Kritik

Warum "Masters of the Universe" an der Männlichkeitsfrage scheitert

Zwischen albern und martialisch: Das sündhaft teure Fantasy-Spektakel versucht, es der Wokeness und der Mattel-Tradition recht zu machen
von  Florian Koch
Ein Mann und sein Schwet: Nicholas Galitzine als Adam. Aber wann ist ein Mann ein Mann?
Ein Mann und sein Schwet: Nicholas Galitzine als Adam. Aber wann ist ein Mann ein Mann? © Sony

Das Hinterfragen von Geschlechterrollen am Beispiel einer Plastikpuppe: Greta Gerwig hat vor drei Jahren mit "Barbie" bewiesen, wie man ein 80er-Jahre-Rollenklischee dekonstruiert und von weiblicher Selbstermächtigung erzählt – und dabei doch alle Klischees bedient. Denn die Barbie-Marke Mattel blieb bei Gerwig aber etwas unkritisch unangetastet.

Fantasy-Mittelalter und Gegenwart im Spannungsverhältnis

Ganz ähnlich verhält es sich mit "Masters Of The Universe". Auch hier stammt die Vorlage von Mattel, die Zielgruppe sind aber Jungs. Millionenfach verkaufte Plastik-Figuren und eine Zeichentrickserie gingen voran. Nun versucht man eine Neuauflage fürs Kino. 170 Millionen Dollar hat der Fantasy-Spaß gekostet. Ob auch ein Erfolg wie bei "Barbie" herausspringt? Eher nicht. Die ironische Brechung mit dem Mythos "He-Man", diesem Macho-Muskelprotz mit Lendenschurz und Pagenschnitt, hat nicht den Hintersinn, die Stringenz und auch nicht die visuelle Finesse im Vergleich zu "Barbie".

: Camila Mendes, Nicholas Galitzine, Alison Brie und Morena Baccarin bei einem Screening in New York
: Camila Mendes, Nicholas Galitzine, Alison Brie und Morena Baccarin bei einem Screening in New York © IMAGO/ZUMA Press Wire

Holprig ist bereits der Einstieg, wenn der Zuschauer rabiat in die arg computeranimierte Cartoon-Welt auf dem Planeten Eternia gebeamt wird. Wie beim Marvel-Hit "Thor" trifft eine verkitschte Mittelalter-Kulisse hier auf schaurige Kostüme und abenteuerliche Kreaturen.

Mittendrin der zehnjährige Prinz Adam (Artie Wilkinson-Hunt): ein zarter Bursche, der von seinem Vater, König Randor (James Purefoy) aufgrund fehlender Krieger-Attitüde des Sohnes kritisch beäugt. Als aber ein Totenkopf tragende Bösewicht Skeletor (Jared Leto) ihre Burg Grayskull angreift, kann nur Adam mit einem Zauberschwert à la Excalibur durch ein magisches Portal auf die Erde fliehen. Dort macht der überlange Film von Travis Knight ("Bumblebee") eine durchaus amüsante Kehrtwende. Denn der mittlerweile erwachsene Adam (charismatisch: Nicholas Galitzine) hat es nun nicht mehr mit Monstern zu tun, sondern mit den Tücken unseres Alltags im Jahr 2026.

Adam (Nicholas Galitzine) und Teela (Camila Mendes).
Adam (Nicholas Galitzine) und Teela (Camila Mendes). © Sony

Sein naiver Charme zieht nicht bei Dates und auch beim verkrampften Teambuilding im Büro fällt der verzweifelt nach seinem abhanden gekommenen Schwert suchende junge Mann aus der Rolle. Als Adam in einem Comicladen endlich fündig wird, schickt Skeletor seine Häscher auf die Erde, um das mächtige Schwert an sich zu reißen.

Wenn der Actionheld plötzlich sensibel sein soll

Wie dieser völlig überforderte Wuschelkopf über Umwege wieder auf Eternia landet und sich mit Skeletor misst, hat in Ansätzen mehr zu bieten als die üblichen US-Blockbuster-Scharmützel. Denn Adam sieht sich nicht als Superheld, als "He-Man", er möchte mit den Bösewichtern erst einmal reden und seiner kämpferischeren Jugendfreundin Teela (Camila Mendes) auch mal den Vortritt lassen.

Sam C. Wilson spielt die Rolle des Trap Jaw.
Sam C. Wilson spielt die Rolle des Trap Jaw. © Sony

Der Film ringt immer wieder mit der Frage, was einen Mann denn heute ausmacht: Rückgrat zeigen, standhaft bleiben, für seine Liebsten kämpfen. All das steht auf der Checkliste. Aber eben auch Achtsamkeit, Empathie und Menschlichkeit: also nichts aus der heute so toxisch gesehenen Manosphere, aber auch wenig, was an den tumben Helden-Archetyp "He-Man" aus der Mattel-Vorlage erinnert.

(von links): Roboto (Kristen Wiig), Man At Arms (Idris Elba), Adam (Nicholas Galitzine), Teela (Camila Mendes) and Cringer.
(von links): Roboto (Kristen Wiig), Man At Arms (Idris Elba), Adam (Nicholas Galitzine), Teela (Camila Mendes) and Cringer. © Sony

Es stellt sich also die Frage, ob ein "Masters Of The Universe" heutzutage überhaupt verfilmt werden kann und muss, wenn die kultig-trashige Vorlage von einst selbst den Machern heute sichtlich peinlich ist.


Kino: Cinemaxx, Mathäser sowie Cinema, Museum Lichtspiele (OV), R: Travis Knight (USA, 142 Min.)

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