Sportfreunde Stiller: Neue Doku zeigt die Band privat wie nie
"Klar, man kann sich immer vergleichen mit jungem, neuem Zeug, das aufkommt, aber ich finde, es ist ein total toller Schatz, wenn man auf dreißig Jahre zurückschauen kann - und die Geschichte aber auch noch weiterzuschreiben", sagt Peter Brugger, Sänger und Gitarrist der Band Sportfreunde Stiller im Dokumentarfilm "Mit dem Herz in der Hand". Der Film ist seit dem 28. Mai in der ARD Mediathek verfügbar und am 10. Juni 2026 um 22 Uhr im BR Fernsehen zu sehen.
Regisseur Thorsten Berrar ("Die Viva Story") hat auch das Drehbuch geschrieben: Es zeigt im Schnelldurchlauf drei Jahrzehnte Rock’n’Sport, präsentiert die wesentlichen Stationen der in Germering beginnenden Bandgeschichte, lässt wichtige Zeitzeugen zu Wort kommen und schafft viel Raum für die nachdenklichen, die stillen Stiller.
Vor einem Vierteljahrhundert schon schrieb "Der Spiegel": "Die Band, die als Partywitz im Jugendzentrum von Germering begonnen hatte, löste in ihrer Heimatstadt eine Begeisterung aus, die bei Konzerten fast an Hysterie grenzt."
Warum sie keine Fußball-Band sein wollten
"Scheiße, hätten wir doch einmal mehr geprobt"
Der Film zeigt eindrücklich, wie diese im Germeringer "Knast" (heute "Cordobar") entstandene Begeisterung mit den Jahren ganz Deutschland erfasste. Fast von Anfang an mit dabei war der vierte Sporti, Manager Marc Liebscher, der nicht wahrhaben wollte, dass das Vorstadt-Trio namens "Endkrass" schon nach einem Gig Schluss machen wollte.
Die Band produzierte harten Indie-Rock, tingelte durch die Lande und weckte die Aufmerksamkeit von Major-Labels. Wesentlicher Bestandteil des Erfolgs ist die witzige Sprachakrobatik gekoppelt mit entsprechender Melodie: "Wenn man so will, bist du das Ziel einer langen Reise, die Perfektion der besten Art und Weise, in stillen Momenten leise, die Schaumkrone der Woge der Begeisterung, bergauf mein Antrieb und Schwung."
Die Kraft geht aus: Der schwierigste Moment der Band
Frontmann Peter Brugger, Schlagzeuger Florian Weber und Bassist Rüdiger Linhof trainieren die Sprachmuskulatur auch im Film: "Wir haben unseren Stil, wir haben unsere Dynamik beim Musizieren. Wir sind wirklich nicht die Fleißigsten, aber ich weiß nicht, was dabei rumkommen würde, wenn wir jetzt anfangen würden, reif zu werden und jetzt einen Oberfleiß an den Tag zu setzen. Was passiert dann mit unseren Liedern? Ich glaube, es würde vielleicht eher sogar diesen Charme verlieren, der uns auch ausmacht. Aber ansonsten habe ich immer noch diesen leicht Rotz, diesen leichten Ungehorsam: Lieber einmal weniger proben als zu viel. Das finde ich immer noch ganz gut. Dieses freie, flexible. Und dann halt zu erkennen: Scheiße, hätten wir doch einmal mehr geprobt", so Flos Bandwurmsatz zum Bandgeheimnis.
Sportfreunde sprechen über das Tour-Leben
Der Film wurde hauptsächlich 2025 gedreht und schwankt zwischen Nostalgie, Zukunftsängsten und Hoffnungen.Wegbegleiter charakterisieren die Band auf je eigene Weise, u. a. Christina Stürmer, Harald Krassnitzer, Produzent Tobi Kuhn, Jan Müller von Tocotronic, Roland "Atomic Café" Schunk, Joko Winterscheidt oder Michael Zirnstein.
Die Doku ermöglicht die Teilhabe an einer der bekanntesten deutschsprachigen Bands, die trotz längerer Funkstille Ende der 10er Jahre jetzt keinesfalls aufgeben will, die gerade ein neues Album aufgenommen hat und drei Songs daraus preisgibt: Das dank der Winterolympiade schon erfolgreiche "Ti amo, Italiano!" enthält den unverwechselbaren Sportis-Stadion-Sound, zeugt aber gleichzeitig von einer zunehmenden Gelassenheit im Umgang mit dem eigenen, inzwischen geschichtsträchtigen Liedgut.
Der Song weist entspannt in die musikalische Zukunft der drei Freunde und ist Anlass für Witzeleien auf Instagram: ",Ti amo, Italiano!’ - ARD Olympiaaaaahaaa … wer’s gesehen hat: wir waren schneller als der Schall. Ab jetzt Schussfahrt ins Glück!", so die Sportis.
Berufsjugendliche auf der Langstrecke
Vom gereiften Umgang mit Brüchen in der persönlichen und der Band-Biografie zeugt der Song "Keine Blumen ohne Regen": "Kann nicht nur Schönwetter sein, keine Blumen ohne Regen, wenn’s nicht mehr weh tut, leuchtet’s ein." Hit-Potenzial hat auch ein Lied mit den Zeilen: "… schweben, über Mauern segeln … Wenn ihr fragt, wann war unsere beste Zeit, sagen wir: Zwischen Geburt und Tod. Aber wir sind immer noch hier". Flo und Peter arbeiten auf der Sonnenterrasse, und Peter sagt: "Ich würde aus dem ‚Aber’ ein ‚Und’ machen: ‚Und wir sind immer noch wir.’"
Der Abschluss der Aufnahmen für das neue Album wird von den Urhebern in den sozialen Medien "Englisch" kommentiert: "We are very HAPPY to announce: Album is ready recorded. 30 Jahre Sportpower reingesteckt. Stay aufmerksam, your Friends!"
Das Lied "Ein Kompliment"
Die interessantesten Szenen im Film zeigen das Feilen an neuen Songs in Chill-out-Areas: Peter, Flo und Rüde sind keine Marathonläufer, aber im 30. Jahr beschäftigen sich die früheren Berufsjugendlichen mit der Langstrecke: Viele Gigs der "30 Wunderbaren Jahren"-Tour sind bereits ausverkauft und im Kiosk auf ihrer Webseite reiten sie weiter die Welle der Begeisterung und beweisen Humor und Verstand beispielsweise mit dem T-Shirt "Sportfreundin" oder den Socken "Ich Soque".
Was im Film fehlt, ist eine ausführlichere Darstellung ihrer Arbeit im Studio und ihrer Kunst des Songwritings. Sollten sie so lange durchhalten wie Paul und Ringo oder die Stones, werden die Sportis um das Jahr 2055 herum mit neuem Album und einer Tour am Start sein. Für die Fitness tun sie ja genug.
Das neue Album heißt erstmal augenzwinkernd "Happy Birthday!", erscheint am 12. Juni als Vinyl, CD und Musikkassette und möglicherweise in 30 Jahren als Deluxe-Remaster-Special-Edition.
Der Trailer zur Dokumentation
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