"Wakefield": Bryan Craston erhält CineMerit Award

Bryan Cranston erhält heute beim Filmfest den CineMerit Award und präsentiert seinen neuen Film "Wakefield".
| Dominik Petzold
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Bryan Cranston als "Wakefield": Es dauert nicht lang, bis der Anwalt Howard Wakefield so aussieht. Aber er fühlt sich gut dabei.
Filmfest München Bryan Cranston als "Wakefield": Es dauert nicht lang, bis der Anwalt Howard Wakefield so aussieht. Aber er fühlt sich gut dabei.

München - Da könnte er noch so viele Kinofilme drehen, Bryan Cranston wird diese Fernsehfigur nicht mehr los: den Chemielehrer Walter White, der in "Breaking Bad" zum Drogenbaron wird. Heute Abend wird Cranston beim Filmfest München mit dem CineMerit Award ausgezeichnet – für seine Verdienste um das Kino. Doch da schließt Festivalleiterin Diana Iljine sein Fernsehschaffen einfach mit ein, denn, so Iljine: "Serien sind längst großes Kino."

Mit Blick auf "Breaking Bad" müsste man ergänzen: Derart großes Kino gibt es im Kino nur alle Jubeljahre zu sehen. Und daran hat Cranston großen Anteil. Sein Walter White ist ein brillanter Chemiker, der sich aus der von ihm mitgegründeten Firma herausdrängen ließ. Sein Partner verdiente dann Milliarden, er als Highschool-Lehrer weniger. Walter White hat 7.000 Dollar auf dem Konto und Krebs.
Um seine Familie abzusichern, beginnt der Meisterchemiker die synthetische Droge Crystal Meth herzustellen, und zwar so hochwertig, dass sie den Markt aufrollt. Das Ergebnis: Gewalt, Gefahr, Tote – und die Chance, doch noch ein Imperium aufzubauen, diesmal ein illegales.

Der weißwestige Herr White wird allmählich böse - oder doch nicht?

Auf dem Weg dahin wird Cranstons Figur in subtilen Schritten härter, männlicher, die schlaffe Körperhaltung strafft sich, sein Habitus strahlt zunehmend Selbstvertrauen aus. Der weißwestige Herr White wird allmählich böse – oder doch nicht, zumindest nicht ganz?
Wie lange der spießige Vater nur seine Familie versorgen möchte, wie lange ihn Umstände und Verwicklungen zu immer neuen Verbrechen treiben, ab wann er skrupellos Macht und Selbstverwirklichung anstrebt: Das lässt sich auch bei mehrmaligem Ansehen nicht sagen, nicht mal annähernd. Das ist auch Cranstons Darstellungskunst zu verdanken.

So sieht "Wakefield" anfangs aus. Foto: Filmfest München

Dass Showrunner Vince Gilligan ihn überhaupt für die Rolle wollte, war überraschend: Cranston hatte sich bis dahin einen Ruf als Komödiant erarbeitet. Auf dieses Fach hatte sich der Sohn eines Schauspieler-Ehepaars schon in der Ausbildung konzentriert – in seiner zweiten Ausbildung übrigens. Zunächst war er auf der Polizeischule.
Den Durchbruch als Komödiant hatte er als Zahnarzt in einigen "Seinfeld"-Folgen in den Neunzigern. Bekannt wurde er als Titelfigur der Sitcom "Malcolm Mittendrin", die von 2000 bis 2006 gedreht wurde, zum Star ab 2008 in "Breaking Bad", mit über Fünfzig. Danach kamen die KinoHauptrollen: Er spielte US-Präsident Lyndon B. Johnson in "All the Way" und einen Undercover-Agent im Thriller "The Infiltrator". Für seine Rolle als Drehbuchautor "Trumbo", der ins Fadenkreuz des McCarthyismus gerät, erhielt er eine Oscar-Nominierung.

Cranston spielt einen Anwalt der zum Penner wird

Die Filme sind alle auf dem Filmfest zu sehen – wie auch der neue Film "Wakefield" von Robin Swicord, den Cranston heute bei der Verleihung des CineMerit Award vorstellt.
Darin spielt er den Anwalt Howard Wakefield, der aus einer Laune heraus am Feierabend nicht zu seiner Frau und den Teenie-Töchtern heimkehrt, sondern im Dachboden gegenüber campiert. Und dort einfach bleibt, die Familie beobachtet und ebenso schnell wie gutgelaunt zum Penner wird. Befreit von allen Zwängen findet er ganz zu sich. Und merkt vor allem: Als vermisster Vater hat er Macht über seine attraktive Frau (Jennifer Garner). Vorher hat sie ihn ignoriert, nach seinem Verschwinden sorgt sie sich erst aufrichtig, dann steckt sie in der Rolle als potenzielle Witwe fest. Und Wakefield beobachtet das voller Genuss.

Der Plot des Mannes, der sein Leben auf Stopp stellt und den anderen beim Weiterleben zusieht, hat durchaus seinen Reiz. Doch er trägt die 108 Minuten nicht – die Vorlage ist eine Kurzgeschichte, das merkt man dem Film bald an. Und die Auflösung der spannenden Situation ist dann außergewöhnlich unbefriedigend.
Bryan Cranston aber ist toll: Wenige wortlose Szenen des Nachhausewegs reichen, um zu zeigen, wie unzufrieden der Anwalt mit seinem Leben ist. Und dann kann man fast körperlich nachempfinden, wie der Aussteiger sich auf dem Dachboden blitzartig entspannt.


Die CineMerit-Verleihung ist ausverkauft. "Wakefield" läuft noch am 24.6., 20 Uhr, und am 28.6., 15.30 Uhr, jeweils HFF. Zwei "Breaking Bad"-Folgen heute um 20 Uhr in der HFF.
Weitere Filme mit Bryan Cranston: www.filmfest-muenchen.de

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