"Sportfreunde Stiller"-Doku: Comeback der großen Gefühle

30 Jahre Freundschaft, Musik und eine Krise: Die ARD-Doku "Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand" zeigt, wie die Band Kult wurde - und doch nicht daran zerbrochen ist. Ab 28. Mai in der Mediathek.
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Rüdiger "Rüde" Linhof, Flo Weber und Peter Brugger feiern das 30-jährige Jubiläum ihrer Kultband Sportfreunde Stiller.
Rüdiger "Rüde" Linhof, Flo Weber und Peter Brugger feiern das 30-jährige Jubiläum ihrer Kultband Sportfreunde Stiller. © BR/Berlin Producers Media GmbH/Ingo Pertramer

"Neverending Glücksgefühl, wenn nach 30 Jahren Dasein 12.000 People für 7 Minuten Ohohohohhh singen. 12 von 10!!!" - so kommentierten die Sportfreunde Stiller kürzlich einen ihrer Konzertabende auf Instagram. Wer das liest, spürt sofort, worum es bei dieser Band geht: echte Emotion, kollektives Erleben, kein Fake. Seit drei Jahrzehnten singen Peter Brugger (53), Florian "Flo" Weber (52) und Rüdiger "Rüde" Linhof (53) Songs, die sich ins Gedächtnis ganzer Generationen gebrannt haben - "Ein Kompliment", "Applaus, Applaus", "54, '74, '90, 2006". Zum Jubiläum und dem großen Comeback gibt es eine Doku dazu.

Ab 28. Mai - dem 52. Geburtstag von Drummer Flo - ist "Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand" in der ARD Mediathek abrufbar. Der 90-minütige Dokumentarfilm von Regisseur Thorsten Berrar begleitet die drei Musiker bei Proben und Albumaufnahmen in Spanien, auf und hinter der Bühne der aktuellen Jubiläumstour - und in privaten Momenten, die man von der Band so noch nicht gesehen hat.

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Mehr als eine Bandbiografie

Was den Film von einer gewöhnlichen Musikdoku abhebt, ist sein Blickwinkel. Regisseur Berrar erzählt nicht einfach Stationen nach, sondern folgt der Band an einem Wendepunkt: Erstmals produzieren die Sportfreunde ihr neues Album "Happy Birthday!" ohne große Plattenfirma im Rücken, ganz in Eigenregie. Parallel planen sie ihr 30-jähriges Jubiläumsjahr - und stellen sich dabei den unbequemen Fragen ihrer gemeinsamen Erfolgsgeschichte.

Denn hinter der Fassade aus eingängigen Refrains und ausverkauften Konzerten gab es auch Stille. Eine sehr lange sogar. "2017 sind wir auseinander", erinnern sich die Bandmitglieder in der Doku, "und dann sind wir ins tiefe Loch des Schweigens reingerutscht". Die Pause traf jeden anders: Peter Brugger zog sich in die Familie zurück, Flo Weber machte Kunst, veranstaltete Ausstellungen und veröffentlichte einen Roman. Rüde Linhof gründete den "Kulturkonvoi", ein Projekt, das Musikerinnen und Musiker aus der Ukraine mit deutschem Publikum verbindet. Wie unterschiedlich drei Freunde auf denselben Bruch reagieren können, zeigt der Film, doch es wird auch erzählt, wie es überhaupt dazu kam...

Große Fan-Liebe - "Das Leben ist einfach schöner mit euch"

Was in der Doku zu sehen ist, deckt sich mit dem, was Fans seit Jahren auf Konzerten erleben. Auf Instagram häufen sich nach den aktuellen Auftritten Kommentare wie: "Mein Gott wie hat eure Musik uns getragen und tut es immer noch. Gaaanz großes Kino." Oder: "So dankbar durch die letzten zehn und zwanzig und dreißig Jahre mit euch gegangen zu sein." Eine Followerin schreibt: "Bei uns hat die ganze Familie Rotz und Wasser geheult, als ihr das erste Mal wieder bei Rock am Ring aufgetreten seid! Das Leben ist einfach schöner mit euch."

Was diese Momente bedeuten, fasst Sänger und Gitarrist Peter Brugger im Interview mit "Radioeins" zusammen: "Unterschiedlichste Menschen kommen an einem Ort zusammen und lassen ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Das ist total toll und so wichtig für unsere Gesellschaft." In einer Zeit, in der Social Media Gemeinschaft oft nur simuliert, setzen die Sportfreunde auf das Analoge - den gemeinsamen Raum, den Lärm, den Schweiß, das Mitsingen.

Freundschaft als roter Faden

Die Doku nutzt neben aktuellem Material auch spannendes Archivmaterial und lässt klug ausgewählte Weggefährten zu Wort kommen. So entsteht ein Porträt, das weit über Chartplatzierungen und Festivalbühnen hinausgeht. Die Band selbst beschreibt den Film als Einblick in ihre "Dynamik als Band" und als Offenbarung ihres "Geheimnisses der Band-Chemie" - mit der "unverwüstlichen Erkenntnis, dass Humor die größte Waffe in vielen Kämpfen ist".

Gegründet wurden die Sportfreunde Stiller 1995 in Germering bei München, zunächst unter dem Namen "Endkrass". Seit 1997 ist Bassist Rüdiger Linhof dabei, seither sind Peter Brugger, Flo Weber und "Rüde" Linhof das stabile Trio. Ihr Weg führte von Münchner Clubs wie dem "Atomic Café" (1997-2015) über die Olympiahalle bis zum "MTV Unplugged in New York" (2009) - und dazwischen, im Sommer 2006, auf die Bühne am Brandenburger Tor vor fast einer Million Menschen, als "54, '74, '90, 2006" zur inoffiziellen Hymne der Fußball-WM wurde.

Podcast und Rockpalast-Aufzeichnung inklusive

Wer nach der Doku noch mehr will: Ebenfalls ab 28. Mai erscheint in der ARD Audiothek der sechsteilige Podcast "ARD Ikonen: Sportfreunde Stiller". Moderatorin Franziska Niesar spricht darin mit der Band über Aufstieg, Krise und Neuanfang - Folge für Folge chronologisch durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte. Außerdem hat der WDR Rockpalast das Konzert vom 11. Mai 2026 im Kölner Palladium aufgezeichnet, das ebenfalls ab dem 28. Mai in der ARD Mediathek zu sehen ist.

Zum Jubiläum erscheint am 12. Juni, also am Tag nach dem Start der Fußball-WM, auch das neue Album "Happy Birthday!" inklusive der bereits im Januar 2026 veröffentlichten Single "Ti amo, Italiano!" - die zugleich das offizielle Lied der ARD-Berichterstattung bei den Olympischen Winterspielen in Italien war. Am Abend der Album-Veröffentlichung ist die Doku auch im TV zu sehen: 12. Juni, 23:30 Uhr, das Erste.

30 Jahre nach dem ersten Auftritt als "Stiller" hat die Band nichts von ihrem Zauber verloren - davon können die Fans auf den unzähligen ausverkauften Konzertterminen noch bis Ende Oktober ein Lied singen.

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