"Suffragette": Wir lassen uns nicht niederknüppeln

„Suffragette“: Ein britischer Film zeigt die sich radikalisierende Frauenrechtsbewegung in der Belle Époque.
| Adrian Prechtel
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Nur noch einen Steinwurf vom Sieg entfernt? Carrey Mulligan als Londoner Wäscherin Maud, die merkt, dass Worte nicht mehr ausreichen und jetzt Taten her müssen.
Concorde Nur noch einen Steinwurf vom Sieg entfernt? Carrey Mulligan als Londoner Wäscherin Maud, die merkt, dass Worte nicht mehr ausreichen und jetzt Taten her müssen.

Gute Unterhaltung darf nicht zu bequem sein. Manche Filme wiederum verwechseln agitative Aufklärung mit Kunst. Auch dem britischen Film „Suffragette“ der Regisseurin Sarah Gavron ist im Problemfeld aus Geschichtsfilm, Frauen- und Sozialdrama keine allzu packende Positionierung gelungen.

Und die Starbesetzung mit Meryl Streep (mit einem kurzen Gastauftritt als Emmeline Pankhurst, dem geistigen, hier aber allzu mütterlichen Kopf der Frauenrechtsbewegung) sowie Helena Bonham Carter und Carey Mulligan kam vielleicht eher wegen des wichtigen Frauenthemas als durch überzeugende filmische Qualität zustande.

Erzählt wird die Geschichte der Wäscherin Maud (Carrey Mulligan) in London vor dem Ersten Weltkrieg, die sich radikalisiert. Denn zunehmend wird sie mit den herrschenden Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen konfrontiert: verschiedener Lohn bei gleicher Arbeit, sexuelle Ausbeutung und ein einseitiges Scheidungs- und Sorgerecht. Erst fliegen Steine in Schaufenster, dann werden Bomben gelegt – und letztlich bedarf es sogar Märtyrerinnen, um die große Aufmerksamkeit der Medien für die wichtige Sache zu erzwingen: „No Law-Breakers, but Law-Makers!“ – wir sind keine Gesetzesbrecher, wir wollen Gesetzesmacher sein!

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„Suffragette“ zeigt das alles bis hin zur Zwangsernährung beim Hungerstreik im Frauengefängnis. Aber alles bleibt seltsam sanft erzählt, als ob die Regisseurin mit angezogener Handbremse erzählen wollte, um nur ja niemanden zu verstören. Aber genau das hätte den Film interessant machen können. Denn nicht allzu vielen dürfte die Radikalität des Frauenrechts-Kampfs vor gut hundert Jahren so bewusst sein.

Verschieden reagierende Männertypen werden herum gruppiert: der sympathische, aber ängstlich überforderte Ehemann (Ben Wishaw), der unterstützende, moderne Ehemann der Apothekerin (Bonham Carter) und der immer mehr an der harten Verhinderungslinie der Regierung zweifelnde Polizeipräsident (Brendan Gleeson). Am Ende läuft im Abspann eine Zeittafel: darauf die Jahreszahlen, wann verschiedene Staaten das Frauenwahlrecht eingeführt haben.

Durch die umwälzende Wirkung des Ersten Weltkriegs war Deutschland 1919 da gar nicht so spät dran, auch wenn ein gerechteres Ehe- und Familienrecht noch bis zur sozialliberalen Koalition warten musste.   


Kino: ABC, Atelier, City, Solln, Rio, sowie Museum (OV), R: Sarah Gavron (BG, 106 Min.)

 

 

 

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