"Straight outta Compton" mit Dr. Dre und Ice Cube

Der Überraschungserfolg „Straight outta Compton“ erzählt die Geschichte des Rap
| Adrian Prechtel
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Szene aus "Straight outa Compton"
UIP Szene aus "Straight outa Compton"

Los Angeles, Ende der 80er Jahre, ein kleines Musikstudio. Drei Rapper und zwei DJs putschen sich auf, arbeiten immer wieder an den dunklen Beats, den bissigen Texten. Doch irgendwann ist die Luft raus, Zeit für eine Pause. Doch die wird Dr. Dre, Ice Cube, Eazy-E, MC Ren und DJ Yella nicht gewährt. Die Polizei rückt an, zwingt die jungen Männer brutal auf den Boden, sucht hektisch nach Drogen. Plötzlich funkt der weiße Manager der Crew dazwischen, erklärt, dass seine Schützlinge doch nur Musik machen würden. Keine Chance. Die Erniedrigung in aller Öffentlichkeit ist noch nicht zu Ende, der einzige schwarze Polizist schaut weg.
Die Musiker-Biografie „Straight outta Compton“ steckt voller solcher aufwühlenden Szenen. Aber besonders hier wird deutlich, warum die längst aufgelöste Rap-Combo „N.W.A“ bis heute nichts von ihrem Feuer und ihrer Bedeutung für viele farbige Jugendliche verloren hat.


Eazy-E (Jason Mitchell) will mehr sein als ein windiger Drogendealer im Ghetto-Vorort Compton. Bald schart er kreative „Niggaz Wit’ Attitude“, Schwarze mit Haltung, um sich: das eloquente Reimemonster Ice Cube (O’Shea Jackson Jr, der Sohn von Cube) und der in sich gekehrte Soundtüftler Dr. Dre (Corey Hawkins). Ihr Ziel ist es, der Obrigkeit und besonders der brutal vorgehenden Polizei den kreativen Mittelfinger zu zeigen – nebenbei aber auch mit launigen Geschichten vom Ghettoalltag zu unterhalten.
Wie es das Klischee will, werden die rappenden Grünschnäbel mit ihrer Platte „Straight outta Compton“ und Hits wie „Fuck the Police“ rasend schnell berühmt, weil sie Amerika den Finger in die Rassismus-Wunde legen. Doch reich werden nur Eazy-E und sein dubioser weißer Manager Jerry Heller (Paul Giamatti). Kein Wunder, dass es die Gruppe bald zerreißt, beim Geld hört die gemeinsame „Attitude“ nämlich auf.


F. Gary Grays „Straight outta Compton“ hätte ein großer Film werden können, Musik, Sprache, Kleidung, Schauspieler – bis zur fettesten Goldkette wirkt alles authentisch. Doch die Betonung liegt auf wirkt. Denn produziert haben ihn Dr. Dre und Ice Cube. Einst wütende Hiphopper aus ärmlichsten Verhältnissen, heute millionenschwere Unternehmer. Wenig verwunderlich, dass ihr Legenden-Status nicht angekratzt werden darf.
Und so wirkt der Rap-Reißer gerade im Mittelteil wie eine plumpe Heldenverehrung, wird unterschlagen, dass Drogen, Waffen und Erniedrigung von „Bitches“ nicht nur in den „N.W.A.“-Texten eine manchmal unappetitliche Rolle spielten. Nun musste sich Dre öffentlich sogar für sein im Film ausgespartes frauenfeindliches Verhalten entschuldigen. Dem sensationellen US-Kinoerfolg tat das keinen Abbruch. Denn die brav chronologisch erzählte Rap-Biografie hat nach den Unruhen in Ferguson und erschütternden Parallelen zum damaligen Fall Rodney King gerade bei schwarzen Jugendlichen einen Nerv getroffen.
Und das können im Blockbuster-Sommer nicht viele Filme von sich behaupten.

  
Kino: Mathäser und Leopold (auch OmU), Cinemaxx (auch OV), Cinema und Museum (OV)
R: F. Gary Gray (USA, 147 Min.)

 

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