Kritik

"The Death of Robin Hood": Warum der Film ein grausames Desaster ist

Hugh Jackman macht ohne Sinn und Verstand aus unserem Helden einen abstoßenden Mörder
Florian Koch |
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Zielt auf den Mythos: Hugh Jackman hinter ganz viel Schminke und Bart in „The Death of Robin Hood“
Zielt auf den Mythos: Hugh Jackman hinter ganz viel Schminke und Bart in „The Death of Robin Hood“ © Aidan Monaghan

Die Flüsterpost ist ein bis heute beliebtes Kinderspiel. Denn häufig kommt am Ende ein Begriff oder Satz heraus, der den Posteingang kurios verdreht. Das Verdrehen von Geschichte und der Umgang mit falscher Legendenbildung steht auch im Zentrum von "The Death of Robin Hood".

Auf den ersten Blick hat eine radikale Neuerzählung vom Mythos des "Rächers der Armen und Schwachen" daher durchaus Sinn. Denn einen Robin Hood gab es filmisch bereits als netten Fuchs in der DisneyAnimation, in Realverfilmungen als lässigen Meister des Fechtens (Errol Flynn), als Fantasy-Helden (Kevin Costner) und in einer Parodie (Mel Brooks’ "Helden in Strumpfhosen").

Robin Hood nur als Marketing-Name und sinnlos grausam

Nun also Hugh Jackman als zauseliger Robin-Hood-Opa, der "müde" ist, abgekämpft, ein Einsiedler im neblig verhangenen keltischen Mittelalter des 13. Jahrhunderts. Und ein Mann, der es satthat, als Held bezeichnet zu werden, weil er doch weiß, dass er vielmehr ein Meuchelmörder war: Ja, er hat die Reichen bestohlen, aber nie die Armen beschenkt.

Ein bisschen erinnert der grummelige Außenseiter an den schweigsamen Trüffelsammler Rob, den Nicolas Cage so brillant in "Pig" verkörpert hat. In "The Death of Robin Hood" zeigt sich Regisseur Michael Sarnoski diesmal aber weit weniger sanftmütig und reflektiert. Und die These des Untertitels des Films - "He was no hero" - ist allein einfach zu wenig, wenn sie nicht intelligent unterfüttert wird.

40 Minuten lang kann man hier einen Robin Hood beobachten, der angestachelt von seinem alten Gefährten Edward alias "Little John" (Bill Skarsgård) noch einmal loszieht, um dessen gefangene Familie zu befreien. Die nun folgenden, unbegreiflich schon ab 16 Jahren freigegeben und an "The Northman" erinnernden Gewaltdarstellungen reichen vom Pfeil in den Kopf schießen bis zum Kiefer rausreißen. Und man fragt sich, ob dieses ekelhaft selbstgefällige sich weiden in Grausamkeiten mit dem Namen Robin Hood einfach nur aus Marketinggründen verknüpft ist.

In der zweiten Hälfte klärt sich dann das Bild etwas, sehen wir einen schwer verwundeten Robin Hood, der in einem abgelegenen Kloster nach Erlösung schmachtet. Brigid (Jodie Comer), eine an Hildegard von Bingen angelehnte, traumatisierte Nonne kümmert sich ausgiebig um diesen Schmerzensmann. Die Erholung nach dem Aderlass führt beim anonym bleibenden Robin endlich dazu, sich mit seiner unrühmlichen Vergangenheit zu beschäftigen. Robins Gespräche aber mit einem Leprakranken (Murray Bartlett) und der gezeichneten Tochter von Little John (Katie Breen) wirken aufgesetzt, unnatürlich und taugen in erster Linie als eine moralinsaure Entschuldigung für die anfänglichen Gewaltexzesse.

Warum man diesem hier unrühmlich gezeichneten Kindermörder überhaupt einen Film widmet, erklärt sich bis zum grausam verkitschten Ende nicht. Robin Hood bleibt uns abscheuerregend fremd. Egal wie man Robin Hood sieht - verklärend, historisch oder kritisch: Das hier hat Robin Hood nicht verdient.

Kino: City, Monopol, Mathäser, sowie Museum (OV)
R: Michael Sarnoski
(USA, 123 Min.)

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