Bayerischer Kult-Krimi: Dieser Film rettet unsere Kinos

Das hatte keiner erwartet: Als vor 13 Jahren im Sommerloch der erste "Eberhofer"-Krimi in die Kinos kam, hoffte die Münchner Produktionsfirma Constantin Television allenfalls auf ein Regionalphänomen - südlich des Mains. Aber "Dampfnudelblues" hatte schon bei Testvorführungen so gut abgeschnitten, dass man ihn gleich ins Kino brachte, ehe er wenige Monate später, im Dezember, wie geplant als TV-Film in der ARD ausgestrahlt wurde.
Die Reihe wurde ein anhaltendes Erfolgsrezept - trotz kurzzeitigen Streits mit der Inhaberin der Urheberrechte, der Autorin Rita Falk. Die hatte vor drei Jahren die Filmadaption ihrer Romanvorlage "Rehragoutrendezvous" als "platt, trashig und ordinär" bezeichnet und nicht nah genug an der Romanstory. Da waren die "Eberhofer"-Krimis aber längst zum deutschen Sommerkino-Event geworden - inklusive Open-Air-Vorstellungen.

Gerade hat das Open-Air-Kino im Strandbad Starnberg erklärt, dass die vier Vorstellungen von "Steckerlfischfiasko" mit 2800 Besuchern die 20. Ausgabe mit 18 Open-Air-Abenden in Starnberg zur erfolgreichsten gemacht haben. Und ein bayerisches Kino hat in diesem Sommer das "Steckerlfischfiasko" bereits nachweislich gerettet - in Ingolstadt.
"Das 'Steckerlfischfiasko' lässt mich an die Zukunft des Kinos glauben"
Nach der Insolvenz der Altstadtkinos Union und Cinema hat Christian Pfeil, der in München das Monopol, Rio, Arena und Maxim betreibt, die Kinos in Ingolstadt übernommen. Er investiert rund eine Million Euro in die Sanierung der seit Monaten geschlossenen Räume. "Der 'Eberhofer' hat mir jetzt finanziell schon den Sommer gerettet", sagt Pfeil, der die beiden Kinos abwechselnd als "Pop-up-Kinos" öffnet, um den Kinostandort während der Sanierung im Bewusstsein zu halten: "15000 Euro in nur wenigen Tagen nur durch das 'Steckerlfischfiasko' lassen mich an die Zukunft des Kinos in der Fläche glauben", sagt Pfeil der AZ.
Wie aber performt der zehnte "Eberhofer", das "Steckerlfischfiasko" wirklich? Die Kinobetreiber haben jedenfalls großes Vertrauen: 638 Kinos hatten "Steckerlfischfiasko" zum Start im Programm. Und nach dem ersten Wochenende war klar: Die zehnte Folge ist nicht der Anfang vom Ende: 410.000 Karten waren verkauft, was deutschlandweit für Platz drei hinter "Spider-Man" und der "Odyssee" reichte.

Der Chart-Trick der "Eberhofer"-Reihe: Die vorgezogenen Kinotouren. Denn am Starttag werden alle bisherigen Zuschauerzahlen dazugerechnet. Im Falle von "Steckerlfischfiasko" gleich mal ein Plus von 100.000 verkauften Previewkarten. So gelang Regisseur Ed Herzog zumindest in Bayern der Kino-Chartplatz eins. Peter Mopils von "Kino, Mond & Sterne" auf der Seebühne im Münchner Westpark hatte am Tag vor dem Kinostart auch mit 1300 Besuchern bereits volles Haus. "Und wir spielen ihn noch viermal, einschließlich als Schlussfilm – immer bereits gut gebucht im Vorverkauf."
Der zweitbeste Eberhofer-Start aller Zeiten
Insgesamt ist das "Fiasko" nach Ticketverkauf der zweitbeste Start eines Eberhofer-Films hinter dem letzten Kinokrimi "Rehragout-Rendezvous". Mit 315.000 Tickets waren es nach dem Startwochenende nur 5000 Kinokarten weniger als beim letzten Mal.
Der zehnte "Eberhofer", "Das Steckerlfischfiasko" ist also kein Fiasko und kam zumindest in Österreich nach Start elegant gleich auf Platz eins der Kino-Charts. Mopils glaubt, dass "Steckerlfischfiasko" die erfolgreichste "Eberhofer"-Krimiverfilmung werden wird: "Denn jetzt sind auch Städte wie Hamburg, Berlin und Dresden groß dabei! Und die schauen sich das amüsiert als Bayernkarikatur an."