KIZ in der Tonhalle

KIZ beweisen in der Tonhalle einmal mehr, dass auch intelligenter Rap gut klingen kann. Denn ihre Texte stecken voller Ironie und schwarzem Humor. Eine Konzertkritik.
| Laura Meschede
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KIZ - Hört man genauer hin, bemerkt man die beißende Ironie und den tiefschwarzen Humor in ihren Texten.
KIZ KIZ - Hört man genauer hin, bemerkt man die beißende Ironie und den tiefschwarzen Humor in ihren Texten.

KIZ beweisen in der Tonhalle einmal mehr, dass auch intelligenter Rap gut klingen kann.

München - Dumm, stumpf, sexistisch. Wörter, die man im Zusammenhang mit der Berliner Rap-Gruppe KIZ öfter zu hören bekommt. Ihre Lieder heißen "Hurensohn" oder "Ringelpiez mit Anscheißen", die Texte strotzen von Sex, Drogen und Gewalt.

Hört man jedoch genauer hin, bemerkt man die beißende Ironie und den tiefschwarzen Humor, die ihren Texten innewohnen. In "straight outta Kärnten" belustigen sie sich über den Tod des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider, in "Doitschland schafft sich ab" wird über Sarrazins (fast) gleichnamiges Buch hergezogen, und in ihrem WM-Song "Biergarten Eden" nehmen sie den deutschen Nationalstolz aufs Korn.

Doch nicht jeder versteht ihren Humor. Ein Phänomen, dass auch auf ihrem Konzert in der Tonhalle deutlich zu spüren ist. Als KIZ ins Publikum ruft: "Wir sind Papst", brüllt die Menge weitaus begeisterter, als in den Sekunden danach, in denen sie feststellen, dass ebenjener Papst aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft in der HJ vermutlich eher "in die Hölle kommt" - die Einleitung zu ihrem Lied "Hölle". (Wie in der Hölle fühlt man sich im unendlich überhitzten und stickigen Raum der Tonhalle leider auch.)

Sehr irritiert erscheinen große Teile des Publikums auch, als KIZ ein bisher nicht im Studio aufgenommenes Lied einspielen, in dem sie die Namen der verschiedenen in Deutschland aktiven Antifa-Gruppen einspielen. Der Track endet mit "Kommunismus, Kommunismus, Kommunismus jetzt" und ist vermutlich ausnahmsweise einmal nicht ironisch zu verstehen, da KIZ selbst öfter bei antifaschistischen Festivals auftreten.

Die Zuhörer jedoch wissen, was sie wollen - keine politischen Lieder, sondern den vielleicht größten Hit von KIZ, "Hurensohn". Gegen Ende des Konzerts werden die Rufe nach besagtem Track teilweise so laut, dass das aktuell gespielte Lied nicht mehr zu verstehen ist. Die Band scheint das ziemlich lustig zu finden, so spielen sie in einem ihrer Stücke abrupt eine Textzeile des gewünschten Stückes ein - um dann doch bei dem begonnenen Lied zu bleiben. Beim letzten Song erst haben sie Erbarmen. Der gewünschte Track wird gespielt, die Menge ist glücklich - und mein Beschluss, wiederzukommen, steht fest.

 

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