"Smaragdgrün": Trau, schau, wem?

Die Verfilmung von Kerstin Giers „Edelsteintrilogie“ endet mit „Smaragdgrün“, holpert ein wenig, aber bezieht Aktuelles ein.
| Natalie Decker
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Keine Barockparty: Gwen (Maria Ehrich, re.) begegnet durch einen Zeitsprung Lady Amalia (Emilia Schüle) und James (Kostja Ullmann).
Keine Barockparty: Gwen (Maria Ehrich, re.) begegnet durch einen Zeitsprung Lady Amalia (Emilia Schüle) und James (Kostja Ullmann).

Es ist Peter Simonischek, der dem gerade zu Ende gegangenen Filmfest München dreimal sein prägendes Gesicht gegeben hat: im tragikomischen Eröffnungsfilm „Toni Erdmann“, in Dani Levys „Die Welt der Wunderlichs“ – beide Male als kauziger Alter. Und in „Smaragdgrün“. Sieht man in der Jugendroman-Verfilmung „Liebe geht durch alle Zeiten“ von den sympathisch jungen, aber glatten College-Gesichtern (Maria Ehrich, Jannis Niewöhner) ab, so ist es der Graf von Saint Germain, der „Smaragdgrün“ Charakter gibt: Gründer der Geheimloge mit Zeitreise-Gen und Smaragd-Affiner. Gespielt wird er von Peter Simonischek.

Wer die Geschehnisse aus den Vorgängern „Rubinrot“ und „Saphirblau“ nicht kennt, sollte dies vor dem Besuch von „Smaragdgrün“ nachholen. Die Regisseure Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde sparen sich einen „Was bisher geschah“-Rückblick. Sofort stürzt sich der Abschlussteil der Adoleszenz-Fantasy-Geschichts-Saga in die platt romantische, in guten Momenten auch charmant aktuelle Jugend-Story: Gwendolyn (Maria Ehrich) hat Liebeskummer. Gideon (Jannis Niewöhner) könnte seine Gefühle nur vorgetäuscht haben, um dem düsteren Grafen von Saint Germain zuzuarbeiten. Der sitzt in der Vergangenheit fest, bekommt aber immer wieder Besuch von Gwen und Gideon – beide haben das Zeitreise-Gen und können durch die Jahrhunderte springen.

In der Gegenwart führt die geheimnisvolle Loge des Grafen, ein Altherren-Verein zwischen Freimaurer und Studentenverbindung, das Macht-Ziel des Grafen fort. Und während Gwen zu Anfang der Trilogie noch im Auftrag der Loge handelte, dämmert ihr inzwischen, dass die Motive des Chefs doch nicht ehrenhaft sind.

Wie fast jeder Film, der sich mit Zeitreisen beschäftigt, stecken auch in „Smaragdgrün“ logische Fehler. „Fühlt sich an, als würde in meinem Kopf eine U-Bahn gebaut“, klagt Gwen, als sie versucht, die Herausforderungen der Zeitreisen ihrer Freundin Leslie (Jennifer Lotsi) zu erklären. Den meisten Zuschauern dürfte es da genauso gehen.

Abgesehen von der verworrenen Story hat „Smaragdgrün“ einiges zu bieten: Die Schauplätze reichen vom Festsaal der Wartburg bis zu den Hügeln Schottlands. Fans der Saga dürfen sich auf ein Wiedersehen mit liebgewonnen Nebenfiguren wie Schulgeist James (Kostja Ullmann), Großtante Maddy (Katharina Thalbach) und Gwens Mutter Lucy (Josephine Preuß) freuen. Auch der animierte Wasserspeier Xemerius (Stimme: Rufus Beck) ist wieder dabei und sorgt vor allem bei den jüngeren Zuschauern für Lacher. Als Gaststars stoßen Emilia Schüle („Freche Mädchen“) und Chris Tall („Abschussfahrt“) zum Ensemble.

„Smaragdgrün“ soll nicht nur der Abschied, sondern auch der Höhepunkt der Zeitreise-Trilogie sein: Zu den romantischen Motiven mit platten „Romeo und Julia“-Anspielungen kommen Thriller- und Science-Fiction-Momente. Schließlich geht es dieses Mal nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft. Denn was passieren könnte, wenn die „Loge“ die Weltherrschaft übernimmt, zeigen wiederkehrende TV-Einspieler. In diesen News-Beiträgen ist von Bankenkrise, Bildungsmisere und wütenden Straßenprotesten die Rede. Ein interessanter Verweis zu unserer Realität.


Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde (D, 113 Min.)

Kino: Cinemaxx, Mathäser, Royal

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