"The History of Sound": Wenn Musik verbindet und Liebe bleibt

Paul Mescal und Josh O'Connor kommen sich in "The History of Sound" durch die gemeinsame Leidenschaft für Folkmusik näher. Der Film ist nicht nur eine queere Liebesgeschichte.
von  (jom/spot)
Lionel (Paul Mescal, re.) und Kommilitone David (Josh O'Connor) kommen sich durch ihre gemeinsame Musikleidenschaft näher.
Lionel (Paul Mescal, re.) und Kommilitone David (Josh O'Connor) kommen sich durch ihre gemeinsame Musikleidenschaft näher. © © Fair Winter LLC. All Rights Reserved.

"Gladiator II"-Star Paul Mescal (30) und "Challengers - Rivalen"-Darsteller Josh O'Connor (35) tauchen in "The History of Sound" (ab 9. April im Kino) als Musikstudenten in die Welt der Folkmusik ein. Auf einer gemeinsamen Reise spüren sie nicht nur einen großen Schatz an traditionellen Liedern auf, die Wanderung durch die Wälder vertieft auch ihre Beziehung. Doch die unterschiedlichen Lebenswelten der beiden Männer trennen sie wieder voneinander.

Die Musik als verbindendes Element

1917 zieht es den talentierten Sänger Lionel (Paul Mescal) von seiner Familienfarm in Kentucky an die Ostküste, wo er sich am Boston Conservatory der Musik widmet. Kommilitone David (Josh O'Connor) ist berührt von seiner Stimme und seiner Liebe zu Folksongs und die beiden kommen sich näher. Doch dann verlässt David Boston und muss als Soldat an die Front.

Einige Jahre später bittet David Lionel in einem Brief darum, ihn auf einer Reise durch das ländliche New England zu begleiten, um mit einem Phonographen die Lieder der Ortsansässigen aufzuzeichnen und so für immer zu bewahren. Die beiden Männer erleben berührende Begegnungen mit den Menschen und genießen auf ihrer Reise innige Zweisamkeit. Nach der Wanderung trennen sich die Wege der beiden wieder und ihre Schicksale nehmen einen ungeahnten Verlauf.

Einen großen Teil der Geschichte nehmen die Musik und ihre Ursprünglichkeit ein. Der Zuschauer wird daran erinnert, wie privilegiert und selbstverständlich die moderne Welt mit der Verfügbarkeit von Musik heute umgeht. Die Faszination, Lieder in Ton festzuhalten und zu jedem erdenklichen Zeitpunkt hören zu können, ist im Film noch groß. Die Menschen, die Lionel und David mit ihrem Phonographen und den aufzeichnenden Wachszylindern in ihren Wohnzimmern besuchen und durch die Musik eine Verbindung zu ihnen aufbauen, liefern berührende Momente. Das Vortragen der Lieder, die in ihren Familien oft über Generationen weitergetragen wurden, übernehmen sie sichtlich mit viel Hingabe.

Jedes dieser Lieder der Bewohner sowie die von Lionel und David zum Besten gegebenen Songs haben ihre ganz eigene kleine Geschichte mit den unterschiedlichsten menschlichen Emotionen inne. So erzählt etwa "Silver Dagger" über Herzschmerz und einen abgewiesenen Verehrer oder "Here in the Vineyard" über göttliche Hoffnung. Und auch die Geschichte von David und Lionel ist letztlich selbst wie einer dieser Songs.

Liebe in Schönheit und Tragik

Paul Mescal liefert eine bewegende Darstellung eines Mannes, der zwischen der Suche nach seiner beruflichen wie privaten Bestimmung steht. Er sehnt sich immer wieder zu den befreienden Momenten der Reise zurück, weiß jedoch auch um die Verpflichtungen auf der elterlichen Farm und will gleichzeitig seiner musikalischen Bestimmung nachgehen. Lionel kommt man emotional näher als David, der - vom Krieg und seiner schwierigen Kindheit gezeichnet - nur selten hinter seine Fassade blicken lässt und bei dem erst am Ende die Schmerzen seiner Seele offenbart werden.

In der Beziehung der beiden geht es weniger um die Konventionen, das Unterdrücken oder Verstecken ihrer Liebe. Es ist keine fesselnde Liebe voller Leidenschaft, sondern eine sanfte Verbindung, die durch die Chemie der beiden Schauspieler auch ohne viele Liebesszenen deutlich wird. Letztendlich ist die queere Liebesgeschichte eine Geschichte, die universell auf Partnerschaften blickt. Es geht um verpasste Chancen, um Reue, Dinge vielleicht unausgesprochen gelassen zu haben und um die Schönheit sowie Tragik von Liebe.

Fazit

Regisseur Oliver Hermanus und Ben Shattuck, der das auf seiner gleichnamigen Kurzgeschichte basierende Drehbuch schrieb, gelingt mit "The History of Sound" ein berührendes Drama, das eine Liebesgeschichte mit den nahbaren Geschichten der Folksongs verbindet. Durch die ruhige Erzählweise kann sich nicht nur die Aura der Schauspieler vollends entfalten, sondern auch die Lieder und deren eigene Geschichten. Die Schauplätze im ländlichen Amerika aber auch in Italien und England sorgen für eine visuelle Vielfalt und atmosphärisch starke Bilder, die das Drama gelungen abrunden.

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