Kritik

"Vaiana“: Warum jetzt als Spielfilm?

Disney wagt sich an eine teure Neuverfilmung. Die Schauspieler sind erfrischend, aber...
von  Florian Koch
In ihrem unverbrauchten Gesicht zeichnen sich alle Sorgen und Träume der 16-jährigen Prinzessin ab, die so gerne eine Seefahrerin wäre: Catherine Laga’aia.
In ihrem unverbrauchten Gesicht zeichnen sich alle Sorgen und Träume der 16-jährigen Prinzessin ab, die so gerne eine Seefahrerin wäre: Catherine Laga’aia. © Disney

„Wo ist der Sinn?“ „Hat Disney denn gar keine Ideen mehr?“ Die Reaktionen der Fans auf den ersten „Vaiana“-Trailer waren heftig. Im Zentrum der Kritik stand aber gar nicht die alberne, an britische Richter erinnernde Perücke von Hauptdarsteller Dwayne Johnson. Das Problem liegt tiefer und greift die rein auf Gewinnmaximierung gewählte Ausrichtung des Disney-Konzerns an. Denn Zeichentrickfilme wie „Das Dschungelbuch“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Schneewittchen“ gehören zu den unzerstörbaren Klassikern aus dem Disney-Kanon.

Diese Filmschätze werden aber seit Jahren Stück für Stück in sündhaft teure Realverfilmungen für ein neues Kinopublikum überführt. Was dabei häufig fehlt, ist der Charme, der Witz, die Patina der Originale, auch weil man mit Animationen eben doch viel freier Spielerisches erzeugen kann.

Dwayne Johnson, Actionstar und schon Sprecher des Halbgottes Maui im Original, war als Produzent einer der Triebfeder für das 1:1-Remake.
Dwayne Johnson, Actionstar und schon Sprecher des Halbgottes Maui im Original, war als Produzent einer der Triebfeder für das 1:1-Remake. © Getty Images for The Walt Disney Company

Aber nostalgischen Zuckerguss muss man bei „Vaiana“ erst gar nicht suchen. Der Animationsfilm, der mit eingängigen Songs und in wunderbar satten Farben die polynesische Kultur feierte, ist erst zehn Jahre alt. Die Frage nach dem Warum einer Realverfilmung ist daher umso berechtigter. Sehr rätselhaft ist nun die filmische Antwort.

Variationen muss man mit der Lupe suchen

Ähnlich wie im letzten Jahr bei „Drachenzähmen leicht gemacht“ von der Universal-Studio-Konkurrenz wird kaum ein Jota am Original geändert. Plot, Dialoge, ja sogar ganze Szenenfolgen gleichen einer filmischen Mimikry. Variationen muss man mit der Lupe suchen, sie finden sich bestenfalls in Details wie in der ersten Gesangseinlage von Maui. Dwayne Johnson, Actionstar und schon Sprecher des Halbgottes Maui im Original, war als Produzent einer der Triebfeder für das 1:1-Remake.

Dwayne Johnson as Maui.
Dwayne Johnson as Maui. © DISNEY

In Interviews erklärt der ehemalige Wrestler, dass sich Gefühle viel besser transportieren lassen, wenn man es mit echten Menschen zu tun hat. Hier macht Johnson durchaus einen Punkt. Am stärksten ist die Neuverfilmung, wenn sich Maui - gelungen selbstironisch verkörpert von Johnson selbst - und Vaiana (Newcomerin Catherine Laga’aia) begegnen, miteinander frotzeln und auch zoffen. Vor allem Catherine Laga’aia ist ein Gewinn.

Umso mehr irritieren die blassen Farben

In ihrem unverbrauchten Gesicht zeichnen sich alle Sorgen und Träume der 16-jährigen Prinzessin ab, die so gerne eine Seefahrerin wäre, der Vater (John Tui) es ihr aber aus Sorge verbietet.

Catherine Laga'aia als Vaiana und Pua das Schwein.
Catherine Laga'aia als Vaiana und Pua das Schwein. © DISNEY

Vaianas Lust, den Aufbruch zu wagen, sich dabei selbst zu finden und ihr bedrohtes Inselvolk gemeinsam mit dem eingebildeten Zauderer Maui zu retten, hat durchaus die positive Energie des Originals.

Wo das Remake aber deutlich abfällt, ist in seiner Visualität. Während der Animationsfilm auf ganzer Linie mit einer herrlich warmen Bilderflut überzeugt, bleibt die Neuverfilmung Stückwerk. Der Dreh auf Hawaii, die Nachbauten von Dörfern und Booten haben etwas gelungen Haptisches, Greifbares.

Umso mehr irritieren die blassen Farben und die mäßigen Computeranimationen. Beispiele dafür finden sich viele, wie die künstlich am Rechner erzeugte Riesenkrabbe Tamatoa, die den Zuschauer eher aus der Geschichte wirft als Gefahr ausstrahlt. Und als hätte Johnson gewusst, dass hier etwas nicht ganz stimmig ineinandergreift, hat er voreilig bereits einen weiteren „Vaiana“-Film angekündigt: diesmal wieder als Animationsfilm.

Kino: Cinemaxx, Mathäser Royal, R: Thomas Kail (USA, 115 Min.)

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