"The Uprising": Wie Spiderman gegen Richard II. kämpft

Ende des 14. Jahrhundert sieht es nicht gut aus für das englische Königreich. Der Kindkönig Richard II. ist in der Hand seiner Berater, der Hundertjährige Krieg hat die Staatskassen geleert und die Bevölkerung leidet noch unter der wenige Jahrzehnte zurückliegenden Pest, der wahrscheinlich mindestens ein Drittel aller Einwohner zum Opfer fiel. Doch zur Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich erhöht der König die Steuern - mit historischen Folgen.
In der Coronazeit hat sich Regisseur Paul Greengrass ("Die Bourne Verschwörung“) seine Gedanken über Volkszorn und Regierungswillkür gemacht und landete schließlich beim englischen Bauernaufstand von 1381. Sein Drehbuch ist die Grundlage für seinen Film "The Uprising - für die Freiheit“ , der nicht nur zwei Millionen Euro Förderung vom Filmfernsehfonds Bayern erhielt, sondern auch komplett in Bayern gedreht wurde: hauptsächlich in Nürnberg und den Penzing Studios bei Landsberg, zudem in Bad Windsheim und in Lichtenau. Nürnbergs älteste Pfarrkirche St. Sebald diente dabei als Kathedrale von Canterbury, als Schloss Windsor, als Schlafgemach des Königs und als Schreibstube.

Ex-Spiderman führt die englischen Bauern an
Und damit dieses weit entlegene Thema vielleicht doch an der Kinokasse zündet, hat Greengrass ein paar prominente Mitstreiter gefunden, allen voran Ex-"Spiderman“ Andrew Garfield als Bauernanführer Ploughman und Jamie Bell ("Billy Elliot“) als flammender Prediger John Ball.
Als der Besuch eines besonders hartherzigen Steuereintreibers und seiner Soldaten in einer kleinen Bauerngemeinde in Gewalt eskaliert, gibt es für Ploughman und seine Mitstreiter keinen Ausweg mehr. Der Galgen ist dem Mann, der Frau und Kinder an die Pest verloren hat, gewiss. Aber auch auf andere Gemeinden ist der Funke der Rebellion übergesprungen.

Und so ziehen die bewaffneten Bauernhundertschaften zur dröhnenden Musik von Oscar-Preisträger Volker Bertelmann ("Im Westen nichts Neues“) entlang bayerischer Maisfelder Richtung London - auch wenn der Mais bekanntlich erst ein gutes Jahrhundert später mit Kolumbus nach Europa kam. Problematischer ist allerdings das Erzähltempo des mit 128 Minuten deutlich zu langen Films, der quasi in Schrittgeschwindigkeit diese Geschichte von Hoffnung und Verrat ausbreitet.
Der wehleidige Kindkönig wird zum Gewaltherrscher
Die Bauern - vereint im Hass auf die Regierung und in der Verehrung des "unschuldigen“ Kindkönigs - zwingen nach ihrem Sturm auf London den Regenten zum Versprechen, sie aus der Sklaverei der Gutsbesitzer zu befreien. Doch der vermeintliche Triumph mündet in ein finales Gemetzel, als genug königliche Truppen von anderen Schlachtschauplätzen zurückgekehrt sind, um den Bauernaufstand niederzuschlagen.
Optik und Ausstattung von „The Uprising - für die Freiheit“ sind gelungen, aber man wird sich an diesen Film vor allem wegen Woody Norman erinnern. Der bei den Dreharbeiten 16-jährige Darsteller verkörpert die Wandlung Richard II. vom wehleidigen Kindkönig zum eiskalten, maliziösen Gewaltherrscher absolut überzeugend.
R: Peter Greengrass (GB/D 128 Min.), Kinos: Mathäser, Monopol (OmU), Museum (OV)