkeiten. So hat er in der Vergangenheit etwa in deutschen Städten kleine Armeen von Schillers, Goethes oder Hölderlins aufgestellt.
Früher war mehr Plastik
Die Salzburger Aktion mit 320 Figuren ist vergleichsweise mickrig. 1998 bot Hörl auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater während der Opernfestspiele eine echte Materialschlacht: 4000 Zwerge wurden nach damaligen Medienberichten hergestellt, 2200 montiert und 1800 entwendet. „Ich habe extra Wachpersonal für mein Kunstwerk eingestellt“, sagte Hörl damals der „taz“. „Aber das kostete zuviel. Kaum kamen sie nicht mehr, wurden auch die Zwerge immer weniger.“
Auch 1998 gab es bereits Probleme mit der Nachproduktion: Die Firma schaffte nur 200 Zwerge pro Woche. Käufer konnten Optionsscheine für die damals 50 DM kostenden Figuren erwerben und sie in einer Galerie in der Buttermelcherstraße abholen.

1998 stellte Hörl den persönlichen Imagegewinn durch die Aktion noch über den Materialwert der Plastikzwerge. „Sauer über den Kunstklau ist der Künstler nicht“, schrieb die „taz“, um ihn abschließend zu zitieren: „Wenn du dich in den öffentlichen Raum begibst, kannst du auch darin umkommen. Wenn wir im Straßenverkehr die Regeln nicht beachten, ist es aus.“
Und so ist die einstmals eher lässige Konzeptkunst mittlerweile im Spießer-Modus angelangt.