Übermenschlich, ohne wahren Schluss: "Unbroken"

"Unbroken": Angelina Jolie verfilmt die Heldengeschichte eines amerikanischen Olympioniken im zweiten Weltkrieg - und schafft nur Pathos und Gewalt
| Margret Köhler
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47 Tage im Schlauchboot und dann vom Feind aus dem Pazifik gefischt: (von links: Finn Witrock, Domhnall Gleeson und Hauptdarsteller Jack O’Connell).
UPI 47 Tage im Schlauchboot und dann vom Feind aus dem Pazifik gefischt: (von links: Finn Witrock, Domhnall Gleeson und Hauptdarsteller Jack O’Connell).

„Das Beste kommt zum Schluss!“ Diese Schlussverkauf-Werbung passt auch auf Angelina Jolies Regiearbeit über Louie Zamperini, der entsprechend dem Titel „Unbroken“ als ungebrochener Held ein Martyrium überlebt. Der Sohn italienischer Einwanderer erduldet in seiner Jugend wegen seiner Herkunft Spott und Prügel, droht in die Kriminalität abzugleiten, bis sein Bruder sein Lauftalent entdeckt.

Bald stellt der Junge Rekorde auf und nimmt an der Olympiade 1936 in Berlin teil, hofft auf einen zweiten Versuch vier Jahre später. Der Zweite Weltkrieg zerstört diesen Traum. Als Bomberpilot wird er über dem Pazifik abgeschossen, treibt 47 Tage auf dem Meer, gerät in japanische Gefangenschaft und ins Visier eines sadistischen Kommandanten.

Depression, Glaube und Versöhnung: Warum lässt Jolie das weg?

„Halte durch, dann kommst du durch“, dieser Satz lässt ihn nicht aufgeben. Wirklich interessant ist aber nur der Abspann, in dem kurze Texttafeln und Bildern über das informieren, was nach dem Krieg geschah – post-traumatischer Stress, Trost im Glauben, Versöhnung mit dem Feind (nur der Oberbösewicht verweigert sich), Teilnahme am Olympischen Fackellauf als 81Jähriger 1998 im japanischen Nagano…

Die 137 Minuten vorher könnte man sich sparen, trotz hervorragender Kamera und Ausstattung. Dass die Coen-Brüder am Drehbuch mitgeschrieben haben sollen nach der Vorlage der Biografie von Laura Hillenbrand mag man fast nicht glauben. Dabei wäre das Leben dieses Mannes Stoff für eine Leinwandlegende.

Jolie aber interessiert sich leider in ihrem drastischen Durchhalte-Epos zu wenig für die Entwicklung ihrer Hauptfigur (Jack O‘Connell mit noch ausbaufähiger Mimik), hakt statt dessen brav Stationen ab und ergötzt sich an Folterszenen, denen sich das Opfer in großer Leidensfähigkeit stellt und gegen Ende zur Christusfigur überhöht wird. Die Hymne auf menschliche Willenskraft erstickt in Pathos und Stereotypen amerikanischer Heldenklischees. Das hat der erst im Juli 2014 verstorbene Louie Zamperini nicht verdient.

Kino: Royal, Mathäser und Cinema (OV) R: Angelina Jolie (USA, 137 Min.)

 

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