Kritik

Wie ist der neue „Eberhofer“? „Steckerlfischfiasko“ in der AZ-Kritik

Das „Steckerlfischfiasko“ startet nach dreijähriger Eberhofer-Pause, bringt aber nur wenig frische Ideen. Es ist eher wie bei „Dinner for One“: das gleiche Verfahren wie immer.
Peter Gratz |
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Wer hat die Steckerlfische zerstört? Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) muss im Schaustellerkonflikt ermittlen.
Wer hat die Steckerlfische zerstört? Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) muss im Schaustellerkonflikt ermittlen. © Bernd Schuller (Constantin)

Alle Jahre wieder strömen die Menschen in Bayern und dem ganzen deutschsprachigen Raum im Sommer in die Kinosäle, um den neuen „Eberhofer“ zu sehen. Na gut, nicht ganz jedes Jahr, denn wegen der kurzzeitigen Kontroverse um künstlerische Freiheiten in der Adaption von „Rehragout-Rendezvous“ sind seit dem letzten Film mittlerweile drei Jahre vergangen. Nun bringt das Team um Regisseur Ed Herzog und Drehbuchautor Stefan Betz mit „Steckerlfischfiasko“ die zehnte Ausgabe ihrer Rita-Falk-Adaptionen ins Kino. Viel Neues ist ihnen in der Schaffenspause nicht eingefallen. Wenn man aber in den eigenen Erinnerungen kramt, hat man sich von den Dorfkrimis schon einmal besser unterhalten gefühlt.

Erschlagen im Wellnessbereich

Doch was ist diesmal los in Niederkaltenkirchen? Auf dem örtlichen Volksfest gibt es Stress zwischen der reichen, großbürgerlichen Gastronomiefamilie um den Steckerlfisch-Paulus (Christian Tramitz) und der grattligen Schausteller-Großfamilie Dottinger. Der Paulus wird in der Folge im eigenen Golfclub tot aufgefunden, erschlagen mit einem Siebener-Eisen. Das wäre einmal der Fall, für den sich der Film wie immer nur peripher interessiert.

Als Ursprung für eine etwas unmotivierte „Romeo und Julia in der Provinz“-Geschichte muss er aber dennoch herhalten. Im Privatuniversum rund um Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) kommt es wie gewohnt zu Konflikten. Diesmal, weil seine Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) mit vollem Einsatz und Ehrgeiz ihren Wahlkampf als Bürgermeister-Kandidatin durchzieht.

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Garniert wird das Ganze mit Franz’ Vater-Sohn-Beziehung und allerlei Anspielungen auf gesellschaftspolitische Themen, die aber meist platt hinüberkommen und ihr Potenzial nie voll entfalten. Natürlich sollen die Eberhofer-Filme keine tiefgründige Gesellschaftskritik sein, aber auch auf der Niederkaltenkirchen-Skala von „Gugelhupfgeschwader“ (0) bis „Dampfnudelblues“ (10) ist „Steckerlfischfiasko“ eher in Richtung Kuchen einzuordnen.

Der Flötzinger (Daniel Christensen) macht wie immer plump „die Weiber“ an, dieses Mal auf dem Golfplatz, wo er eine Sportskameradin mit dem Ball abschießt. Leider bleibt die Antwort der Golferinnen humoristisch ebenfalls auf Sandbunkerniveau. Geht der Cash-Cow langsam das inhaltliche Futter aus?

Golffieber in Niederkaltenkirchen: Simmerl (Stephan Zinner, l.) und Flötzinger (Daniel Christensen, r.) versuchen sich unter Aufsicht von Golflehrer Buengo (Castro Dokyi Affum, m.) auf dem Grün.
Golffieber in Niederkaltenkirchen: Simmerl (Stephan Zinner, l.) und Flötzinger (Daniel Christensen, r.) versuchen sich unter Aufsicht von Golflehrer Buengo (Castro Dokyi Affum, m.) auf dem Grün. © Constantin Film

Humoristische Abschläge in den Sandbunker

Dass Eberhofer in diesem Film weder Leberkäs isst noch raucht, ist die größte charakterliche Weiterentwicklung. Sonst ist er natürlich noch immer der Alte. Im Endeffekt bringt Ed Herzog die bekannten und auch durchaus charmanten Figuren permanent in verschiedenen Konstellationen auf Konfliktkurs. Sich beim zehnten Teil über fehlende Handlung zu beschweren, wäre allerdings unfair. Der Krimi ist spätestens in Teil vier oder fünf verloren gegangen und zu einer Art Nummern-Revue geworden.

Wenn dann aber die Gags nicht zünden und es die Ansammlung an Charakterköpfen allein auch nicht mehr retten kann, wird’s selbst nach Nicht-Krimi-Maßstäben anstrengend. Kleine Höhepunkte sind die Pärchen-Szenen zwischen Franz und Susi sowie die typische Eberhofer-Übertreibung, als er kurzerhand eine Litfaßsäule im Fluss versenkt. Sonst werden gewohnt verlässlich alle Klischees bedient, die sich nur finden lassen. Darüber hinaus haben die Autoren viele liebenswürdige Nebenrollen wie den Dorfarzt gestrichen oder auf ein Minimum reduziert.

Die neue Haushaltshilfe Julika (Lara Mandoki, 2. v.l.) muss sich bei Familie Eberhofer beweisen - Franz (Sebastian Bezzel), Leopold (Gerhard Wittmann), Oma (Enzi Fuchs) und Papa Eberhofer (Eisi Gulp) beim Testessen..
Die neue Haushaltshilfe Julika (Lara Mandoki, 2. v.l.) muss sich bei Familie Eberhofer beweisen - Franz (Sebastian Bezzel), Leopold (Gerhard Wittmann), Oma (Enzi Fuchs) und Papa Eberhofer (Eisi Gulp) beim Testessen.. © Constantin Film

Die Oma (Enzi Fuchs) ist wieder in eine andere Bleibe abgeschoben - dafür kommt eine neue Haushaltshilfe (Lara Mandoki) auf den Hof - und der Metzger Simmerl (Stefan Zinner) muss jetzt golfen. Sein Sohn bekommt nur kurze Leinwandzeit. Wahrscheinlich hat Ferdinand Hofer als neuer Chef im „Tatort“ zu viel zu tun.

Dafür darf der unsägliche Bürgermeister - aus dem Thomas Kügel noch das Beste herausholt - nun groß auftreten und es werden einige Details aufgebauscht. Da ist zum Beispiel der Running-Gag, dass der Birkenberger (Simon Schwarz) aufgrund eines Selbstversuchs fortwährend stinkt und von einer computergenerierten Fliege umschwirrt wird. Das ist zwar gewohnt schräg, aber spätestens ab dem zweiten Auftritt eher störend als lustig.

War das nicht schon geklärt?

Auch Sohn Paul (Pelle Küffner) - mit dessen Hochdeutsch tatsächlich sehr lustig umgegangen wird - rumpelt mit seiner Nebenstory rund um Geschlechterrollen und Umweltschutz eher zusammenhangslos in die Geschichte. Dass Jungs Ballett tanzen dürfen, ist spätestens seit dem Welterfolg von „Billy Elliot“ umfassend geklärt.

Pauls (Pelle Küffner) Herz schlägt für die Schnecken - zum Leidwesen von Julika (Lara Mandoki) und Leopold (Gerhard Wittmann).
Pauls (Pelle Küffner) Herz schlägt für die Schnecken - zum Leidwesen von Julika (Lara Mandoki) und Leopold (Gerhard Wittmann). © Constantin Film

Wenigstens taugt in diesem Handlungsstrang die große Finalszene als Wohlfühlkino und bringt der Hauptrolle massig Sympathiepunkte. Natürlich wird auch der Mordfall aufgeklärt, den man im Kino schon fast vergessen hatte. Franz muss schließlich die Quote halten. Egal, wahrscheinlich war’s eh der Gärtner.

Es war sicher nicht die Absicht der Autoren, aber oft wirkt „Steckerlfischfiasko“ wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, wie das Kabarettprogramm eines Komikers, der seine Inhalte modernisieren will, aber genau das Gegenteil erreicht. Eine bayerische Weisheit gilt aber natürlich weiterhin: Wer’s mog, für den ist es das Höchste.

R: Ed Herzog (D 99 Min); Kinos: Arena, Astor Lounge im Arri, Astor Lounge im Bayerischen Hof, Cadillac, Cincinnati, City Atelier, Gloria, Kino Solln, Leopold, Neues Maxim, Mathäser, Neues Rex, Rio, Royal

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