Was ist eine schwarze, romantische Dramödie? "Das Drama" mit Pattinson und Zendaya

Vor zwei Jahren haben sich der Museumskurator Charlie (Robert Pattinson) und die Buchhändlerin Emma (Zendaya) kennengelernt. In ein paar Tagen wollen sie heiraten. Die Vorbereitungen laufen: Der Hochzeitstanz wird mit einer humorlosen Choreografin eingeübt und das Essen in kleiner Runde mit einem befreundeten Paar vorgekostet. Es ist nur ein scheinbar harmloses Spiel - das aber alles zum Einsturz bringt.

Vor ihrer Hochzeit hätten sie sich gegenseitig die schlimmste Tat gebeichtet, die sie jemals begangen haben, erzählen die Gäste Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie). Die Neugier auf ein paar Jugendsünden ist in der angetrunkenen Runde groß. Mike erzählt von einem Urlaub, in dem er seine damalige Freundin als Schutzschild gegen einen bissigen Straßenköter vorgeschoben habe. Rachel hat als Kind einen geistig behinderten Nachbarsjungen in einem Wohnwagen allein im Wald eingeschlossen. Soweit so unschön.
Was hat sie verbrochen?
Aber das Geheimnis der Braut stellt alles in den Schatten. Schon der Trailer zum Film, der ihre Enthüllung mit einem kühnen Schnitt verschwieg und nur die Reaktionen der Freunde zeigte, löste im Netz Spekulationen aus. Die PR-Kampagne funktionierte, hat aber wenig mit dem tatsächlichen Spannungsaufbau des Filmes zu tun. Denn das Geheimnis ist nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt der Handlung und wird nach einer Viertelstunde gelüftet. Im Alter von fünfzehn Jahren hatte Emma ein schockierendes Verbrechen geplant und in letzter Sekunde nicht ausgeführt.

Rachel geht sofort auf Distanz zu ihrer Freundin. Der Bräutigam reagiert moderat, lässt sich am Morgen danach die Hintergründe erläutern - und bleibt dennoch verunsichert. Angstfantasien blitzen ebenso auf wie die Sehnsucht nach psychologischen Erklärungsmustern für die fast begangene Tat. Vor allem aber verliert Emma mit dem Makel aus der Vergangenheit im Denken und Fühlen des Mannes den Status der perfekten Lebensgefährtin, die er zu heiraten gehofft hatte. Emma wiederum ist eine Frau, die sich in ihrem Leben als Außenseiterin gefühlt hat und auch in einen Freundeskreis einheiratet. All dies steht nun durch die Enthüllung auf dem Spiel. Derweil treibt das Paar die zum Teil recht absurden Vorbereitungen für die Traumhochzeit weiter - und reitet sich immer tiefer ins emotionale Chaos hinein.
Pattinson und Zendaya haben sich frei gemacht von ihrer Filmvergangenheiten
Mit „Das Drama“ eröffnet der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli ein neues Subgenre: die schwarze, romantische Dramödie. Ebenso mitreißend wie humorvoll analysiert der Film die emotionalen wie moralischen Erwartungen einer modernen Paarbeziehung, die hier genussvoll destabilisiert wird. Mit Zendaya und Robert Pattinson hat Borgli zwei Stars, die sich mit klugen Rollenentscheidungen aus der Schublade ihres Mainstream-Images als Disney-Kinderstar (Zendaya) und Twilight-Vampirschönling (Pattinson) befreit haben. Mit Sein und Schein im Hollywood-Betrieb haben die beiden ihre eigenen Erfahrungen gemacht und sind auch deshalb prädestiniert für ihre Rollen als Brautpaar, das der ungeschönten Wahrheit ins Gesicht schauen muss.

Vollkommen uneitel spielt Pattinson den verzweifelnden Bräutigam mit einer linkischen Unbeholfenheit, während Zendaya Stärke und Verletzlichkeit ihrer Figur gleichermaßen glaubwürdig verkörpert. Beide arbeiten hier mit offenem Visier. Ihre ambivalente Performance passt zu einem Film, der gezielt nicht nach Perfektion strebt, sondern den sich überschlagenden Gefühlen seiner Figuren freien Lauf lässt und romantische Liebeskonzepte munter mit Fragen bewirft, ohne diese beantworten zu wollen.