Künstler im Lockdown: Anti-Darwin und Anarchismus

"Flachware" statt Performance: Die Münchner Künstlerin Patricia London Ante Paris setzt im Lockdown auf Selbstvermarktung.
| Roberta De Righi
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Dieses Acrylbild von Patricia London Ante Paris mit Flamingos im Starnberger See und einem exakten Voralpenpanorama mit Jochberg, Herzogstand, Heimgarten (von links) und dem Karwendel im Hintergrund kostet 2.800 Euro, dabei ist der Rabatt aber schon abgezogen.
Dieses Acrylbild von Patricia London Ante Paris mit Flamingos im Starnberger See und einem exakten Voralpenpanorama mit Jochberg, Herzogstand, Heimgarten (von links) und dem Karwendel im Hintergrund kostet 2.800 Euro, dabei ist der Rabatt aber schon abgezogen. © Künstlerin

München - Heuer ist zwar alles anders. Aber Patricia London Ante Paris lässt sich nicht unterkriegen. Eigentlich lädt die Münchnerin jedes Jahr in der Adventszeit in ihr Souterrain-Atelier in Possenhofen am Starnberger See ein. Doch nun muss die Weihnachtsausstellung Corona-bedingt ausfallen.

Weil London Ante Paris, die vor allem als Performance-Künstlerin bekannt ist, aber auf die Einnahmen durch ihre Kunst angewiesen ist, setzt sie in humorvollem Aktionismus auf virtuelle Vermarktung und lädt zum "Online-Xmas-Sale" - inklusive 20 Prozent Rabatt. Bestellen kann man per Mail unter patricialondonanteparis@yahoo.de, geliefert wird per Post - oder man kann die Erwerbung direkt abholen, sofern das die Lockdown-Regeln erlauben.

Performances zum Mitmachen? "Das geht seit Corona gar nicht"

"Ich mache ja viele Performances, bei denen das Publikum zum Mitmachen aufgefordert wird. Das geht seit Corona gar nicht, und wird bestimmt auch das nächste halbe Jahr noch nicht möglich sein." 2019 hatte London Ante Paris die "Perser Pentagon Performance" über die Perserkriege und die Münchner Räterepublik im Alten Botanischen Garten in Szene gesetzt.

Heuer im Februar veranstaltete sie zuletzt eine Performance mit hundert Leuten in der Villa Stuck. Zwei weitere partizipative Projekte eines im Wald und eines über den Schlaf, sind in der Planung bereits weit fortgeschritten und warten nun darauf, dass sie irgendwann 2021 stattfinden können.

Patricia London Ante Paris: die meiste Zeit im Atelier

Für die erste Corona-Künstlerhilfe war London Ante Paris dankbar und sie vertraut darauf, dass das neue Hilfsprogramm in Kürze wirklich startet. Aber Warten auf Godot ist nicht ihr Ding, darum nimmt sie weiterhin an Ausschreibungen für Kunst am Bau teil und bewirbt sich mit ihren Projekten um öffentliche Fördermittel. Wie schwierig die Situation im längerfristigen Lockdown für Künstler ist, zeigt auch, dass sich da die Konkurrenz vervielfacht hat.

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Weil sie sich um ihre Eltern kümmert und kein Infektionsrisiko eingehen will, ist sie seit Beginn des ersten Lockdown vorsichtig. Die Künstlerin hat sich den Umständen angepasst und verbringt die meiste Zeit im Atelier, mit der Produktion dessen, was man im Kunsthandel als "Flachware" bezeichnet.

2020 schuf die Künstlerin eine Reihe von Acrylbildern

Ihre aktuelle Produktion stellt sie unter das erst mal schräg klingende Motto "Reziproke Hilfe in der Tier- und Menschenwelt". Der Name bezieht sich auf eine Schrift des russischen Schriftstellers und Anarchisten Pjotr Kropotkin. Eine Art Anti-Darwin, dessen Theorie die Fähigkeit aller Lebewesen zum "gemeinschaftlichen, solidarischen Handeln" betont, erklärt London Ante Paris. Sein 1902 erschienenes Buch las sie vor über 30 Jahren - und hat es nun aus passendem Anlass wieder hervorgeholt.

2020 schuf sie eine Reihe von Acrylbildern, überwiegend heiter wirkende, aber völlig menschenleere Landschaften. So wie die "Flamingos am Starnberger See": Ein auf den ersten Blick pittoreskes Paradies - auf den zweiten ein unterschwellig bedrohliches Szenario. Denn wenn sich Flamingos im Voralpenland heimisch fühlen sollten, ist die Bedrohung durch die Klimaerwärmung bereits Realität geworden. Überhaupt sind die Konturen auf ihren Bildern der Serien "Posse" und "Void" wie gestochen und die Farben von einem fast giftigen Strahlen.

Patricia London Ante Paris: Ihre Kunst ist ein Weckruf

Wie an heißen Sommertagen scheint die Sonne einfach zu grell. Hier kippt die Oberland-Idylle ins Apokalyptische. Nach Corona ist vor der Klimakatastrophe. Dabei wirkt sie im Gespräch weder bedrückt noch verzweifelt, Patricia London Ante Paris: "Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch." Und ihre Kunst ist eher als ein plakativer Weckruf zu verstehen - in dem Sinne: Wir können das Ruder jetzt noch rumreißen!


Eine Liste mit Werken und Preisen kann unter patricialondonanteparis@yahoo.de angefordert werden.

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