Kritik

Wunderbar: Warum „Obsession“ den klassischen Horror nicht bedient

Der Film von Curry Barker spielt den Wahnwitz einer durch Magie erzwungenen Beziehung durch und ist bereits eine Kinosensation
von  Florian Koch
Kein Paar auf Augenhöhe: Nikki (Inde Navarrette) und Bear (Michael Johnston).
Kein Paar auf Augenhöhe: Nikki (Inde Navarrette) und Bear (Michael Johnston). © Focus Features / UPI

Im Fall von „Obsession - Du sollst mich lieben“ muss man über Zahlen sprechen. Der Film hat weltweit bereits über 334 Millionen Dollar eingespielt - bei Kosten von nur 750.000 Dollar. Wie ist so ein Sensationserfolg überhaupt möglich? An der Prominenz der Beteiligten kann es, abseits einer gelungenen PR-Kampagne von Star-Produzent Jason Blum („Get Out“), jedenfalls nicht liegen.

Curry Barker, nur Insidern bekannt von seiner YouTube-Sketchreihe „that’s a bad idea“, ist genau wie sein Filmteam neu im Kinogeschäft - und erst 26 Jahre alt. Sein Film „Obsession“ trifft jedoch den Zeitgeist.

Gezwungen vereint: Inde Navarrette als Nikki und Michael Johnston als Bear
Gezwungen vereint: Inde Navarrette als Nikki und Michael Johnston als Bear © Focus Features

Die Generation Z - also die heute etwa 15- bis gut 30-Jährigen (grob die zwischen 1995 und 2010 Geborenen) - mischt mit ihren Stoffen mittlerweile das etablierte Hollywood auf.

Ein Wunsch, der das Leben verändert

Barker verhandelt mit „Obsession“ gewitzt und packend aktuelle Debatten um toxische Beziehungen, Konsens und männliche Verunsicherungen beim Dating.

Konsequent übernimmt der Film die Perspektive seiner Hauptfigur Bear (Michael Johnston). Dieser ist ein junger, etwas verhuschter Mitarbeiter in einem Musikgeschäft, der ganz vernarrt ist in seine charmante Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette).

Aber er ist doch zu feige, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Bears Befürchtung, bei Nikki für immer in der „Friendzone“ festzustecken, führt zu einer fatalen Entscheidung: den Einsatz eines „One Wish Willow“-Spielzeugs. Damit verzaubert er Nikki so, dass sie vor lauter Liebe zu Bear nicht mehr Herr des eigenen Verstandes ist. Aber anders als viele Mainstream-Genrefilme setzt Barker bei dieser erzwungenen Obsession auf lange Einstellungen, auf ein raffiniertes und unheimliches Spiel mit Unschärfen und Unwägbarkeiten.

Curry Barker, Inde Navarrette and Michael Johnston beim Screening von „Obsession“ im Hollywood Legion Theater
Curry Barker, Inde Navarrette and Michael Johnston beim Screening von „Obsession“ im Hollywood Legion Theater © IMAGO/MediaPunch

Die ästhetische Irritation spiegelt sich in den Figuren. Besonders Inde Navarrette brilliert als Nikki, die plötzlich nicht mehr sie selbst sein darf und geradezu „irre“ wird in ihrer magisch ferngesteuerten Beziehungs-Unterwerfung.

Und auch Bear, spannend weder als klarer Bösewicht noch als Opfer gezeichnet, spürt, dass diese domestizierte, zu Ausbrüchen neigende Nikki nur mehr äußerlich die Frau ist, die er einst so begehrt hat. Aus dem Traum wird schleichend ein Alptraum.

Aber wie heißt es doch (leicht abgewandelt) so schön: Wer zu spät Gefühle zeigt, den bestraft am Ende das Leben.

Kino: Cinemaxx, , Leopold, Mathäser sowie City, Monopol (OmU) und Cinema, Museum (OV)
R: Curry Barker (USA, 108 Min.)

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